Umwerfend komisch: Dirk Langer lieferte als Seemann Nagelritz eine atemberaubende Vorstellung im Gleis 1 ab

Rasante Reise von Rotterdam bis in die Alpen

EKG-Kurve in Form von Malteser-Flaschen – da weiß man gleich, was Sache ist.

Syke - · Warum heißt das eigentlich Kleinkunst? Weil die Künstler vorwiegend in kleinen Sälen auftreten? Vor kleinem Publikum? Keine Ahnung! Aber was Dirk Langer da am  Freitag Abend im Gleis 1 als Seemann Nagelritz gezeigt hat, ist mit Kleinkunst  jedenfalls nur dann richtig bezeichnet, wenn man den Begriff definiert als: „Mit kleinen Mitteln große Kunst machen.“

„Landgang mit Vieh, Gesang und Vollrausch“ heißt das dritte abendfüllende Programm, das der Bremer mit unverkennbaren Gelsenkirchener Wurzeln auf der Bühne im Syker Bahnhof präsentierte. Wer dabei einen eher lyrisch-musikalischen Ringelnatz-Abend erwartet hatte, wie beim letzten Nagelritz-Gastspiel, war jedoch ganz unseemännisch auf dem Holzweg. Denn Langer alias Nagelritz nahm erstens den Titel seines Programms wörtlich und zweitens seine Zuschauer mit auf eine atemberaubend rasante Reise von Rotterdam bis in die Schweizer Alpen und retour.

Stets mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht, erzählt Nagelritz die Geschichte, wie er auf der Suche nach seinem Kumpel Hinnerk in Rotterdam verschütt geht. Über – gelinde gesagt – „ungewöhnliche“ Umstände verliebt er sich erst in die Frau eines schießwütigen Jägers und gelangt dann an die ebenso anhängliche wie mu(h)sikalische Kuh 4711. Mit ihr zusammen ist gerade im Begriff, ein Star zu werden, als ihm der vermisste Hinnerk begegnet. „Natürlich“ in einer stecken gebliebenen Seilbahngondel. Die Handlung nimmt noch ein paar andere ebenso abstruse Wendungen, bis die beiden Seebären wieder auf einem Schiff landen und 4711 in Pinneberg, wo Nagelritz‘ Freunde Heike und Raoul gerade eine Stierkampfarena planen.

Jedes einzelne Kapitel dieses Reiseabenteuers ist dabei ein Kleinod für sich. Was vor allem daran liegt, dass Nagelritz ein ums andere Mal ein schier fantastisches Seemannsgarn spinnt. Wenn er etwa erzählt, wieso er und Hinnerk eines Tages ein komplettes Dialyse-Gerät aus einem Krankenhaus geklaut haben: Für den leichteren Alkoholschmuggel. Den Sprit selber trinken, grüßend am Zoll vorbei, nach erfolgter Selbstdialyse wieder rausdestillieren und hinterher in Flaschen abfüllen. „Den Unterschied schmeckt man gar nicht, stimmt‘s UIli?“, fragt er abschließend den Gast aus der ersten Reihe, dem er kurz zuvor einen Malteser angeboten hatte…

Oder die Kuh 4711: Ein Mu(h)ltitalent, die einzige Kuh, die sich selbst mit dem Schwanz anleinen kann. Die schwarzen Flecke hat er ihr zwar nicht wegpolieren können. Aber dafür hat er ihr das Euter tätowiert und die Hörner sind jetzt rot und grün. „Zur besseren  Navigation.“ Ein wahres  PhilosoVieh mit Zeug zum Popstar, auch wenn ihr Song „Dancing Cow“ in Wahrheit nur eine Kuhpie ist.

Man darf allerdings keinesfalls übersehen, dass unter der Matrosenmütze und  all dem Klamauk ein ganz außergewöhnlich guter Musiker steckt! Langer kann in einem Moment auf dem Klavier den Jerry Lee geben, die Tasten mit einer Hand und einem Fuß bearbeiten, während er mit der anderen Hand drei Malteser-Flaschen wie ein Xylophon beackert. Im nächsten Moment zaubert er aus einer lächerlich winzigen Gitarre eine Begleitung, wie sie selbst der große Eric C. nicht gefühlvoller hinbekommen würde. Und eine prägnante Stimme hat er auch: Scharf schneidend und schmalzig zu gleich.

Klein war an diesem Abend allein das Publikum: Viel mehr als 50 Gäste wollten nicht kommen. Selber schuld! · Michael Walter

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