Schon seine ersten Urlaubsziele erreichte der Martfelder Wilfried Nordbruch mit dem Drahtesel

„Rad fahren liegt mir im Blut“

Mit Fotos und Postkarten hat Wilfried Nordbruch seine früheren Urlaube dokumentiert.

Martfeld - (ah) Urlaub vor 50 Jahren ? „Gab es nicht“, lautet die erste Reaktion des Martfelders Wilfried Nordbruch. Dann aber fällt dem 69-Jährigen doch noch Einiges für die Sommerserie der Kreiszeitung ein. „Wir haben es wohl nur nicht Urlaub genannt“, lacht Nordbruch, den die Martfelder wegen seines jahrzehntelangen Engagements für die Kirchengemeinde und den Heimatverein schätzen.

Seinen Eltern war das Wort „Urlaub“ tatsächlich fremd. Ab und zu ein freier Tag, mehr sei nicht drin gewesen, erinnert sich Nordbruch an seine frühe Kindheit. 1940 geboren, wuchs er auf einem Pachthof in Martfeld-Normannshausen auf. Sein Vater betrieb einen kleinen Landhandel mit Kohle, Torf, Düngemitteln und Kartoffeln. Ausflüge mit Nachbarn und Bekannten zum Zirkus „Krone“ in Bremen seien schon „eine Sensation in Tüten“ gewesen. „Da sind wir mit einem alten Lkw hin, auf dessen Pritsche Bänke und Stühle montiert waren.“ Besuche von Verwandten in Jeebel mit dem Rad und Abstecher zum Brokser Markt unternahm Nordbruch ebenfalls mit den Eltern. Zu Hochzeiten und anderen wichtigen Anlässen mietete sich die Familie schon mal einen Wagen mit Fahrer.

Sein erster eigener Urlaub führte Nordbruch 1956 nach Hamburg. „Ich habe mich damals gewundert, dass ich das schon mit 16 Jahren durfte“, berichtet er. Gemeinsam mit seinem Klassenkameraden Wolfgang Landwehr machte er sich mit dem Rad auf den Weg in die Hansestadt. Eine Klassenkameradin war dorthin gezogen. „Na ja, in dem Alter hat man ja schon nach Mädchen geschaut“, erklärt der Martfelder. Den Großteil der Nächte verbrachten die Freunde in einer Baracke der Jugendherberge in Fuhlsbüttel. Feldbett und Wolldecke – mehr brauchten die beiden Jungen seinerzeit nicht.

Ein Jahr später ging es mit dem Drahtesel nach Holland und Belgien. 1 000 Kilometer rissen Nordbruch und sein Klassenkamerad Detlef Krüger aus Bruchhausen-Vilsen (heute Schweiz) in zehn Tagen ab. Dass er wegen eines vergessenen Portemonnaies insgesamt drei Mal über den Ijsselmeer-Damm musste, darunter zwei Mal bei Gegenwind, ist Nordbruch besonders in Erinnerung geblieben. Ebenso wie das „viel lockerere“ Radioprogramm der Holländer mit unbekannter Musik und das Interesse eines Holländers an zeitgenössischer deutscher Literatur. Mit ihm tauschte sich Nordbruch über den norddeutschen Schriftsteller Manfred Hausmann aus. Zeitweise waren die Jungen mit Mädchen aus Surinam unterwegs. Nordbruch: „Bis dahin hatten wir in unserem Leben noch keine Farbigen gesehen.“

Nicht verstanden haben die beiden, warum ihnen einige Holländer feindlich begegneten. „Vom Zweiten Weltkrieg haben wir in der Schule doch nichts mitbekommen“, sagt Nordbruch.

Weitere Radtouren unternahm Nordbruch seinerzeit mit dem Brokser Wilfried Schumacher in den Harz (1959) sowie mit dem Schwarmer Klassenkameraden Fritz Masemann nach Schilling (1958 und 1960). „Dort muss es uns gut gefallen haben, sonst wären wir ja nicht zweimal hin“, überlegt Nordbruch. Beim zweiten Mal habe er schon einen Motorroller besessen. „Fritz hat sich einfach an meiner Schulter festgehalten, und ich habe ihn gezogen. Damals ging ja so manches.“

Seinen ersten Flug erlebte er im Alter von 46 Jahren. Mit Ehefrau Regina und den beiden Töchtern ging es nach Ischia (Italien). Wander-Ferien auf Mallorca, Madeira und Teneriffa haben die Nordbruchs ebenfalls schon erlebt, doch gegen den Drahtesel hat das Flugzeug noch heute keine Chance. Ob rund um den Bodensee oder der Donau entlang von Passau nach Wien: „Das Radfahren liegt mir irgendwie im Blut“, erklärt Nordbruch. „Am Strand in der Sonne liegen, das ist nichts für mich.“

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