Informationsabend zum Thema „Sexueller Missbrauch“ / Christian Spoden zu Gast im Forum

Prävention statt Panik-Mache

Diplom-Sozialpädagoge Christian Spoden fand klare Worte im Schulforum.

Bruchhausen - BR.-VILSEN (kk) · „Es ist nicht unser Job, strafrechtlich zu ermitteln, sondern das Kindeswohl zu schützen, auch wenn es nur Verdachtsmomente sind“, hob Christian Spoden am Donnerstagabend im Forum des Schulzentrums Bruchhausen-Vilsen deutlich hervor. Der Diplom-Sozialpädagoge referierte zum Thema „Sexueller Missbrauch“ vor rund 100 Gästen – allesamt Abgesandte der Vereine der Samtgemeinde.

Ende vergangenen Jahres erschütterten Missbrauchsfälle in der Ferienfreizeit der Christlichen Pfadfinder Bruchhausen-Vilsen (wir berichteten) die Bevölkerung. Seitdem ist die Verunsicherung nicht nur bei Eltern, sondern auch bei den örtlichen Vereinen groß. Um über dieses Thema aufzuklären, offene Fragen zu beantworten und Hilfestellungen zu bieten, war Christian Spoden, Leiter der Fachstelle für Gewaltprävention Bremen und Bremerhaven, der Einladung der Samtgemeinde gefolgt.

Der Referent fand in seinem Vortrag klare, drastische und ungeschönte Worte und wies auf eine notwendige Differenzierung bei jedem Fall hin, denn „sexueller Missbrauch ist nicht immer Seelenmord“. Die Beurteilung eines Verbrechens hänge von fünf Faktoren ab: Schwere der Tat, Dauer der Misshandlung, soziale Nähe des Opfers zum Täter, psychische Labilität des Kindes und die Reaktion des sozialen Umfelds. Er betonte, dass sexueller Missbrauch in Vereinen Einzelfälle seien, doch wenn es zu einem Vorfall komme, die Aufregung und Verunsicherung sehr groß sei. Spoden machte deutlich, dass ein gutes Fallmanagement benötigt werde, um auf der einen Seite eine Skandalisierung und auf der anderen Seite Täterschutz zu verhindern. Entscheidend sei, dass der Verein im Ernstfall wisse, was zu tun ist. „Der Schaden kann durch falsches Fallmanagement vergrößert werden“, so Spoden. „Der richtige Umgang dokumentiert Verantwortung und ist kein Imageschaden.“ Es gehe in erster Linie um Prävention, nicht um Panik-Mache.

Er gab den Abgesandten der Vereine eine Checkliste an die Hand, die nicht nur präventiv, sondern auch für den Ernstfall rüstet. Dazu zählen klare Leitlinien des Vereins, ein Verhaltenskodex für die Mitarbeiter und transparente Dienstanweisungen. Sollte es zu einem Verdachtsmoment oder Vorfall kommen, gilt es, die Verfahrensrichlinien im Umgang mit Beschuldigten einzuhalten und sich über die Konsequenzen einer Strafanzeige bewusst zu sein. Als Maßnahmen empfahl Spoden regelmäßige Fortbildungen und Sensibilisierung aller Mitarbeiter und der Vereinsleitung sowie die Einrichtung einer Expertengruppe – einer sogenannten „Task Force“. Zudem sollten Kinder, Jugendliche und Eltern beispielsweise über ein Infoblatt über Rechte und Regeln aufgeklärt werden. Entscheidend sei, dass in den Vereinen „mehr über sexuellen Missbrauch gesprochen wird“, sagte Spoden.

In der anschließenden Diskussionsrunde brachte unter anderem Pitt Brandstädter vom Bund der Pfadfinder Deutschland in Bruchhausen-Vilsen zum Ausdruck, wie wichtig es sei, dass den Vereinen externe Hilfe geboten werde. Zudem äußerte er seine Bedenken, dass sich im Ernstfall in solch einem „Misstrauensklima“ niemand mehr persönlich engagieren möchte.

Mehrere Besucher bestätigten diese Sorge, dass durch solche Vorfälle wie im vergangenen Jahr insbesondere die ehrenamtliche Vereinsarbeit leide – aufgrund der großen Verunsicherung und Angst, durch normalen Kontakt zu den Schutzbefohlenen selbst in eine solche Situation zu geraten. Wichtig sei, die Kinder nicht künstlich fernzuhalten. „Sport darf leidenschaftlich, emotional und sexy sein, man muss nur die Grenzen kennen“, so Spoden. Und diese Grenzen sollten vorher mit den Kindern besprochen werden.

Auf die Frage, wie Vereinsmitglieder oder Jugendbetreuer auf sexuellen Missbrauch aufmerksam werden, nannte der Referent auffällige Verhaltensänderungen, Aggressionen, verschlechterte Schulnoten oder Einnässen. Zugleich erklärte er, dass diese Anzeichen nicht monokausal auf sexuellen Missbrauch hinweisen. „Das Wichtigste ist, dass Kinder davon berichten können.“ Ein Kind berichtet bis zu acht Mal, bevor ihm jemand Glauben schenkt, so Christian Spoden.

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