Pomologen schwärmen vom Apfeljahr 2015/Hochbetrieb in Mostereien

Delikater Reichtum an grünen Zweigen

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Ariane Müller, Pomologin mit eigener Mosterei in Bassum-Osterbinde, freut sich über die üppigen Früchte.

Landkreis Diepholz - Von einer außergewöhnlich guten Apfelernte berichten in diesem Jahr nicht nur die Pomologen. Gleich, ob in den Obstplantagen, den Streuobstwiesen des Naturschutzbundes (Nabu) im Landkreis Diepholz oder in den Kleingärten: Die Apfelbäume hängen voll, bieten delikaten Reichtum an grünen Zweigen in Hülle und Fülle.

Kein Wunder also, dass die Pomologen – sprich Apfelkundler – vom Apfeljahr 2015 regelrecht schwärmen. Pomologin Dr. Ute Hoffmann-Deterding (Asendorf-Uepsen), Regionalsprecherin des Pomologenvereins Bremen/Niedersachsen, erklärt auf Anfrage: „Die Apfelernte ist in diesem Jahr wesentlich besser als im Jahr zuvor, als nur sehr wenige Äpfel an den Bäumen hingen.“

Von August bis Ende Oktober, ja bei einigen Sorten sogar bis Anfang November, dauert die Erntezeit. Dr. Hoffmann-Detering schätzt, dass es in Deutschland an die 10 000 Sorten von Äpfeln gibt. In der Region und im Landkreis Diepholz könnten es so um die 1000 verschiedene Sorten sein – darunter auch spezielle heimische Sorten wie der „Schöne von Bassum“, der „Syker Dauerapfel oder die Goldrenette von Hoya.

Die promovierte Biologin aus Asendorf-Uepsen, die lange in der Krebsforschung tätig war, hat vor Jahren schon ihre Leidenschaft für die Pomologie entdeckt und veredelt in ihrer Obstbaumschule Äpfel. Dem Verein gehören in der Region rund 90 Mitglieder an, im Bundesgebiet etwa 900.

Wenn es um Äpfel, insbesondere um den Erhalt der alten Sorten geht, ist Pomologin Ariane Müller aus Bassum – hauptberuflich Krankenschwester in Bremen – eine gefragte Fachfrau, zum Beispiel im Team mit Dr. Dankwart Seipt im Kreismuseum bei der Apfelbestimmung. Sie war die Gründerin des Pomologenvereins 1991 in Barnstorf. Ihr Apfelreich hat sie an der Osterbinder Straße in Bassum, wo sie inzwischen auch mit der Mosterei begonnen hat. „Das Jahr 2015 ist ein sehr gutes Apfeljahr“ ist auch sie überzeugt. Allerdings seien die Früchte gegenüber dem Vorjahr etwa zwei Wochen später reif, beispielsweise der Grafensteiner.

Als eine der ältesten Apfelsorten gilt der Moringer Rosenapfel, den es seit rund 150 Jahren gibt. „Das ist ein typischer Norddeutscher“ sagt Ariane Müller, die auf dem Grundstück an der Osterbinder Straße insbesondere alte Sorten erhalten will. Inzwischen hat sie auch mit der Mosterei angefangen und schätzt den Saft aus ihren eigenen Äpfeln ganz besonders.

Hochbetrieb herrscht zur Zeit in der Mosterei von Pedro dos Santos in Dimhausen. Die Leute aus der Region oder aus dem Raum Vechta bringen säcke- oder kartonweise ihre Äpfel von den eigenen Bäumen und lassen in der mobilen Mosterei Saftexpress daraus Apfelsaft pressen. Nach dem Pressen wird der Saft schonend erhitzt und in Flaschen oder Saftboxen abgefüllt. Die Kunden nehmen den Saft danach gleich mit.

Eine Frau schwört auf den Saft aus den eigenen Äpfeln, die im Garten auf den Bäumen vor ihren Augen reif werden. Im Gespräch mit unserer Zeitung wies Pedro dos Santos ebenfalls darauf hin, dass 2015 ein starkes Apfeljahr ist.

Er hat Anfang September mit dem Mosten begonnen und rechnet damit, dass er bis Mitte November noch mit den Äpfeln zu tun hat. Aus einem Zentner Äpfel presst er etwa 35 bis 40 Liter Apfelsaft.

Auch die Apfelbäume der Nabu-Streuobstwiese in Bassum-Eschenhausen hängen voller Früchte, wie Anni Wöhler-Pajenkamp, stellvertretende Vorsitzende des Nabu Syke, sagt. Zur Erntezeit rücken Nabu-Mitglieder zum Pflücken an. Der Ertrag wird unter anderem von Pedro dos Santos in der Mosterei zu Saft gepresst und der wird gegen eine Spende verkauft. Schade, dass unter den Apfelbäumen an Straßenrändern Früchte achtlos verfaulen – weil sich nur wenige Menschen noch danach bücken.

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