Familie Kriesmann plant größten Betrieb dieser Art in der Region / 300 Menschen bei Info-Abend

Platz für 3200 Milchkühe

Fast 300 Interessierte drängten sich am Donnerstagabend im „Schusterkrug“ in Barver bei der Informations-Veranstaltung der Gemeinde zur Erweiterung des Milchviehbetriebs Kriesmann von 1100 auf 3200 Kühe.

Diepholz - BARVER (ej) · Jörn Kriesmann ist Landwirt aus Leidenschaft. „Die Kühe kommen direkt nach meiner Familie“, sagt der 42-Jährige. Von 40 Kühen im Jahr 1987 hat er den Familienbetrieb in Barver auf heute 1100 Stück Milchvieh vergrößert. Jetzt plant Kriesmann die Verdreifachung des Tierbestandes und einen neuen Betrieb für 3200 Kühe. Das wäre der bislang größte im Landkreis Diepholz.

Ein Plan, der auf großes Interesse stößt: Fast 300 Besucher ließen am Donnerstagabend den Saal des „Schusterkrug“ in Barver aus allen Nähten platzen. Die Gemeinde Barver hatte zu einer Informationsveranstaltung über die für die Region ungewöhnliche Betriebserweiterung eingeladen. Sitzplätze gab es nur für 160.

Die Offenheit, mit der sowohl die Familie Kriesmann als auch die Gemeinde mit der als „Modellprojekt“ bezeichneten Erweiterung umgeht, zahlte sich aus: Die Veranstaltung verlief ruhig und sachlich. Alle Fragen – meist zu Details – wurden umgehend beantwortet.

Jörn Kriesmann und der Vertreter der Niedersächsischen Landgesellschaft, Friedhelm Börger, als Bau-Planer informierten zu Beginn umfassend über das Vorhaben.

In Sichtweite der jetzigen Hofstelle In der Finkenstädt 26 auf einer freien Fläche will Kriesmann die neue Anlage bauen – mit offenen Boxenlaufställen, die mehr Platz für die 3200 Kühe bieten als heute v om Gesetzgeber vorgeschrieben, um auf eventuelle spätere Verschärfungen des Tierschutzes vorbereitet zu sein. Die Stallungen des alten Familien-Hofes werden dann für die Aufzucht von 1900 Kälbern und Jungrindern genutzt. Zum Vergleich: Ein Durchschnitts-Familienbetrieb hat etwa 80 bis 100 Kühe.

Der Verkehr zu und von dem neuen Betrieb soll über eine neue Straße erfolgen, an der es keine Anwohner gibt und die an der K 42 / B  214 endet. Dafür seien aber noch Verhandlungen mit Grundstückseigentümern notwendig, sagte Kriesmann.

Zu dem Konzept gehört auch eine Biogasanlage, in der die Rindergülle verarbeitet wird. Danach sei die Gülle als Dünger praktisch geruchlos, erklärte Jörn Kriesmann. Die Biogasanlage produziere Öko-Strom umgerechnet für 2100 Haushalte. Ein Teil der Abwärme soll als Energie zur Kühlung der Milchtanks genutzt werden.

Jörn Kriesmann hat sich in den USA, Russland, Spanien und anderen Ländern Stallanlagen mit mehreren tausend Kühen angesehen und Erfahrungen gesammelt.

„Meine Familie steht voll hinter dem Plan“, betonte der gelernte Landwirt, der den Hof nach 1987 schrittweise von seinem Vater übernommen hatte und auch an die Zukunft seiner drei Kinder denkt. Er beschäftigt heute neun Vollzeitkräfte, sechs Teilzeitkräfte und zwei Praktikanten. Etwa 15 Arbeitsplätze würden durch die Erweiterung dazukommen. Futter kauft Kriesmann auch von anderen heimischen Landwirten an.

„So eine Stallanlage habe ich im Landkreis Diepholz noch nicht genehmigt“, sagte Holger Schwenzer, Baudirektor beim Landkreis Diepholz, bei der Informationsveranstaltung. Das gehe nicht ohne Planverfahren mit Beteiligung der Bürger.

Über die Aufstellung und Inhalte von Flächennutzungs- und Bebauungsplan entscheiden nun die Räte von Samtgemeinde Rehden beziehungsweise Gemeinde Barver. Samtgemeindebürgermeister Hartmut Bloch hatte in seiner Funktion als Gemeindedirektor von Barver die zweistündige Veranstaltung eröffnet. Auch Vertreter des Landvolks und der Landwirtschaftskammer nahmen daran teil.

Bloch betonte, dass die Gemeinde die Interessen aller Seiten abwägen werde – deswegen saßen Ratsmitglieder am Donnerstagabend mit im Saal: „Einen Schnellschuss wird es nicht geben.“

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