Horst-Dieter Hoyer hat sich der niederdeutschen Sprache verschrieben

Plattdüütsch vor 220 Leuten: „Da bebert de Büx“

So sehr ist Horst-Dieter Hoyer von seinem Hobby begeistert, dass er in der Metzgerei an der Grünen Straße eine Ecke mit Literatur in plattdeutscher Sprache eingerichtet hat. ·
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So sehr ist Horst-Dieter Hoyer von seinem Hobby begeistert, dass er in der Metzgerei an der Grünen Straße eine Ecke mit Literatur in plattdeutscher Sprache eingerichtet hat. ·

Varrel - Von Andreas HapkePlattdeutsch ist eine praktische Sprache. „Man kann einem Menschen etwas Böses sagen, und er guckt einen noch freundlich an. Es klingt nie so hart wie Hochdeutsch“, sagt der Stuhrer Horst-Dieter Hoyer. Er muss es wissen. Hoyer hat sich privat der plattdeutschen Sprache verschrieben, wovon in diesem Semester die Volkshochschule (VHS) des Landkreises Diep holz profitiert: Der 70-Jährige springt kurzfristig als Leiter des Plattdeutsch-Kursus ein, der am Montag, 1. Oktober, um 18 Uhr im Gutshaus Varrel beginnt.

Erst vor vier Wochen sei die VHS auf ihn zugekommen und habe angefragt, ob er den Kursus übernehmen könne. Hoyer hat zugesagt – frei nach dem Motto der verstorbenen FDP-Legende aus dem Landkreis Diep holz, Heinrich Jürgens: „Wi köönt dat, un wi mook dat.“ Hoyer „mook dat“, weil er selbst seit vielen Jahren die VHS-Kurse besucht.

Seine Liebe zur Plattdeutschen Sprache geht auf eine Bemerkung seiner Frau zurück: „Wenn du mal in Rente gehst, dann hast du kein Hobby“, stellte sie fest. 17 Jahre ist das her. Hoyer reagierte prompt: Damit im Alter keine Langeweile aufkommt, besuchte er einen VHS-Kursus bei der plattdeutschen Autorin Anneliese Kiehne-Tecklenburg. Seitdem ist sie „voll und ganz“ sein Vorbild. „Ich schätze ihre Lebenserfahrung und ihre Art, Kurse zu leiten. Ich trage gerne ihre Lieder als Gedichte vor“, sagt der gelernte Metzger.

Als Kind ging es ihm so wie vielen Menschen seiner Generation: „Meine Eltern haben miteinander Plattdeutsch gesprochen, aber nicht mit ihren Kindern.“ In seinem Fall macht das aber nichts. Denn ob als Lehrling, Geselle oder Inhaber der Metzgerei an der Grünen Straße, die er 1960 mit seinen Eltern gründete: Hoyer kommt herum und hat viel Kontakt zur ländlichen Bevölkerung. „Überall sprachen sie Plattdeutsch, und irgendwann habe ich angefangen, es selbst zu sprechen“, erinnert er sich. Unbedarft war er also nicht, als er sich sein Hobby ausgesucht hat.

Inzwischen stehen 80 plattdeutsche Bücher in seinem Regal, von Ina Müller über Gerd Spiekermann bis hin zu – na klar – Anneliese Kiehne-Tecklenburg. Anzunehmen, dass die Lektüre ihrer Werke zu den Inhalten des Kurses zählt. Er habe aber auch einige Überraschungen geplant, sagt Hoyer, wolle sie jedoch noch nicht verraten. Nur so viel: Am dritten Abend möchte der Leiter mit dem Kurs das Rauchhaus am Gut Varrel besuchen und mit Leuten sprechen, „die Bescheid wissen über die Geschichte des Gebäudes“. Vielleicht gestalten die Teilnehmer wieder einen plattdeutschen Gottesdienst mit. So wie im April dieses Jahres, als Hoyer sogar eine Predigt auf Plattdeutsch hielt – vor 220 Leuten in der proppevollen Kirche. Ganz schön nervös sei er damals gewesen – oder wie Hoyer es stilecht formuliert: „Da bebert de Büx.“

Seinem VHS-Kursus mit zehn bis zwölf Teilnehmern kann er deutlich entspannter entgegensehen.

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