Gäste aus Varl-Varlheide beim Klönabend des Heimatvereins in Düversbruch / Witziges von Friedhelm Hardemann

Plattdeutsches Puppenspiel kam gut an

Die Akteure der plattdeutschen Puppenbühne des Heimatvereins Varl-Varlheide: (v.l.) Antje Hartmann, Annette Meier-Topp, Heidrun Wehbrink, Anette Sander und Gisela Wimmer.

Lemfoerde - DÜVERSBRUCH (rdu) · Der Winter klopfte schon unüberhörbar an die Fenster der Schützenhalle in Düversbruch, als Vorsitzender Heinrich Mackenstedt den Klönabend des Heimatvereins Samtgemeinde Rehden eröffnete. In wohliger Wärme vergaßen die mehr als 50 „leewen Heimatfrünne“ für etwa dreieinhalb Stunden die Kälte draußen und die Alltagssorgen. Dafür sorgte, wie schon kurz berichtet, ein buntes Programm mit hohem Unterhaltungswert.

Zunächst gab es eine Stärkung. Dass die Versorgung in der Halle des Schützenvereins Hemloher-Düversbruch so gut funktionierte, war der „flotten Bedienung“ (Liane und Heinz Schmidt sowie Irmgard Wöltje und Heiner Kopmann) zu verdanken.

Erstmals gastierte die plattdeutsche Puppenbühne des Heimatvereins Varl-Varlheide aus dem Nachbarkreis Minden-Lübbecke bei einem Klönabend des Rehdener Vereins. Mit der Verpflichtung hatte Vorsitzender Mackenstedt einen Glücksgriff getan. Die Puppen-up-Platt-Gruppe war vor acht Jahren ins Leben gerufen worden. Puppen, Bühnenbild, Requisiten, Texte – alles „Made in Varl/Varlheide“.

Die Gruppe hat sich die Bewahrung der plattdeutschen Sprache auf die Fahnen geschrieben. Das Theater hat in diesem Jahr vier Stücke „for Lüttke und Groute“ auf dem Spielplan. In Düversbruch ließ es die Besucher am Schicksal eines Maulwurfs, der umzieht, teilhaben: „De Wanwurp tüt ümme“.

Dieser setzt sich mit viel Spaß und List mit dem unangenehmen Gartenbesitzer Hugo Kramer auseinander, der alles Mögliche unternimmt, um dem Tier, das zwischen Rosen, Salat und Erdbeeren einen Haufen nach dem anderen produziert, den Garaus zu machen. Alle Mittel sind ihm recht, helfen aber nicht. Als es Hugo und seiner Frau zu bunt wird, beschließen sie den Umzug nach Hemsloh. Davon hat auch „de Wanwurp“ Wind bekommen und wechselt den Standort.

Kurzum: Es kommt letztlich zum mit Ehrenwort und Pfotendruck besiegelten Kompromiss. Der Maulwurf verspricht, den Garten in Ruhe zu lassen. Hugo indes lässt ihn auf der Wiese nebenan gewähren, um dem „Meke“, dem Regenwurm, und den Käfern nachzustellen. Das Kriegsbeil ist begraben. Die Moral von der Geschicht´: Nur wenn Mensch und Tier sich vertragen, überleben beide. Bei der Aufführung mit Antje Hartmann, Annette Meier-Topp, Heidrun Wehbrink, Anette Sander und Gisela Wimmer gab es viel zu lachen.

Für eine Steigerung sorgte Friedhelm Hardemann mit plattdeutschen Witzen und historischen Geschichten, in denen Ursel Becker („Das Fräulein vom Amt“) eine Hauptrolle spielte. Hardemann hat die Zeitzeugin aus Rehden kurz vor ihrem Tod im August dieses Jahres interviewt und viel Neues – vor allem Originelles – von Menschen und Ereignissen der Region erfahren.

„Schlechte Tien, gaue Tien, annere Tien“ war ein Aufsatz von Elfriede Wiegmann überschrieben, den Mackenstedt vortrug und der zum Nachdenken anregte. War früher alles besser – oder einfach nur anders?

Dietrich Stöhrer, langjähriger Schulleiter in Wetschen, beschäftigte sich mit der Besiedlung des Düversbruchs. Hermann Reuke bezog 1748 als Wiesenhirt eine Hütte, die erste Behausung in dem nassen und unwirtlichen Landstrich. Die eigentliche Besiedlung begann 1932. Das Ereignis wurde, so Stöhrer, bei Bruchwirt Tiemann groß gefeiert. Zwischen 1935 und 1939 erfolgte die Kultivierung der Flächen, 1934 wurde der Friedhof angelegt und 1947 floss der erste elektrische Strom ins Bruch. Im Mai 1930 kam bei heftigem Schneefall viel Vieh ums Leben. Der Schaden betrug mehr als 1 000 Taler. Im Juni 1933 litt das Bruch unter Wassermangel. „Viele Tiere krepierten“, notierte der Chronist. Auch schwere Gewitter hinterließen Spuren.

„Veel Pläsier“ bereitete auch ein recht poetischer Bericht, den „Tante Dora“ (Schnettler) sowohl up Platt als auch auf Hochdeutsch über die 20er-Jahre zu Papier gebracht hatte und den Stöhrer „ausgegraben“ hatte. Danach waren die Leute damals besonders eng mit Tier und Natur verbunden und bildeten gerade im Winter, wenn es in der Landwirtschaft weniger zu tun gab, eine große Familie. Nachbarschaft wurde wie heute groß geschrieben. Auch in Sachen Feiern (Holskenball mit Polka, Schieber und Knicks) waren die Brücher keine Kostverächter. Und wenn sie voller (National-)Stolz „Wir sind die Brücher vom grünen Bruche“ anstimmten, hatte die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht...

„Wör watt dorbie, watt wie noch nicht hört hatten“, resümierte Mackenstedt. Nicht alles, was Stöhrer erzählt hatte, war ihm bereits bekannt. Für die musikalische Unterhaltung sorgte Irmgard Nüßmann auf dem Akkordeon. Zum Schluss spielte sie ganz passend „So ein Tag, so wunderschön wie heute!“.

Der nächste Klönabend ist am Donnerstag, 27. Januar, in der Schützenhalle in Hemsloh.

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