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Mit Offenheit und Herzlichkeit

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Von: Sigi Schritt

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Setzt sich für die Bekämpfung von Armut ein: Pastor Ulrich Krause-Röhrs.
Setzt sich für die Bekämpfung von Armut ein: Pastor Ulrich Krause-Röhrs. © Sigi Schritt

Ulrich Krause-Röhrs war acht Jahre lang Seelsorger in Leeste / Kampf gegen Armut und Not

Noch ist Pastor Ulrich Krause-Röhrs nicht ganz weg: Er und seine Frau Thekla räumen das Pfarrhaus am Kirchweg aus und bereiten ihren Umzug nach Bremen vor. Am Monatsende soll der Schlüssel an die Leester Kirchengemeinde übergeben werden. Sie hatte kürzlich – zusammen mit dem Superintendenten Jörn-Michael Schröder sowie Jutta Sievers, pastorale Ansprechpartnerin der katholischen Kirche in Kirchweyhe – Ulrich Krause-Röhrs in der Marienkirche verabschiedet. Krause-Röhrs übernimmt innerhalb der evangelisch-lutherischen Landeskirche Niedersachsen eine neue Aufgabe – nach mehr als acht Berufsjahren als Seelsorger in Weyhe.

Weyhe – Wie hat Pastor Ulrich Krause-Röhrs seine Zeit in der Wesergemeinde erlebt? „Ich bin den Menschen im Ort mit Offenheit und Herzlichkeit begegnet“, sagt Krause-Röhrs. Er habe einst als Vertretungspfarrer den früheren Pastor Holger Tietz gefragt, ob es Zufall sei, dass die Menschen in Weyhe bei Geburtstagen, Taufen oder Jubiläen so fröhlich seien. „Nein, das ist immer so“, lautete damals die Antwort. Und das habe sich in all’ der Zeit bestätigt, findet er. Das sei auch der Grund gewesen, weshalb er sich regulär auf die Stelle beworben hatte, die durch den Weggang von Pastor Ele Brusermann frei geworden war.

Mit der Schlüsselübergabe ist der Auszug aus dem Pfarrhaus beendet. Es umfasst 240 Quadratmeter Wohnfläche – davon 60 Quadratmeter im Amtsbereich. „Das wäre eine abgeschlossene Wohnung, die man ukrainischen Flüchtlingen zur Verfügung stellen kann.“ Die Küche in der Hauptwohnung könnte man stehen lassen. Ulrich Krause-Röhrs glaubt, dass es noch Monate dauert, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger einzieht.

Mit dem Umzug nach Bremen nimmt Ulrich Krause-Röhrs jede Menge an guten Erinnerungen und schönen Momenten mit in die Hansestadt. Er will sich an zahlreiche Konfirmanden-Projekte erinnern: So besuchte der Pastor mit seinen Schützlingen beispielsweise die Tanzschule Nadine Reiners und bereitete mit ihnen eine Choreografie vor. Tanzen in der Kirche? Ja, sagt er. „Tanzen bedeutet die Überwindung von Angst. Man erkämpft sich dadurch Freiheit. Man redet nicht nur über Gemeinschaft, sondern im Tanzen nimmt diese Gestalt an.“

Für die Konfirmanden sei es ebenso eine positive Erfahrung gewesen, sich bei „Dialog im Dunkeln“ in Hamburg in die Welt der blinden Menschen zu begeben und zu erfahren, was es bedeutet, im Dunkeln zu essen und kleinere Aufgaben zu erledigen.

Mit den Jugendlichen suchte er Antworten auf die Frage „Bin ich schön?“ Gemeinsam beleuchtete man Castingshows von Germany’s Next Topmodel. Der Gruppe zeigte Krause-Röhrs auf, dass ein Handicap Menschen nicht daran hindern muss, Strahlkraft und Schönheit zu präsentieren.

Zusammen mit Jutta Sievers sowie mit Gudrun Müller, der ehemaligen Pastorin der Felicianus-Gemeinde und einem ökumenisch ausgerichteten, achtköpfigen Team habe Pastor Ulrich Krause-Röhrs erfolgreich Paar-Gottesdienste initiiert. Die Bürgerkanzel mit Predigten – zum Beispiel von Olly Oldenburg, dem damaligen Leiter des Polizeikommissariats Weyhe oder vom ehemaligen Weyher Bürgermeister Andreas Bovenschulte – oder ein Gottesdienst aus dem Weyher Theater brachten Abwechslung und Schwung ins Gemeindeleben.

Besonders gut habe ihm die Mitarbeit an der Livestream-Talkshow „Brot & Rosen“ gefallen, deren Beiträge rund eine halbe Million Menschen im Internet erreicht haben. Zusammen mit Pastor Holger Hiepler moderierte Krause-Röhrs die Internet-Talkshow. .„Die Sendung ist der Versuch, Themen des Lebens mit dem Glauben zu verbinden und damit mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Die evangelische Kirche präsentiert sich in jedem Facebook-Livestream offen. Gesprächspartner waren unter anderem der 12. Präsident des EU-Parlaments, Hans-Gert Pöttering, der Bremer Senatspräsident Andreas Bovenschulte, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der Europa-Politiker David McAllister sowie der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf. Außerdem hat er erfolgreich Jugendliche angesprochen, die in Livestreams Zukunftsfragen stellen und Antworten suchen.

Was Krause-Röhrs hinterlässt? Der Protestant findet, dass sich „Kirche viel mehr engagieren muss“. Außerdem müssten Christen mehr Forderungen an die Politik stellen. So habe er in Weyhe eine Konferenz einberufen, um Armut zu bekämpfen. Das Thema Armut in Weyhe müsse in die Öffentlichkeit bleiben. „Es gibt sie in Weyhe, obwohl es nicht danach aussieht.“

Krause-Röhrs nennt Beispiele: Manche Paare kämen nicht zum Kaffeetrinken in die Alte Wache, weil sie den Preis von sechs Euro nicht bezahlen könnten. „Viele nehmen nicht wahr, wie viele Menschen die Tafel besuchen.“ Es gibt Weyher, die in den letzten fünf Tagen eines Monats nichts mehr gegessen hätten und auch so aussehen. Bei einer Fledermaus-Führung im Sudweyher Wald seien der Gruppe Menschen begegnet, die mangels Schlafplatz unter den Baumkronen genächtigt hätten.

Der Pastor glaubt nicht, dass sich die Zustände bessern. Krause-Röhrs und die Armutskonferenz machten sich für ein Sozialticket stark. „Diese Forderung ist noch nicht umgesetzt“, so Krause-Röhrs. Es könne nicht sein, dass Arbeitslose für Mobilität nur einen Zuschuss von 21 Euro bekämen. „Damit kann man keine großen Sprünge machen.“

Er komme wieder nach Weyhe, ist sich Ulrich Krause-Röhrs sicher, denn er will im Auftrag der Landeskirche sogenannte Multiplikatoren schulen, den Problembereich sexualisierte Gewalt zu beleuchten. „Das gibt es innerhalb der Kirchen, in den Schulen, Kindertagesstätten, im Sport und in Familien und statistisch gesehen in jeder Straße.“ Krause-Röhrs weiter: „In jeder Klasse sitzen zwei Opfer und zwei Täter. Es gilt nun, Schutzkonzepte zu entwickeln, genauer hinzusehen, die Lage zu beurteilen, um dann zu handeln.“

Ulrich Krause-Röhrs plaudert im Livestream locker mit seinen Gesprächspartnern wie hier im Bild mit Willi Lemke, ehemaliger Geschäftsführer von Werder Bremen.
Ulrich Krause-Röhrs plaudert im Livestream locker mit seinen Gesprächspartnern wie hier im Bild mit Willi Lemke, ehemaliger Geschäftsführer von Werder Bremen. © Sigi Schritt
Superintendent Jörn-Michael Schröder (r.) spricht im Verabschiedungsgottesdienst zu Pastor Ulrich Krause-Röhrs.
Superintendent Jörn-Michael Schröder (r.) spricht im Verabschiedungsgottesdienst zu Pastor Ulrich Krause-Röhrs (l.). © Sigi Schritt
Pastor Ulrich Krause-Röhrs (3. v. l.) wird verabschiedet.
Pastor Ulrich Krause-Röhrs (3. v. l.) wird verabschiedet. © Sigi Schritt
 Pastor Gerald Meier von der Felicianus-Kirchengemeinde Kirchweyhe verabschiedet im Gemeindehaus in Leeste Pastor Ulrich Krause-Röhrs (l.).
Pastor Gerald Meier von der Felicianus-Kirchengemeinde Kirchweyhe verabschiedet Pastor Ulrich Krause-Röhrs (l.). © Sigi Schritt

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