Vera Briewig und Peter Henze werfen beim Bleigießen einen Blick ins neue Jahr

„Orientierung in rauer See“ und „Kröten für die Kultur“

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Gespannt warten Vera Briewig und Peter Henze, was ihnen das Blei-Orakel zu sagen hat. Aber egal, wie die Figuren am Ende aussehen – eins steht für beide fest: „Es geht nicht ohne Gesundheit und Glück. Und das wünschen wir allen!“ ·

Bruchhausen - Von Mareike HahnARBSTE · Bereits die alten Römer sollen versucht haben, auf diese Art einen Blick in die Zukunft zu werfen. Und auch heute noch gehört das Bleigießen für viele Menschen zu Silvester wie Sekt und Feuerwerk. Vera Briewig und Peter Henze vom Hof Arbste 7 in Asendorf haben für die Kreiszeitung ein paar Figuren aus Blei gegossen und geguckt, was sie 2013 erwarten könnte.

Wer sich für die Kultur in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen interessiert, der kommt an den beiden Schauspielern nur schwer vorbei. Ob Tafeltheater, „Die spinnenden Dorfweiber“ oder der Verein zur Förderung von „Kunst & Kultur“ – das Engagement von Briewig und Henze ist groß. Das dürfte auch im nächsten Jahr so bleiben, denn offensichtlich gehen sie „gut zu Fuß in die richtige Richtung“. So jedenfalls interpretieren sie die erste Bleifigur. Ein kurzer Blick auf das graue Gebilde, schon hat Henze erkannt: „Das ist ein Schuh!“

Gut gelaunt sitzen die zwei im Backhaus des alten bäuerlichen Anwesens und plaudern über ihre Wünsche und Pläne für das nächste Jahr, während das Blei auf dem Löffel über der Kerze langsam schmilzt. Nun landet zum zweiten Mal flüssiges Metall in der Schüssel mit Wasser. Henze legt die kleine Figur auf ein Stück Holz. Ein paar Sekunden gucken beide genau hin, dann meint der 63-Jährige: „Das ist der Froschkönig mit der Krone.“ Seine Partnerin hat auch gleich eine Idee, was das bedeuten könnte: „Mehr Kröten, mehr Förderung für die Kultur.“ Die ausgebildete Schauspielerin und Sozialarbeiterin erklärt: „Ohne eine Co-Finanzierung ist es schwierig, kulturelle Projekte auf dem Land umzusetzen.“

Als Beispiel nennt sie „Die spinnenden Dorfweiber“. Zwölf Frauen gehören zu der Gruppe, die in diesem Jahr unter Briewigs Leitung das Musik-Erzähl-Theater-Stück „Die schönsten Blumen blühen auf dem Land“ erarbeitet hat. „Es gibt tolle neue Ideen“, sagt die 50-Jährige. Die „Dorfweiber“ können sich vorstellen, 2013 eigene Gedichte und Geschichten in einem kleinen Buch zusammenzufassen und zu inszenieren, wenn es finanziell machbar ist. 2012 wurde das Projekt gefördert, und Briewig rechnet damit, dass das auch im kommenden Jahr klappt. Der Froschkönig scheint ihr Recht zu geben.

Zisch – jetzt landet das dritte Objekt im Wasser. „Das ist eine Boje“, stellt Henze sofort fest. „Eine Boje im Meer, mit einer Fahne dran“, stimmt seine Partnerin zu. Die beiden spinnen den Faden weiter: „Das bedeutet Orientierung in rauer See“, meint der Diplom-Schauspieler und zieht eine Verbindung zum Tafeltheater. Er und Briewig leiten das sozio-kulturelle Theaterprojekt mit Kunden der Tafel, Mitarbeitern und Freunden. „Einige Beteiligte haben in ihrem Leben viel Kummer erlebt, ähnlich wie Schiffbrüchige“, sagt Henze. Briewig ergänzt: „Das Tafeltheater hat in dem Stück ,... auf nach nirgendwo!‘ eine Weltreise mit dem Schiff gemacht. Die Boje bedeutet die Rettung.“ Denn dem viel gelobten und beachteten Projekt fehlen die Kröten – zurzeit gibt es keine finanzielle Förderung.

Das Blei-Orakel meint es scheinbar gut mit den Arbstern: Auch die vierte Figur ähnelt einer Rettungsboje. Und die fünfte sieht ebenfalls nicht viel anders aus. „Das könnte auch eine Kaulquappe sein“, findet Briewig. „Der Vorbote des Krötenfroschs.“ „Und ein Fruchtbarkeitssymbol“, fügt Henze hinzu. „Die Menschen und die Projekte werden wachsen.“ Genug Projekte, die wachsen sollen, haben die zwei auf jeden Fall im Kopf: Das „Theater Henze & Co.“ möchte 2013 ein neues Stück einstudieren, Demenz und Depressionen sollen Thema sein. „Es geht darum, dass Krankheit und Katastrophen zum Leben gehören. Das Stück wird möglicherweise heiter, aber nicht albern“, verrät Henze.

Außerdem wollen die Schauspieler im nächsten Jahr auf dem Hof Arbste 7 einen kleinen Laden einrichten, in dem die „Dorfweiber“ und andere Menschen aus der Umgebung selbst hergestellte Artikel anbieten können. Überhaupt soll das Anwesen, auf dem viele Tiere ihr Zuhause haben, weiter mit Leben gefüllt werden. „Jeden Tag gehen Tausende Bauernhöfe kaputt“, bedauert Briewig. Um 1500 sei der Hof das erste Mal erwähnt worden, Relikte etwa eines alten niedersächsischen Hallenhauses gibt es noch heute. Die aktuellen Gebäude stammen aus 1880. Gerade sind die Bewohner dabei, einen alten Schafstall wieder aufzubauen. Sie wollen das 70 Quadratmeter große Gebäude als Veranstaltungsraum für „Land & Kunst“ nutzen. Briewig: „Wenn Kinder begreifen, dass das Ei zum Huhn gehört, und wenn der Misthaufen die Besucher an früher erinnert, dann gehört das genauso zur ländlichen Kultur wie Musik, Gesang, Theater und Geschichten.“

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