Carl Carlton bringt am 22. November den Geist von Woodstock nach Varrel

„Ölt eure Stimmbänder“

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Kreiszeitung Syke

Stuhr - Von Andreas HapkeEs war ein Novum für Pressekonferenzen der Gemeinde Stuhr: Im Hinblick auf sein Konzert am Freitag, 22. November, um 20 Uhr auf Gut Varrel war Carl Carlton gestern via Skype von der maltesischen Insel Gozo zugeschaltet. Erst zum Ende drohte der Com  puter des Musikers schlapp zu machen. Carlton selbst sprühte nur so vor Energie. Er hätte noch ein weiteres Stündchen über sein bewegtes Leben plaudern können.

Mit „The Spirit of Woodstock“ ist der Auftritt des Gitarristen, Komponisten und Produzenten in Varrel überschrieben. Das akustische Konzert folgt einem inhaltlichen Konzept. Der 1955 als Karl Walter Ahlerich Buskohl im ostfriesischen Ihrhove geborene Carlton will dem Publikum den „Geist von Woodstock“ nahe bringen: „Einzigartig, was da an Songs entstanden ist, schon lange vor dem berühmten Festival. Ein Meilenstein.“ Er selbst produziert seit 13 Jahren regelmäßig in Woodstock und wird die Lieder mit Anekdoten aus dieser Künstler-Community unterfüttern. „Das ist die Bibel, in der alles steht“, sagt Carlton und winkt mit einem Buch in die Webcam.

Seine Liebe zur Musik entdeckte er bereits in jungen Jahren in einer Kneipe, in der sein Vater regelmäßig Skat spielte. Dort stand eine Jukebox mit Platten, „die für Ostfriesland nicht typisch waren“, erinnert sich Carlton. Der Papa kaufte ihm Singles von Chuck Berry, John Lee Hooker und Ray Charles, „mit elf Jahren kamen die ,Beatles‘, die ,Rolling Stones‘ und dieser Kram dazu“.

Im Internat, das er wegen des frühen Todes seiner Mutter besuchte, sei er mit „bösen Buben“ in Kontakt gekommen und musikalisch zum Allrounder geworden. „Ich habe auf alles geklopft und an allem gezupft, was es gab.“ Nach Engagements bei holländischen Amateurcombos landete er 1974 beim niederländischen Blues- und Rockmusiker Herman Brood. Mit 25 Jahren gründete er Anfang der Achtziger seine eigene Drei-Mann-Band „Vitesse“, deren Musik Carlton mit der von „The Police“ vergleicht. „Goldschallplatten und ausverkaufte Hallen“ stehen für diese Zeit.

Mink deVille, Peter Maffay, Udo Lindenberg, Nina Hagen, Joe Cocker, „Manfred Mann’s Earth Band“ – lang ist die Reihe der prominenten Musiker, für die Carlton gearbeitet hat. Ein Engagement für Bruce Springsteen fiel ins Wasser, weil er mit seinen Kindern auf gepackten Koffern saß. „Ich kann doch den Urlaub nicht absagen, nur weil ein Superstar anruft“, habe er seinerzeit gedacht. Stattdessen schickte er Springsteen Fotos von der Reise.

Als seine „schönste Zeit“ bezeichnet Carlton die 13 Jahre mit Robert Palmer. „Ich habe mich nach einer Vaterfigur gesehnt, nach einem größeren Bruder. Das war Palmer für mich.“ Als „Werkzeug mit Seele“ habe ihn der britische Popmusiker betrachtet. Umgekehrt habe ihn Palmer „inhaltlich nach vorne gebracht“.

In all den Jahren, sagt Carlton auf Nachfrage, habe er nie die Lust verspürt, selbst im Rampenlicht zu stehen. Zum einen habe er mit „Vitesse“ seine persönlichen Erfolge längst gefeiert, zum anderen habe er „nie als Mietmusiker, sondern als Partner“ gearbeitet. „Ich muss nicht den Jesus auf der Bühne machen. Je älter man wird, desto mehr geht es um den Inhalt statt darum, berühmt zu sein.“

Neben eigenen Songs, die Carlton mit seiner Band „The Songdogs“ eingespielt hat, hört das Publikum in Varrel Stücke legendärer Künstler wie „Crosby, Stills and Nash“, „Grateful Dead“, „Rolling Stones“, „The Band“, Bruce Springsteen und Bob Dylan. Percussionist Wayne P. Sheehy und Multi-Instrumentalist Pascal Kravetz unterstützen ihn dabei. „Akustisch muss nicht leise sein“, sagt Carlton und fügt hinzu: „Ich will, dass ihr eure Stimmbänder ölt und mitsingt.“ Karten gibt es im Bürgerbüro und bei der Kreiszeitung.

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