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Nordwestbahn startet Tests von Bodycams: Das sagen die Zugbegleiter

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Von: Gregor Hühne

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Verschmutzter Waggon.
Schmiererei: Eine wenige Nordwestbahn-Waggons waren am Wochenende mit Sprühfarbe verdreckt. © Gregor Hühne

Die Nordwestbahn (NWB) testet seit vergangener Woche Bodycams in ihren Zügen. Betroffen ist auch die Linie „RS 2“, die teilweise durch den Landkreis Diepholz führt. NWB-Sprecher und Zugbegleiter denken durchaus unterschiedlich über Sinn und Unsinn der Körperkameras.

Landkreis Diepholz – Der Zug gehört laut Unfallstatistiken zu den sichersten Verkehrsmitteln. Damit sich Zugbegleiter und Fahrgäste auch vor Übergriffen sicher fühlen, testet die Nordwestbahn (NWB) in einem Pilotprojekt seit vergangener Woche den Einsatz von Bodycams – auch im Landkreis Diepholz.

„Bis zu 35 Kundenbetreuer werden in den Zügen mit Kameras ausgestattet“, sagt NWB-Pressesprecher Steffen Högemann. Täglich ab 19 Uhr tragen die Mitarbeiter die Kameras bis Betriebsschluss auf allen vier Linien der NWB vorn am Körper. Im Landkreis verkehrt teilweise die NWB-Linie „RS 2“. Die Geräte können Ton- und Bildaufnahmen anfertigen. Zu erkennen seien die Kamera-Träger an einer gelben Warnweste. Das Projekt laufe zunächst bis zum Fahrplanwechsel im Dezember.

Um sich ein Bild der Lage zu verschaffen, hat die Kreiszeitung am Samstag einen späten NWB-Zug begleitet. Die diensthabende Zugbegleiterin entschied sich gegen die freiwillige Teilnahme an dem Pilotprojekt, erzählt sie. „Ich finde die Kamera prinzipiell gut, aber nicht so, wie es gerade gemacht wird.“ Das Aufzeichnen müsse zweimal angekündigt werden. Das halte sie in einer „eh schon aufgeheizten Konfliktsituation“ für wenig „deeskalierend“. Eine dauerhafte Aufnahme halte sie für geeigneter. Außerdem sei die Kamera zu groß, zu sperrig: „Habe schon genug dabei.“ Die Frau ist seit sechs Jahren bei der NWB. Zusammengeschlagen wurde die Zugbegleiterin während ihrer Arbeit einmal, „von einer kleinen, zierlichen Person“, erinnert sie sich. Das sei unerwartet gekommen. Ein Fahrgast habe die Angreiferin damals aus dem Zug gezogen.

Bodycam.
Bodycams: Seit Mitte Juni im Test bei der Nordwestbahn. © NordWestBahn

Bei den Zugbegleitern der Nordwestbahn trifft das Pilotprojekt dem Vernehmen nach auf gemischte Gefühle. „Ich brauche nicht noch mehr Sachen“, sagt ein Schaffner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er zeigt auf einen Fahrkartenlocher, einen Fahrkartendrucker, eine Unterlagentasche, ein großes Dienstportemonnaie und ein Diensthandy. Eigentlich müsste er noch ein EC-Kartenlese-Gerät bei sich tragen. Dazu käme dann die Bodycam an einer Trageweste.

Während seiner zweieinhalb Jahre bei der NWB sei der stämmige Mann einmal angegriffen worden. Junge Erwachsene hätten ihn bespuckt und nach ihm geschlagen. Der Grund: Die Alkoholisierten verpassten den Ausstieg und fuhren eine Station zu weit. „Am Schlimmsten ist es am Anfang des Monats, wenn die Leute ihr Geld bekommen und am Wochenende gegen 1 und 2 Uhr, wenn die Leute vom Feiern nach Hause fahren“, erzählt der Kontrolleur. „Leute pinkeln in den Zug, ohne die Toilette zu benutzen.“ Daher gäbe es im Zug Katzenstreu, auch gegen Erbrochenes. Seit einiger Zeit hätten die Zugbegleiter außerdem einen Piepser am Mann. Das Gerät mache ein lautes Geräusch und soll Aufmerksamkeit im Notfall schaffen.

Zug-Toilette.
Katzenstreu an Bord: Nicht alle Fahrgäste benutzen am Wochenende die Toilette. © Gregor Hühne

Zahlen zu Übergriffen im Landkreis Diepholz gebe es nicht, teilt NWB-Sprecher Högemann mit. Vorfälle würden nur pro Strecke gesammelt. Auf der Linie „RS 2“, die zur Hälfte im Landkreis verläuft, erfasst die NWB in diesem Jahr acht Vorkommnisse. Einmal sei ein Triebfahrzeugführer von einem Fahrgast bedroht worden. Zuvor habe der Lokführer den Fahrgast aufgefordert, nicht länger eine Zugtür zu blockieren. Zudem gab es immer wieder Bedrohungen und Beleidigungen gegen Zugbegleiter durch Fahrgäste, zählt Högemann auf. Einmal habe ein Fahrgast nur mit einer Unterhose bekleidet einen Zugbegleiter bedroht. Zu Handgreiflichkeiten sei es auf der Linie „RS 2“ in diesem Jahr nicht gekommen.

„Durch den Einsatz der Bodycams erhoffen wir uns eine präventive Wirkung, die Verringerung von tätlichen Angriffen und verbalen Beleidigungen,“ wird Betriebsleiterin Regio-S-Bahn Carolin Heinl zitiert. Die Rechte zum Ansehen des Videomaterials seien auf wenige Mitarbeiter der NWB und die Bundespolizei beschränkt.

Bodycam-Ankündigung.
Info: Bereits vor dem Start des Bodycam-Projekts gibt es Kameraüberwachung in den Zügen der Nordwestbahn. © Gregor Hühne

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