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Noch keine Affenpocken im Landkreis Diepholz

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Von: Gregor Hühne

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Affenpocken.
Ähnlichkeit zu Pocken: Dieses Bild aus dem Jahr 1997 entstand während eines Affenpockenausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo in Afrika und zeigt die Handflächen eines Patienten mit Affenpocken. © dpa/Brian W. J. Mahdy

Das Virus kann auch über den Speichel einer infizierten Person übertragen. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen klärt über die Ansteckungsgefahren der Affenpocken auf.

Landkreis Diepholz – Aktuell breitet sich das Affenpocken-Virus in Deutschland aus. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Mittwoch bundesweit 113 Infizierte, auch in Niedersachsen. „Das ist im Moment kein besonderes Thema für uns“, sagt Ralph Ehring, Geschäftsführer und Leiter des Klinikverbunds Bassum im Landkreis Diepholz. Zu Beginn der Festival-Saison in der Region erklären wir, wo die Gefahren einer Ansteckung lauern.

Zunächst einmal: „Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland wird nach den derzeitigen Erkenntnissen als gering eingeschätzt“, beruhigt auch Detlef Haffke von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Dennoch schätzt er, dass obwohl die Übertragbarkeit eher beschränkt ist, es zu einer begrenzten Ausbreitung kommen könnte.

Affenpocken gelten normalerweise nicht als sehr ansteckend. „Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten und nur bei engem Kontakt möglich“, so Haffke. Zum Beispiel über Haut-an-Haut- oder längeren Gesicht-zu-Gesicht-Kontakt.

Eine Infektion zwischen Menschen sei auch durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten und den typischen Hautveränderungen (Bläschenbildung, Schorf, siehe Bild) der Infizierten möglich. „Es ist derzeit nicht sicher, ob Affenpocken durch direkte sexuelle Übertragungswege, zum Beispiel durch Sperma oder Vaginalsekret, verbreitet werden können“, so der Experte, „aber direkter Hautkontakt mit Verletzungen während sexueller Aktivitäten kann das Virus verbreiten.“

Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland wird nach den derzeitigen Erkenntnissen als gering eingeschätzt.

Detlef Haffke, Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen

Hohe Viruskonzentrationen befänden sich in den Hautveränderungen (Pockenläsionen), berichtet Haffke. Eine Übertragung seitens eines Infizierten sei bereits bei Auftreten noch unspezifischer Symptome wie beispielsweise Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und noch vor Auftreten der Hautveränderungen bei Gesicht-zu-Gesicht-Kontakt mittels ausgeschiedener Atemwegssekrete möglich.

„Auch über Kleidung, Bettwäsche, Handtücher oder Gegenstände wie Essgeschirr, die durch den Kontakt mit einer infizierten Person mit dem Virus kontaminiert wurden, können andere sich infizieren“, zählt Haffke auf. Geschwüre, Verletzungen oder Wunden im Mund könnten ebenfalls ansteckend sein. Das heißt, das Virus könne dann auch über den Speichel der Infizierten übertragen werden.

Die Eintrittspforte seien häufig kleinste Hautverletzungen sowie alle Schleimhäute (Auge, Mund, Nase, Genitalien, Anus), möglicherweise auch der Atemwege, so Haffke: „Es sind auch Übertragungen bei Schwangeren über die Plazenta auf den Fötus oder von infizierten Eltern auf Kinder während oder nach der Geburt durch Hautkontakt beschrieben worden.“

Infizierte sind laut Haffke ansteckend, solange sie Symptome haben, was in der Regel zwei bis vier Wochen dauere. Menschen, die in engem Kontakt mit einer ansteckenden Person stehen, wie zum Beispiel Sexualpartner und Haushaltsmitglieder, gegebenenfalls Angehörige des Gesundheitswesens, seien daher einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt.

Das Ungewöhnliche am aktuellen Ausbruch des Virus ist, dass die Patienten nicht zuvor in afrikanische Länder gereist waren, wo das Virus heimisch ist, berichtet das RKI. Die Wissenschaft verortet die Überträger „aktuell insbesondere bei Männern, die sexuelle Kontakte mit anderen Männern hatten“. Die Betroffenen erkrankten jedoch meist nicht schwer.

Als Schutz vor dem Virus empfiehlt derweil die KVN, Infizierte mit Affenpocken sollten unter anderem jede Art von engem Kontakt, auch geschützten sexuellen Kontakt, mit anderen Menschen vermeiden, bis der Ausschlag abgeklungen ist und der letzte Schorf abgefallen ist. Dieser Prozess kann bis zu vier Wochen dauern. Wenn die Betroffenen mit anderen Personen zusammenleben, sollten sie, solange sie den Ausschlag haben, möglichst in einem Zimmer bleiben, idealerweise mit Zugang zu einem eigenen Badezimmer. Bettzeug und Haushaltsgegenstände sollten nicht mit anderen Personen geteilt werden. Das Affenpockenvirus ist in der Lage, über lange Zeiträume (Tage bis Monate) auf Oberflächen oder Stoffen zu überleben.

Hintergrund

Affenpocken sind laut Kassenärztlicher Vereinigung Niedersachsen eine seltene, vermutlich vor allem von Nagetieren in Afrika auf den Menschen übertragene Viruserkrankung. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind nach aktuellen Erkenntnissen selten, aber möglich, vor allem bei engem Kontakt. Affenpocken werden ausgelöst durch das Affenpockenvirus Orthopoxvirus simiae. Dieses ist verwandt mit den klassischen humanen Pockenviren sowie den Kuhpockenviren.

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