Rat verabschiedet sich von Museumsneubau am Fundort des Gesseler Goldes

…da war es nur noch eins

Syke - Von Michael WalterVerwaltung und Politik werden bis auf weiteres keine Eigeninitiative ergreifen, um den Gesseler Goldfund, in welcher Form auch immer, touristisch zu vermarkten.

Das geht aus einer einstimmigen Empfehlung des Verwaltungsausschusses (VA) hervor, über die morgen der Rat der Stadt abstimmt.

Wörtlich heißt es darin: „Der Rat der Stadt Syke begrüßt es außerordentlich, dass der Landrat unseres Landkreises Diepholz den Gesseler Goldhort dauerhaft nach Syke holen und den Goldschatz und andere  Pipeline-Funde in einem angemessenen Anbau im Kreismuseum in Syke professionell präsentieren will. Wenn dieses gelingt, ist zu gegebener Zeit ein Imagekonzept mit einer Nutzenstiftung für die Bereiche Naherholung und Tourismus für Syke und den Landkreis Diepholz zu erarbeiten.“ Die Beschlussvorlage endet mit der Bekräftigung: „Das anspruchsvolle Vorhaben kann nur gelingen, wenn Landkreis Diepholz und Stadt Syke gemeinsam, vertrauensvoll und abgestimmt die Thematik  bearbeiten.“

Ohne dass das Kind beim Namen genannt wird, ist diese Formulierung gleichbedeutend mit einer Absage an einen Museumsneubau am Fundort in Gessel. Bürgermeister Dr. Harald Behrens hatte in der jüngeren Vergangenheit mehrfach mit der Idee eines  „Erlebnismuseums“ geliebäugelt (wir berichteten). Ein Neubau könne seiner Ansicht nach sowohl eine umfassende Dokumentation des Schatzes und seines kulturgeschichtlichen Umfelds als auch einen möglichst breite Massen ansprechenden Erlebnisfaktor gewährleisten. Ziel: Auf diese Weise Syke als Fundort dauerhaft und überregional touristisch zu vermarkten.

Ein solches Projekt dürfte leicht zweistellige Millionenbeträge erfordern. Behrens‘  Bemühen zielte darauf ab, zumindest eine Machbarkeitsstudie erstellen zu lassen. Doch davon ist jetzt nicht mehr die Rede.

SPD-Fraktions-Chef Heinfried Schumacher erklärt als Sprecher der Rot-grünen Ratsmehrheit: „Wir haben dem ‚Modell Landrat‘ einfach die größeren Chancen eingeräumt. Schon allein, weil es in Hannover weit mehr Gewicht hat, wenn der ganze Landkreis hinter einer Idee steht als die Stadt Syke allein.“

„Dem muss ich mich beugen“, sagt Bürgermeister Behrens und betont: „Ich bin auch nicht böse darum.“ Jedoch dass die Politik vorerst auch weder Geld noch Gedanken für ein neues Imagekonzept verwenden will, das Syke mit dem Goldschatz identifiziert, wurmt ihn etwas. „Aber der Rat hält das eben für derzeit nicht erforderlich.“

Landrat Cord Bockhop hat wiederholt den Ausbau des Kreismuseums ins Spiel gebracht. Obwohl bisher nur eine bloße Absichts erklärung, hat Bockhop dennoch schon einen recht genauen „Fahrplan“ im Sinn: Noch vor der Sommerpause will er mit Landesministerin Johanna Wanka „eine Entscheidung herbeiführen, dass der Schatz tatsächlich dauerhaft zu uns kommt“.

Im Herbst soll der Kreistag dann das nötige Geld zum Ausbau des Museums bewilligen. Der Ausbau selbst soll laut Bockhop dann 2013 erfolgen. Wobei ihm wichtig ist, „dass es sich dabei um einen Anbau handelt, und nicht um ein Einzelgebäude“. Als Größenordnung schwebt ihm eine Nutzfläche „von 400 bis 500 m² als Verhandlungsbasis“ vor. Wenn dann 2014 die Erstausstellung im Landesmuseum in Hannover zuende geht, könne der Schatz gleich in seine endgültigen Räume umziehen.

Bockhop betont dabei, dass er unter dem „Schatz“ weit mehr versteht als den Gesseler Goldfund allein. „Dafür reicht ‘ne beleuchtete Glasvitrine“, sagt er überspitzt. Er will vielmehr sämtliche im Landkreis gemachten Funde aus den  Pipeline-Arbeiten zusammenfassen. „Pipeline-Archäologie ist ein besonderes Thema, das in dieser Form bisher noch nicht dokumentiert worden ist.“

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