Noch drei „Stolpersteine“ für Syke

Gunter Demnig verlegte vor vier Jahren Stolpersteine in der Georgstraße Haus Nummer 4. · Archivfoto: Voges

Syke - Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist wieder in Syke. Am Montag, 7. November, verlegt er drei weitere „Stolpersteine“ für Opfer des NS-Regimes. Die Aktion beginnt um 9 Uhr vor dem Haus Georgstraße 4, wird am Bremer Weg (Haus Nr. 9) fortgesetzt und endet an der Herrlichkeit (gegenüber der Einmündung der Hermannstraße).

Die ersten zehn Gedenksteine wurden bereits im Sommer 2006 in Syke verlegt, weitere acht im April 2007. Finanziert wurde das Projekt durch den Verkauf symbolischer „Stolperstein“-Aktien, die der Syker „Arbeitskreis 9. November“ entworfen hat.

Im Haus Georgstraße 4 wohnte Emilie Philipps, geboren 1890, deportiert 1941, ermordet in Lodz.

Emilie (gen. Mila) Philipps war die Tochter des Viehhändlers Albert Philipps und dessen Ehefrau Thekla geb. Leiser.

Am Bremer Weg 9 war Berta Grünberg zu Hause, Jahrgang 1900, deportiert 1941 nach Riga, ermordet im KZ-Stutthoff.

Berta Grünberg wurde als Tochter des Viehhändlers Carl Grünberg geboren. Sie war die Schwester des Viehhändlers Siegfried Grünberg, mit dem sie einen gemeinsamen Haushalt in Syke führte. Im Rahmen eines Wiedergutmachungsverfahrens erklärte Bruder Josef Grünberg am 16. Juni 1960, dass er und sein Bruder Siegfried nach der Reichspogromnacht 1938 in Osnabrück verhaftet worden seien (sie wurden in das KZ-Buchenwald verschleppt).

Schon vor der Machtübernahme durch die Nazis haben die Brüder in Syke einen Viehhandel betrieben. Wöchentlich haben Grünbergs etwa 50 Stück Großvieh (Rinder und Kühe) umgesetzt. Die Umgebung von Syke war Haupteinkunftsgebiet. Das Vieh wurde aber auch nach Sachsen, Braunschweig, Hildesheim und zu den Märkten Osnabrück, Dortmund und Bremen verkauft. Auch nach 1933 waren die Brüder gemeinsam geschäftlich tätig. Bis Anfang 1938, dann schlossen die Nazis den Betrieb. „Wir konnten damals keine Geschäfte mehr mit den Bauern machen, weil diese vor den damaligen Machthabern Angst hatten. Eine offizielle Schliessungsverfügung haben wir meines Erachtens nicht bekommen“, so Grünberg im  Verfahren.

Im Haus Herrlichkeit 13 wohnte Grete Goldschmidt, geborene Löwenstein. Sie wurde 1942 nach Riga deportiert und 1944 im KZ-Stutthof ermordet.

Grete Löwenstein, geboren 1922 in Bremen als Tochter des Syker Schlachtermeisters Siegfried Löwenstein und dessen Frau Dora, geb. Stern, war Hausgehilfin und bis 1937 wohnhaft in Syke. Im März 1938 übersiedelte sie in das bei Osnabrück gelegene Dorf Westerbeck, in den „Kibbuz Westerbeck“. Dort bereiteten sich seit Jahren junge Frauen und Männer jüdischer Herkunft auf die Auswanderung nach Palästina vor. Grete eignete sich dort an, was von einer zukünftigen Siedlerin in der neuen Heimat erwartet wurde: landwirtschaftliche Fertigkeiten, Viehfütterung und Melken vor allem, wie sie in einem Brief schreibt.

Auch Gretes Eltern hielten sich zeitweise in Westerbeck auf.

Vermutlich im dortigen Kibbuz lernte die 16-jährige Grete Löwenstein den acht Jahre älteren Fritz Goldschmidt kennen. Von Beruf war er Maler und Anstreicher. Die beiden verlobten sich 1939 und lebten in Gelsenkirchen. Wann die Heirat erfolgte, ist nicht überliefert. Versuche, nach England oder den USA zu emigrieren, scheiterten.

Am 27. Januar 1942 wurden beide nach Riga deportiert. Sie überlebten dort mehr als zwei Jahre Zwangsarbeit. 1944 wurden sie ins KZ-Stutthof verlegt. Dort verlieren sich ihre Lebensspuren. · gre/vog

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