Immer schneller, immer weiter? / Bankvorstand Carl-Ludwig Behrens zur Eurokrise / Seit 25 Jahren im Vorstand

„Nicht mit dem Finger auf andere zeigen“

Bankvorstand Carl-Ludwig Behrens im Gespräch mit Chefredakteur Hans Willms. ·
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Bankvorstand Carl-Ludwig Behrens im Gespräch mit Chefredakteur Hans Willms. ·

Bassum - Immer schneller, immer höher, immer weiter? Morgen seit genau 25 Jahren führt Carl-Ludwig Behrens als Vorstandsmitglied Regie bei der Volksbank. Und in dieser Zeit ging es so gut wie immer aufwärts mit der Genossenschaftsbank. Chefredakteur Hans Willms nahm das runde Berufsjubiläum zum Anlass, um mit dem Bankvorstand auch einmal abseits vom Alltagsgeschäft zu plaudern.

Herr Behrens, warum wollten Sie unbedingt Banker werden?

Carl-Ludwig Behrens:Das war ursprünglich eigentlich gar nicht mein Wunschberuf, sondern eher nur eine Zwischenlösung. Als ich mit meinem Abitur fertig war, hatte ich den Wunsch zu studieren. Ich wollte entweder Betriebswirtschaft oder Jura studieren. Aber irgendwie hatte ich auch keine Lust, direkt von der Schule in die Uni zu wechseln.

Und warum dann ausgerechnet eine Banklehre?

Behrens:Eine kaufmännische Ausbildung in der Bank schien mir vom Spektrum her einfach am breitesten angelegt.

Die Lehre bei der Bremer Landesbank muss dann ja ein echter Vollltreffer gewesen sein.

Behrens:In der Tat, ich habe eine supertolle Lehrzeit erlebt. Als ich übernommen wurde, war ich erst 22 Jahre alt. Da habe ich mir gesagt, so ein Studium läuft ja nicht weg. Und dann habe ich Schritt für Schritt mehr und mehr Blut geleckt an dem Bankerberuf.

Sie haben jeden Tag mit Geld zu tun. Welche Rolle spielt Geld für Sie ganz persönlich?

Behrens:Ich bin zufrieden mit dem wirtschaftlichen Umfeld, in dem ich lebe. Ich kenne durch meine berufliche Tätigkeit aber auch Leute, die viel Geld haben, die deshalb aber nicht glücklich sind.

Bankvorstände erhalten im Vergleich zu Otto Normalverbraucher ja echte Spitzengehälter. Ist das gerecht?

Behrens: Ich persönlich glaube nicht, dass ich ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ich von meinem eigenen Verdienst ausgehe. Ich bin ohnehin grundsätzlich der Ansicht, dass ein Vorstandsvorsitzender ein anständiges oder meinetwegen auch ein außergewöhnlich hohes Gehalt bekommen darf, wenn er einen Betrieb wirklich vernünftig führt und so eine solide wirtschaftliche Entwicklung präsentiert. Etwas anders sehe ich das bei den Investmentbankern. Die haben sich zuerst die eigenen Taschen voll geschaufelt und als die hohen Risiken, die sie eingegangen sind, zum Boomerang wurden, haben die sich vom Acker gemacht und einfach gesagt: Damit haben wir nichts zu tun. Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis. Deshalb kann ich auch den Zorn vieler Bürger sehr gut nachvollziehen.

Hat Ihre Branche auch deshalb so einen schlechten Ruf?

Behrens:Der Ruf der Branche ist zurzeit in der Tat ziemlich schlecht. Ich fühle mich da teilweise schon zu Unrecht in eine Schublade gelegt. Als regional tätiger Volksbanker sind wir für diese Entwicklung nicht verantwortlich. Da wird zu wenig differenziert. Bei uns sind eins und eins eben immer noch zwei und nicht drei. Mit Vorgängen in London und New York haben wir genauso wenig gemeinsam wie ein örtlicher Elektromeister mit Siemens, nur, weil beide etwas mit Strom zu tun haben.

In Deutschland ist der Schuldenberg mittlerweile auf mehr als zwei Billionen Euro angewachsen. Können Politiker nicht mit Geld umgehen?

Behrens:Nein, das können sie wirklich nicht. Für mich ist das auch das Kernproblem der Krise. Für mich ist es unbegreiflich, dass auch in der Bundesrepublik seit 48 Jahren kein Staatshaushalt gedeckt gewesen ist. Wir leben also seit 48 Jahren über unsere Verhältnisse. Und der öffentliche Haushalt ist nichts anderes als ein privater Haushalt. Ich kann nur das ausgeben, was ich auch einnehme.

Also sind wir keinen Deut besser als die Griechen oder die Spanier?

Behrens:Ich glaube, wir sollten uns in Deutschland reiflich überlegen, ob wir immer nur mit dem Finger auf Griechenland und die anderen Nachbarn zeigen. Da sollten wir erst einmal vor der eigenen Türe kehren, bevor wir anfangen, anderen kluge Ratschläge zu geben. Denn bei uns ist auch nicht alles in Ordnung.

Bekommt Bundeskanzlerin Merkel die Krise gemeinsam mit den anderen Regierungs chefs Europas in den Griff?

Behrens:Ich bin mir nicht sicher. Ich teile aber die Auffassung von Angela Merkel ausdrücklich, dass es nicht angehen kann, dass die Schulden jetzt vergemeinschaftet werden.

Werden Sie Ihr Bier am Strand auf Fuerteventura auch in zehn Jahren noch mit Euros bezahlen?

Behrens:Ich glaube daran. Der Euro ist ja nicht nur eine ökonomische Einrichtung. Die einheitliche Währung hat ja unter anderem auch zu einer einheitlichen politischen Ausrichtung in Europa geführt. Wir leben in einer Generation mit 70 Jahren Frieden in Europa. Viele betrachten das inzwischen als Selbstverständlichkeit. Ich glaube aber, Frieden ist nicht selbstverständlich. Ich glaube, dass das Zusammenwachsen von Europa ganz entscheidend zu diesem Frieden beigetragen hat. Darum bin ich ein Befürworter von Europa, und ich bin auch ein Befürworter des Euros.....

....der uns aber augenblicklich mehr Probleme als Freude bereitet.

Behrens:Wir müssen die Webfehler, die wir jetzt erkennen, beseitigen. Das kostet Kraft. Ob sich da die unterschiedlichen Interessen auf einen gemeinsamen Nenner einigen können, das wollen wir mal abwarten.

Zurück zu Ihrem Jubiläum: Wenn Sie sich drei Wünsche erfüllen dürften, welche wären das?

Behrens:Für Europa wünsche ich mir, dass wir weiter zusammenwachsen, weiter in Frieden leben und vernünftig wirtschaftlich zusammenarbeiten können. Beruflich wünsche ich mir, dass es so weitergeht wie bisher. Ich habe da auch ziemlich viel Glück gehabt. Ich habe das Glück gehabt, in einer Zeit agieren zu dürfen, die von einem vernünftigen Umfeld geprägt war. Ich arbeite mit tollen und zuverlässigen Kollegen zusammen. Das ist nicht immer selbstverständlich. Für mein privates Umfeld wünsche ich mir, dass alle gesund bleiben. Die Familie ist mir sehr wichtig. Sie gibt mir den Rückhalt, den ich für den Beruf brauche.

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