Marius Reetz und Jonathan Kolschen jüngste Mitglieder im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Nicht nur was für alte Männer

Ralf Borowsky (M.), Vorsitzender der Ortsgruppe Bassum des Volksbundes, freut sich über das Engagement seiner beiden Schüler Marius Reetz (r.) und Jonathan Kolschen.

Bassum - BASSUM (al) · „Das ist doch nur etwas für alte Männer“, denken viele, wenn sie vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hören. In der Tat ist das Durchschnittsalter der Ehrenamtlichen im Volksbund oft jenseits der 50 – so auch in Bassum. Doch Ralf Borowsky, Vorsitzender der Ortsgruppe Bassum, hat Grund zur Hoffnung. Denn seit kurzem hat sich die Ortsgruppe verjüngt. Marius Reetz ist gerade mal 15 Jahre alt, Jonathan Kolschen 14 Jahre.

Die beiden Realschüler helfen seit längerem bei den Vorbereitungen zum Volkstrauertag und bei der Aktion „Entzünden der Grableuchten für gefallene Soldaten“ und wollen im kommenden Jahr sogar bei der Straßensammlung mitmachen. Sie sind überzeugt von dem, was sie tun. „Es ist ein Stück Friedensarbeit“, sagen sie, auch wenn sie von ihren Mitschülern für ihr Engagement belächelt werden. „Selbst mein Vater kann mein Interesse nicht ganz nachvollziehen“, sagt Jonathan. Doch ihm ist es egal, was andere von ihm denken. „Hauptsache, ich weiß, worum es geht“, gibt sich der junge Mann selbstbewusst.

Seit dem Jahr 2000 beteiligen sich immer wieder Schüler von Ralf Borowsky an den Vorbereitungen und am Programm zum Volkstrauertag in Bassum – manche mehr, manche weniger intensiv. Doch der Einsatz von Marius Reetz und Jonathan Kolschen geht weit über das übliche Engagement der Jugendlichen hinaus.

„Ich möchte nicht, dass es jemals wieder Krieg gibt, und ich finde es wichtig, die deutsche Geschichte zu kennen“, begründet Marius seine Teilnahme. „Ich finde es schockierend, dass Jugendliche Krieg am Computer spielen, während in vielen Teilen der Welt Menschen durch Krieg sterben. Zum Beispiel in Afghanistan“, so der 15-Jährige. Vieles werde seiner Meinung nach verharmlost.

Das sieht sein Freund Jonathan ebenso. „Die damalige Geschichte ist vielen gar nicht bewusst, sie haben keine Ahnung, worum es geht“, kritisiert der 14-Jährige seine Mitschüler, aber nicht nur die. Das Thema Nationalsozialismus, Judenverfolgung und Zweiter Weltkrieg werde zwar erst in der neunten Klasse der Realschule aufgearbeitet, doch selbst danach hätten einige immer noch keine Ahnung. „Ich bedauere solche Menschen“, sagt Jonathan.

Er hätte gern mit seinen Urgroßeltern über deren Erlebnisse gesprochen, um besser zu verstehen. „Doch ich habe sie leider nie kennengelernt.“ In seiner Familie würde nicht viel darüber geredet. „Ich bedauere das“, sagt Jonathan. Bereits in der Grundschule habe er sich mit dem Thema Tod auseinandergesetzt. „Das kommt, weil meine Mutter sehr früh gestorben ist.“

Ralf Borowsky würde sich mehr Schüler wünschen, die sich derart engagieren. Er freut sich sehr über das Engagement von Marius und Jonathan, denn ihm ist die Zukunft des Volksbundes wichtig. Auch er bedauert, dass die Betroffenheit über das, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist, mehr und mehr verloren geht. Vor allem bei der jüngeren Generation.

Mit ihrem Interesse für die Arbeit des Volksbundes beschränken sich die Aktivitäten der ungleichen Freunde nicht. Die Schüler sind auch Mitglieder der Jungsozialisten. „Alle reden von Politik, aber keiner macht was“, begründet Marius sein Parteibuch und fügt hinzu: „Man fühlt sich besser, wenn man etwas tut.“ Vor allem das Thema Atomkraft liege ihm am Herzen. „Ich muss doch schließlich in dieser Welt leben.“

Als Jonathan das erste Mal eine Sitzung der Jusos besuchte, war er noch keine 14 Jahre alt, durfte nicht Mitglied werden. „Ich habe mir alles angehört und sechs Monate überlegt“, berichtet der junge Mann. Dann stand sein Entschluss fest. Er könnte sich vorstellen, selbst mal Politik zu machen.

Ihre Freizeit verbringen Marius und Jonathan gerne zusammen, hängen in ihrer „Hütte“ (umgebauter Stall) ab, um zu reden, Musik zu hören, Karten zu spielen oder mit Freunden zu quatschen. Auch wenn sie in vielen Bereichen unterschiedlich sind, so „passen wir doch gut zusammen, weil wir uns ergänzen“, sagen sie selbst.

Marius arbeitet gern handwerklich. Wenn er allein ist, bastelt er beispielsweise in der Werkstatt seines Vaters an einem alten Chevy. Sein Berufswunsch: Landmaschinenmechatroniker. Außerdem ist er Mitglied im Schützenverein und spielt Kontrabass. Jonathan hingegen hat eher zwei linke Hände, ist der Theoretiker der beiden und steckt voller Ideen. Er ist Mitglied in der Plattdeutschgruppe des Kultur- und Heimatvereins und im Freundeskreis französischer Partner, mag Musik der 30er und 40er Jahre und möchte Medizin studieren.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Meistgelesene Artikel

Wenn der Hausarzt nicht gegen Corona impft ...

Wenn der Hausarzt nicht gegen Corona impft ...

Wenn der Hausarzt nicht gegen Corona impft ...
Es hakt bei der UHG Diepholz

Es hakt bei der UHG Diepholz

Es hakt bei der UHG Diepholz
Anwohner zweifeln die Funktionsfähigkeit von Regenrückhaltebecken an

Anwohner zweifeln die Funktionsfähigkeit von Regenrückhaltebecken an

Anwohner zweifeln die Funktionsfähigkeit von Regenrückhaltebecken an
5 D: Rettung für Schweinehalter?

5 D: Rettung für Schweinehalter?

5 D: Rettung für Schweinehalter?

Kommentare