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Neue Standorte und Blick aufs Moor

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Von: Anke Seidel

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Ein Mann und seine Krawatten: Landrat Cord Bockhop bevorzugt es rot-weiß-gestreift. Das war schon als Bürgermeister in Stuhr so. Seine damals selbst entworfene Krawatte präsentiert er diesmal zum Vergleich.
Ein Mann und seine Krawatten: Landrat Cord Bockhop bevorzugt es rot-weiß-gestreift. Das war schon als Bürgermeister in Stuhr so. Seine damals selbst entworfene Krawatte präsentiert er diesmal zum Vergleich. © Anke Seidel

Zehn Jahre und hundert Tage sind eine beachtliche Amtszeit an der Spitze eines Konzerns wie dem Landkreis Diepholz. So lange wirkt Cord Bockhop bereits als Landrat. Im Interview spricht er über die Suche nach neuen Impfstandorten, die neue Geburtshilfe – und seine Krawatte. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Herr Bockhop, was war Ihre schwerste Aufgabe im vergangenen Jahrzehnt?

Mit Abstand Corona! Bei anderen Aufgaben setzen wir uns selbst ein Ziel, aber beim Thema Corona gibt es eine hohe Fremdbestimmtheit. Und damit meine ich nicht das Corona-Virus und auch nicht die politische, teilweise kontroverse Diskussion – sondern die konkreten Maßnahmen, die man uns vorgibt und die wir umsetzen sollen. Obwohl wir es nachweislich besser können oder geschafft haben. In einer Krise etwas umzustoßen, was gut funktioniert, das kann man Menschen im Augenblick wirklich nicht erklären!

    Wir sind jetzt schon wieder dabei, neue Terminanmeldungssysteme umzusetzen, die sich das Land ausgedacht hat – für den Impfstoff Novavax. Ein anderes Beispiel: Wir sind jetzt schon wieder auf der Suche nach neuen Immobilien, weil wir ab Ende Juni die Impfstandorte Barnstorf und Syke aufgeben.

Warum?

In Barnstorf gibt es einen neuen Eigentümer, der uns freundlicherweise die Nutzung noch ermöglicht hat. Aber das endet im Juni. In Syke nutzen wir die Sporthalle, das kann man auch nicht ewig machen. Und so geht es immer weiter. Es bleibt dabei: Die schwerste Aufgabe ist Corona, Corona, Corona...

Und welche Aufgabe hat Ihnen am meisten Freude gemacht?

Ich könnte jetzt zum Beispiel Breitband sagen (lacht). Das ist ein Leuchtturm, das kann nicht jeder Landkreis – und darauf bin ich stolz. Zum Jahresende werden wir zum größten Teil fertig sein. Das ist schon toll! Aber so richtig Freude machen die kleinen Projekte. Da ist zum Beispiel der Zebrastreifen in Schwaförden, vor dem Kindergarten. Der wird jetzt gebaut. Kinder haben mir ein Bild von einem Zebra mit Fingerabdrücken darauf geschickt. Das steht jetzt in meinem Büro – und ich werde nachfragen, wann er fertig ist. Dann werde ich mir das vor Ort anschauen, wenn ich durch unseren großen Landkreis fahre.

Nachdem vor mehr als zehn Jahren die geburtshilfliche Abteilung im Krankenhaus Bassum geschlossen werden musste, soll die Zentralklinik eine neue bekommen – plus Kinderklinik. Wie sicher ist das?

Die Kinderklinik wird sehr, sehr schwierig. Das behalten wir für die Zukunft im Auge. Aber die Geburtshilfe wird kommen! Ich würde fast sagen: Sie ist das Fundament, auf dem das ganze neue Krankenhaus steht. Das liegt daran, dass keiner vergessen hat, wie es angefangen hat. Der Kreistag nicht, die Geschäftsführung nicht, der Landrat nicht und die Verwaltungsmitarbeiter auch nicht. Ich habe immer gesagt, dass ein neues Krankenhaus nur mit einer Geburtshilfe denkbar ist – das ist eine Triebfeder für uns alle und insbesondere für die drei Standorte, die wir aufgeben müssen. Leicht wird es trotzdem nicht. Wir werden die Nachnutzung der drei Standorte mit den Standortkommunen, den Ärzten und anderen in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln und besprechen.

Die Zentralklinik in Borwede gilt als Meilenstein der Gesundheitsversorgung. Geld aus Hannover, also aus dem Landeshaushalt, ist ein unverzichtbarer Pfeiler. Was, wenn es nicht fließt?

(Lacht) Im Hochsommer spreche ich nicht über Schnee. Warum sollte ich im Sommer über Schneeschieber und Handschuhe sprechen? Vor dem Förderbescheid erwarten wir deutliche Signale der Landesregierung. Im Übrigen sind bald Landtagswahlen und zufällig habe ich am Donnerstag einen Brief erhalten von unserem Staatssekretär, der genau das beinhaltet. Darin wird festgestellt, dass unsere Vorgehensweise und unsere Planungen den Empfehlungen der Enquete-Kommission des niedersächsischen Landtags entsprechen. Auch weitergehende Feststellungen werden darin getroffen, sodass wir von einem Förderbescheid ausgehen können – wenn die Landesregierung Geld für dieses Krankenhaus-Thema zur Verfügung stellt. Noch mal: Bald sind Landtagswahlen.

Der Neubau des Kreisarchivs, die Erweiterung des Kreishauses in Diepholz und millionenschwere Schulbauprojekte: In Ihrer Amtszeit ist schon viel gebaut worden. Was steht noch auf Ihrer Wunschliste?

Eine solche Liste habe ich gar nicht. Ich weiß noch aus Kindheitstagen, dass Wunschlisten zu Weihnachten keine Bestelllisten sind. Deshalb bleibt es bei mir ausschließlich bei den drei großen Themen: Klinik, Breitband, Moor.

Den Landkreis als Lebensraum zu begreifen und zu verstehen, ist kinderleicht: Sie haben ein kindgerechtes Aufklärungsheft im Pixi-Format herausgeben lassen. Wie hoch ist die Auflage – und wer bekommt es?

Die Auflage ist 5 000 und es ist entstanden aus der Idee, den Kindern etwas zu geben, die sich impfen lassen. Seit der vergangenen Woche verteilen wir das – und danach an den Grundschulen und Kindergärten. Gern stellen wir es auch Kinderärzten zur Verfügung. Wir hoffen, dass es den Kindern so viel Spaß macht wie denen, die daran mitgewirkt haben.

Der Landrat ist dem Kinderbuch eindeutig zu erkennen – an der seiner rot-weiß-gestreiften Krawatte. Welche Bedeutung hat sie für Sie - und warum gerade diese Farben?

Diese Krawatte trage ich viel und häufig (lacht). Aber zu dem weißen Hemd und dem grauen Anzug hat mich noch nie jemand gefragt. Offensichtlich ist die Krawatte der einzige Bestandteil meiner Arbeitskleidung, der auffällt und an den man sich erinnert. Meine erste Krawatte habe ich in Stuhr – zusammen mit einer Firma – selbst entworfen und ständig getragen. Der Wiedererkennungseffekt war sehr hoch. Bei einem Seminar hat man mir das noch einmal bestätigt, dass so was ein kleines Markenzeichen sein kann. Das ist ja nicht ganz unwichtig für jemanden, der wiedererkannt und wiedergewählt werden möchte.

Warum gerade die Farben Weiß und Rot?

Das hat sich aus der Stuhrer Krawatte ergeben, weil mir die Farben gefielen.

Es ist eine komplexe Aufgabe, eine Kreisverwaltung mit mehr als 1 000 Mitarbeitern zu führen und gemeinsam mit dem Kreistag Weichen für die Lebensgestaltung von 219 000 Bürgern zu stellen. Bleibt Ihnen da noch Zeit für ein Hobby?

(Überlegt) Zumindest habe ich mir bisher für ein Hobby zu wenig Zeit genommen. Mein früherer Mentor, Stadtdirektor Hans-Georg Niesel in Lohne, hat mir damals schon beigebracht: Für die wichtigen Dinge im Leben hat man immer Zeit. Ich glaube, meine Arbeit ist zwar nicht mein Hobby. Aber sie macht mir so viel Freude, dass ich dort die Zeit hineingebe. Hinzufügen würde ich noch: Irgendwann werde ich mir ein Hobby suchen! In meinen ersten zwei Wochen als Landrat hat man mir auf Veranstaltungen drei Hobbys nahe gelegt, die man in unserem Landkreis gut ausüben kann: Golfen, die Jagd und Segeln. Jedes nähme für sich schon sehr viel Zeit in Anspruch.

Welchen Herzenswunsch hätten Sie gern noch in diesem Jahr erfüllt?

Endlich wieder zufriedene Menschen! Zufrieden, ausgeglichen, gelassen – nicht gestresst und friedlich. So wie früher!

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