Udo Pollmer referiert über Ernährung

„Nährstoffe wie in einem Taschentuch“

+
Udo Pollmer

Br.-Vilsen - „Vitamin C hält gesund“, behaupten die einen. „Fünf Portionen Obst am Tag müssen sein“, meinen die anderen. Doch was ist eigentlich dran an den gängigen Tipps?

Unter dem Titel „Kann denn Essen Sünde sein? Wie empfehlenswert sind Ernährungsempfehlungen?“ referierte am Montagabend der Lebensmittelchemiker, Buchautor und Wissenschaftsjournalist Udo Pollmer im Gasthaus Mügge in Bruchhausen-Vilsen.

Im Rahmen der Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Vereins Bruchhausen ging der wissenschaftliche Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften in München vielen weit verbreiteten Weisheiten auf den Grund.

„Wenn Sie im Supermarkt vor den Regalen stehen, sehen Sie nur Produkte, die krebserregend sind, dick machen oder mit Keimen belastet sind“, scherzte Pollmer mit seiner oft beißend ironischen Art. Es folgte ein Vortrag, der mit so manchem Vorurteil aufräumte.

Die Annahme, ein hoher Fleischkonsum sei ungesund, gehörte zu den ersten Kritikpunkten des Referenten. „Würde sich der Mensch allen neuen Empfehlungen anpassen, bräuchte er einen Tigermagen für Fleisch, einen Schnabel für die kleinen Körnchen und dann einen Pansen für das vegetarische Stroh des öffentlichen Lebens“, sagte Pollmer, der in Gemmingen bei Heilbronn lebt.

Nach seinen Angaben braucht der Mensch Substanzen, die denen im eigenen Körper ähnlich sind, um gesund zu bleiben. „Laut Ernährungsempfehlungen finden Sie die aber nicht in einem herzhaften Steak, sondern in Kopfsalat mit der Nährstoffmenge eines Taschentuchs“, kritisierte der Referent.

Auch die Modewelle um Nährstoffzusätze wie Calcium und Magnesium thematisierte der Experte. Der normale Verbrauch eines Menschen an Vitamin C liege bei ungefähr 30 Milligramm pro Tag. „Sie können Ihrem Körper natürlich jeden Tag 100 Milligramm aufzwängen, aber auch das macht aus einem Traktor keinen Ferrari“, sagte Pollmer, der in Fachkreisen als umstritten gilt.

Pollmer präsentierte eine medizinische Studie mit dem Ergebnis, dass sich die Entwicklung von Harnsteinen bei regelmäßiger Einnahme von Kalcium-Zusätzen fast verdoppelt. „Der normale Menschenverstand wird Ihnen jetzt sagen: Das ist doch ganz logisch“, meinte Pollmer. „Denn woher weiß das Kalcium, dass es in all seiner Dosis in den Knochen und nicht in Ihrer Niere wirken soll?“

Der Redner ging auch auf das Thema Cholesterin ein. „Das verstecken die Hennen in ihrem Dotter, nur damit Sie nachher einen Herzinfarkt kriegen“, scherzte er.

Medizinische Statistiken und Studien würden für Unwissende ein vollkommen falsches Bild zeichnen. „Diese Studien schreiben Ihnen plötzlich vor, fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag zu essen, gaukeln Ihnen vor, dass Sojamilch gesund ist und zwingen Sie zum Trinken von literweise Wasser“, sagte Pollmer. Dabei habe zum Beispiel Obst aus medizinischer Sicht keine Auswirkungen auf den Gesundheitszustand. „Die Märchen von Rübezahl sind näher an der Realität als Ernährungsempfehlungen“, kommentierte das „enfant terrible der deutschen Ernährungswissenschaft“ und fügte hinzu: „Eine bessere Art der Patientenverwertung als durch Harnsteine, Wasservergiftung und Blutgerinnsel gibt es jedoch nicht.“· jaw

Das könnte Sie auch interessieren

Die üppigen Gehälter von Neuer, Müller & Co. 2018

Die üppigen Gehälter von Neuer, Müller & Co. 2018

Aufgeräumt ins neue Jahr: Tipps zum Entrümpeln und Ausmisten

Aufgeräumt ins neue Jahr: Tipps zum Entrümpeln und Ausmisten

Siegerin Kerber lobt Vogel - Lange & Eishockey-Team geehrt

Siegerin Kerber lobt Vogel - Lange & Eishockey-Team geehrt

Weihnachtsbaumverkauf in Westeresch

Weihnachtsbaumverkauf in Westeresch

Meistgelesene Artikel

Einheitliche Abwassergebühr beträgt künftig 2,96 Euro pro Kubikmeter

Einheitliche Abwassergebühr beträgt künftig 2,96 Euro pro Kubikmeter

Nutria-Gänge beschädigen Weyher Deich

Nutria-Gänge beschädigen Weyher Deich

Putenlaster kippt um - Hunderte Tiere sterben auf der B51

Putenlaster kippt um - Hunderte Tiere sterben auf der B51

Geschichten und Anekdoten über historische Gaststätten

Geschichten und Anekdoten über historische Gaststätten

Kommentare