Satiriker Winfried Hammelmann gefiel seinem Publikum ganz außerordentlich – und umgekehrt

„Nächstes Mal aber bitte nicht so nett, ja?!“

Meister des Wortwitz: Winfried Hammelmann

Syke - SYKE (mwa) · Er wollte ja schon immer mal ein Vorprogramm haben. Am Freitag bekam er gleich zwei: Winfried Hammelmann, der mit seinen satirischen  Geschichten zu Gast in der Syker Stadtbibliothek war.

„Ursprünglich hatten wir das als reine Lesung geplant“, ließ sich Bibliotheksleiterin Jutta Behrens in die Karten kucken. Auf die Empfehlung einer Besucherin hin habe man dann aber überlegt: „Machen wir doch noch ein bisschen Musik und servieren ein Glas Wein dazu.“ Und so kam es, dass die Gruppe  Blues am Dienstag diesen Freitag Abend entsprechend einläutete.

Als dann der freundliche Hühne von Radio Bremen Vier gerade vor seinem Mikrofon Platz nehmen wollte, zog Jutta Behrens ihr zweites Ass aus dem Ärmel: Als Überraschungsgast präsentierte sie Osman Engin, der – zwei Wochen nach seiner eigenen Veranstaltung an gleicher Stelle – gewissermaßen zum Warm werden zwei neue eigene Geschichten präsentierte.

Zur Erklärung: Hammelmann und Engin kennen sich gut und haben quasi als Running Gag öfter schon gewitzelt, der Eine müsse beim Anderen unbedingt mal als Vorprogramm auftreten. Als Engin sich vor zwei Wochen darüber mit Jutta Behrens unterhielt, haben die Beiden spontan die  Sache mit dem Überraschungsgast für Hammelmann ausgehandelt.

Der selbst bewies im Anschluss, dass er seinem Kollegen Engin in keiner Weise nachsteht, was das Ausmalen abenteuerlich skurriler Situationen und Grotesken angeht. Wenn er zum Beispiel den allgegenwärtigen Mülltrennungs-Wahn aufs Korn nimmt, mündet das bei ihm schonmal in 117 verschiedenfarbige Tonnen, für die es alle unterschiedliche Abhol-Intervalle gibt.

Oder wenn er von einer Studienreise nach Athen erzählt: Dann bringt er das auf den einen Nenner „Allein unter Studienräten“ – von denen jeder Einzelne ein unerträglicher Besserwisser ist.

Zweiter zentraler Bestandteil: Die Kurz-Krimis, in denen Winfried Hammelmann seiner „Tatort“-Figur, dem Kriminal-Assistenten Karlsen (der übrigens keinen Vornamen hat) eine zweite nächtliche Identität als Detective Brian Brain verleiht. „Tagsüber rettet er seine Haut, nachts haut er seine Retter.“

Sowohl in den Kurz-Krimis als auch in seinen „normalen“ Satiren zeigt sich Winfried Hammelmann als beeindruckend kreativ im wüsten Assoziieren von Begriffen, Wortklauben und fast schon dadaistischem Sinnverdrehen. Da liest er zum Beispiel eine Geschichte, die nur aus einer Aneinanderreihung von Fragen besteht. Sie beginnt mit „Wer ist Gott?“ und endet nach langer Zeit schlicht mit „Hä?“ Geradezu philosophisch. Oder?

Seine Ideen bewegen sich dabei oft auf des Messers Schneide. Aber er kriegt fast immer die Kurve. Wenn sich zum Beispiel ein HipHoper im dritten Stock seiner Stretch-Limousine erhängt: Zu lesen wäre das bei manch anderem einfach nur peinlich – bei Hammelmann ist es saukomisch.

Der Bremer gefiel seinem Publikum außerordentlich. Und umgekehrt. So sehr, dass er sich zum Abschluss sogar ein bisschen verplauderte, als Blues am Dienstag bereits für ihr zweites Set in den Startlöchern standen.

„Nächstes Mal aber bitte nicht so nett, ja?!“, verabschiedete er sich von seinem Publikum, dem er aber nicht vorenthalten wollte, dass er  eine besondere Beziehung zu Syke habe. „Die Gundula Köhler aus Retzen – in die war ich mal verliebt. Die hatte ganz unglaublich blaue Augen. Wenn sie jemand hier kennt: Grüßt sie doch bitte mal von mir.“

Machen wir, Winfried!

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