Gaby Mahlke aus Seckenhausen trägt seit zehn Jahren die Kreiszeitung aus – und liebt ihren Beruf

„Nachts ist die Welt in Ordnung“

„Ich brauche nicht viel Schlaf“: Gaby Mahlke hat keine Probleme mit dem frühen Aufstehen.Fotos (2): Cottäus

Von Daniel Cottäus SECKENHAUSEN · Schlaf scheint im Leben von Gaby Mahlke höchstens eine untergeordnete Rolle zu spielen. Anders ist der enorme Tatendrang, den die 44-Jährige um 2.15 Uhr an den noch blutjungen Tag legt, jedenfalls nicht zu erklären. Mit reichlich Schwung hievt sie geschnürte Zeitungspakete auf die Rückbank ihres Kleinwagens. „Geht gleich los“, sagt sie, zündet sich eine Zigarette an und plant die nächtliche Route durch Seckenhausen. Seit zehn Jahren schon ist Mahlke Zeitungsausträgerin – und kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen.

„Aufstehen und Spaß haben“ – mit dieser einfach klingenden Formel schafft die Seckenhauserin Nacht für Nacht den Sprung aus dem warmen Bett. „Mein Wecker klingelt normalerweise um 2.30 Uhr, im Winter etwas früher“, erklärt Mahlke. Große Probleme mit dem wach werden hat die Zustellerin nicht – ganz im Gegenteil: „Ich brauche nicht viel Schlaf. Drei Stunden reichen“, sagt sie.

2.22 Uhr, die rund 200 Zeitungen, die ein Fahrer an der Kreissparkasse in Seckenhausen abgeliefert hat, sind im Auto verstaut. Gerade als Mahlke den Motor anlässt, fängt es an zu schneien. Die Schneedecke auf den ohnehin schon weißen Straßen wächst zusehens. „Das macht mir nichts aus“, zeigt sich die Mutter und Ehefrau unbeeindruckt. „Die Nächte sind schön hell, wenn Schnee liegt, auf die Glätte kann man sich einstellen.“

An der Straße Zum Sportplatz muss Mahlke gleich mehrere Häuser „stecken“, wie das Verteilen der Zeitungen in der Zusteller-Sprache heißt. Der Bewegungsablauf, mit dem die gelernte Konditorin das laufende Auto verlässt, die Zeitung abliefert und wieder ins Auto steigt, wirkt fast mechanisch: Tür auf, raus, kurze schnelle Schritte in Richtung Briefkasten und zurück, rein ins Auto, Schuhe abklopfen, Tür zu, weiter. „Das mache ich schätzungsweise 160 Mal pro Nacht“, schmunzelt Mahlke, ehe sie sich 20 Meter weiter auf den Weg zum nächsten Kasten macht. Die Tour läuft ohne Probleme, „der Zeitplan stimmt“, freut sich Mahlke, die bis spätestens 6 Uhr die letzte Zeitung „gesteckt“ haben muss. Im Laufe der Jahre hat die erfahrene Austrägerin viele kuriose Situationen erlebt. So wie damals, als ein Abonnent – nur mit Unterwäsche bekleidet – pflaumenessend in seiner Garage auf die Zeitung wartete. „Auch Begegnungen mit betrunkenen Jugendlichen sind keine Seltenheit“, sagt Mahlke. Die größte Gefahr sei aber der einsetzende Berufsverkehr. „Ich trage Weste und Reflektoren, bin beleuchtet wie ein Pfingstochse, und trotzdem sehen die Leute mich nicht.“

Mittlerweile ist es 3.44 Uhr, der Hillmannring ist kaum befahrbar. Von einem Briefkasten bringt Mahlke ein kleines Päckchen mit ins Auto. „Eine Aufmerksamkeit zu Weihnachten“, sagt sie – und bedankt sich mit einer Grußkarte, die sie an die Zeitung heftet. Über die Jahre hat die Austrägerin schon Tischdecken, Weinflaschen und Handtücher aus den Zeitungskästen gezogen.

Ans Aufhören verschwendet Mahlke übrigens keine Gedanken. „Warum auch? Nachts ist die Welt in Ordnung, und ich sehe Dinge, die andere nicht sehen.“ Als wolle er die Worte der 44-Jährigen bestätigen, setzt ein Fischreiher nicht weit vom Auto zur Landung an.

Um 6.08 Uhr endet die Tour. Die Austrägerin freut sich nun auf ein Ritual: „Meinen selbst gerösteten Kaffee, der Höhepunkt des Morgens“, lacht sie. Zur Ruhe oder gar ins Bett kommt Mahlke allerdings nicht: „Um 7.30 geht es mit dem Hund raus.“

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