Saisonarbeiter ignorieren Quarantäne

Nach Corona-Ausbruch auf Spargelhof bei Diepholz: Neun weitere Infektionen bestätigt

Nach dem Corona-Ausbruch auf dem Spargelhof Thiermann in Kirchdorf bleibt das Thema kontrovers diskutiert. Für die negativ getesteten Arbeiter geht die Ernte weiter. Unterdessen wurden weitere Covid-Fälle bekannt.

Der Inzidenzwert im Landkreis Diepholz ist sprunghaft gestiegen. Der wichtige Grenzwert von 100 wurde mehrere Tage hintereinander gerissen, sodass ab Mittwoch eine Ausgangssperre gilt. Inzwischen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 137,3.

Landrat Cord Bockhop sagt zwar, dass der Anstieg über 100 nicht alleine mit den Infektionen auf dem Spargelhof Thiermann zu tun hätte. Das Thema wird allerdings weiterhin kontrovers diskutiert. Der Landkreis Diepholz hat am Mittwochnachmittag die Gesamtauswertung der zweiten Reihentestung innerhalb des Betriebs bekannt gegeben. Durch die Testung unter 899 Personen wurden insgesamt 17 Corona-Fälle bestätigt. Nachdem am Dienstag rund die Hälfte der Ergebnisse mit acht positiven Befunden vorlag, kamen am Mittwoch weitere neun positive Testergebnisse hinzu.

Die Zahl der in dem Betrieb positiv getestete Personen liegt bei 120. Am Donnerstag wird das Deutsche Rote Kreuz im Auftrag des Landkreises Diepholz eine weitere Reihentestung durchführen. Darüber hinaus sind durch den Betrieb Antikörpertests geplant, mit denen der Nachweis einer bereits durchgemachten Corona-Infektion erbracht werden kann.

Corona-Ausbruch auf Spargelhof: Erntehelfer in Quarantäne gingen einkaufen

Die positiv getesteten Landarbeiter befinden sich in Quarantäne. Für die nicht infizierten Erntehelfer hat der Landkreis eine Arbeitsquarantäne angeordnet. Sie dürfen also weiter zu den Feldern fahren. Offenbar halten sich jedoch nicht alle an die Quarantäne-Auflagen.

Ein Lebensmittelhändler aus Asendorf rief am Montagnachmittag die Polizei an, nachdem er mehrere Beschäftigte des betroffenen Betriebs in seinem Laden gesehen hatte. Eine Verständigung mit den Feldarbeitern war wegen der Sprachbarrieren nicht möglich gewesen.

Erntehelfer*innen aus Polen auf einem Spargelfeld in Sachsen: Fast jeder Dritte (29 Prozent) der 937.000 Beschäftigten auf den Höfen in Deutschland war vor Ausbruch der Corona-Pandemie für das saisonale Geschäft angestellt.

Mithilfe eines Dolmetschers vom Spargelhof erklärte die Polizei den Arbeitern die Quarantäne-Regeln. In den darauffolgenden Stunden ignorierten allerdings einige Arbeiter immer wieder die Quarantäne und gingen einkaufen. Die Polizeibeamten mussten mehrmals eingreifen, Platzverweise aussprechen und Arbeiter zurück in die Sammelunterkünfte schicken.

„Von den Mitarbeitern erstellte Einkaufslisten werden von den Dolmetschern besorgt“, hatte zuvor Seniorchef Heinrich Thiermann erklärt. „Zudem wird ein Verkaufswagen eingesetzt, dieser liefert die zuvor bestellten Waren an die Mitarbeiter, die sich in Arbeitsquarantäne befinden, kontaktlos aus“, fügte er hinzu.

Der Betrieb Thiermann bringt die Saisonarbeiter dezentral unter. Einer dieser Unterkünfte befindet sich in Asendorf. Rund um Asendorf besitzt Thiermann auch Spargelflächen.

Corona-Ausbruch auf Spargelhof: 104 aktive Corona-Fälle am Dienstag

Auf dem betroffenen Spargel- und Beerenhof in Asendorf gab es am Dienstag 104 aktive Corona-Fälle, wie Kreissprecherin Mareike Rein sagte. Am Montag seien noch einmal fast 900 ausländische Arbeitskräfte getestet worden. Bis Dienstag gab es für etwa die Hälfte der Tests ein Ergebnis, acht weitere Infektionen seien zutage gefördert worden. Gleichzeitig würden auf dem Hof auch schon die ersten Betroffenen aus der Quarantäne entlassen.

Seit Mittwoch greift die „Bundes-Notbremse“ im Landkreis Diepholz. Die Polizei kündigte in einer Mitteilung an, verstärkt Präsenz zu zeigen und bei Verstößen konsequent einzuschreiten. Dabei wolle man aber auf Aufklärung und Einsicht bei der Bevölkerung setzen, hieß es. Würden wiederholt Verstöße begangen, werde man Verfahren einleiten.

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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