Manfred Böcker: Rasche Spiegelabsenkung am Böttchers Moor / Mail an Stötzel

Nabu schlägt Alarm: Schlatt droht komplett zu verlanden

Das Böttchers Moor im Jahr 2007. Es ist noch nicht so stark verlandet wie heute. · Archivfoto: sie

Weyhe - Von Philipp KösterManfred Böcker schlägt Alarm: „Hier haben früher die Leute das Schwimmen gelernt. Beim Ferienspaß vor kurzem konnten wir noch nicht mal mehr mit dem Schlauchboot drüberfahren.“ Für Weyhes Nabu-Chef hängt die Absenkung des Wasserspiegels am Böttchers Moor „um deutlich mehr als einen Meter“ mit der Grundwasser-Förderung durch die Harzwasserwerke zusammen.

„Unsere Befürchtung, die wir zum Antragsverfahren der Harzwasserwerke auf die weitere Grundwasserförderung in der Größenordnung von 20 Millionen Kubikmeter vorgetragen haben, sind eingetroffen“, wendet sich Böcker in einem Schreiben an Landrat Stötzel. Der Gewässerrand sei inzwischen nicht mehr zu erkennen, Rohrkolben, Binsen und Seggen hätten einen Großteil der in den vergangenen drei Jahren trocken gefallenen Bereiche erfolgreich begrünt, heißt es weiter.

Manfred Böcker geht davon aus, dass das Hildesheimer Unternehmen die 2006 beantragten Fördermengen in Höhe der 20 Millionen Kubikmeter spätetens mit Abschluss des neuen Vertrages im Jahr 2010 auch tatsächlich ausschöpft. Zuvor hatten die Harzwasserwerke seit Abschluss des ersten Vertrages 1976 mit Ausnahmen jährlich 16 Millionen Kubikmeter gefördert.

Doch egal, ob 20 oder 16 Millionen – „die Folgen sind seit Jahren schon festzustellen“, so der Naturschützer. Das Moor verlande, den Birkenwald habe es vor ein paar Jahrzehnten noch gar nicht gegeben. Die Trinkwasserförderung lasse darüber hinaus nicht nur die Gewässer in Weyhe austrocknen, auch die Bäume würden in der ohnehin schon waldarmen Gemeinde geschädigt, vor allem die Buchen.

„Was ist die Ausweisung des Böttchers Moors als Landschaftsschutzgebiet wert, wenn mit behördlicher Genehmigung der eigentliche Schutzgegenstand zerstört wird?“, fragt Böcker den Landrat.

Zwar handele es sich um die höchste flächige Schutzkategorie, doch „wir sind uns darüber im Klaren, dass dieser Schutzstatus keinen hohen Anforderungen gerecht wird“. Die besagte Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet hat übrigens auch formaljuristische Konsequenzen. „Eigentlich wollten wir gegen die Förderung klagen. Aber weil es sich nicht um ein Naturschutzgebiet handele, könne das Unternehmen allenfalls für eine Ordnungswidrigkeit belangt werden. „Die paar Tausend Euro würden die locker aus dem Ärmel schütteln“.

Doch für Böcker ist der „Zug noch nicht abgefahren“. Er plädiert auf Nachfrage dafür, ein zweites Wasserwerk zu bauen oder zumindest Oberflächenwasser nicht so rasch abzuführen. Dafür müssten Drainagen und Abflusskanäle zurückgebaut werden. Er weiß aber auch, dass es „Profiteure der Absenkung“ gibt: Landwirte, die Felder besser bewirtschaften können, und Hausbesitzer, die sich über trockene Keller freuen. Doch das Wohl der Allgemeinheit sei darüber zu stellen, und darum müsse sich der Landkreis für den Erhalt „topografischen, floristischen und faunistischen Artenreichtums“ einsetzen.

Die Gemeinde Weyhe als „Eigentümerin“ des Böttchers Moors hat indessen bei einem Bremer Ingenieurbüro ein hydrologisches Gutachten in Auftrag gegeben. Ziel ist laut Steffen Nadrowski, Fachbereichsleiter Bau, Planung und Umwelt, zu ergründen, welche Aktionen zur Pflege sinnvoll und nötig sind. „Eine Maßnahme könnte noch in diesem Jahr eine Umgestaltung des Gewässerrandes sein, zum Beispiel durch Auslichten des Waldes.“

Für Gutachten und Pflege hat der Rat 65 000 Euro bewilligt. Darüber hinaus ist an eine Beweissicherung gedacht. So soll gemessen werden, welchen Veränderungen das „einzige eiszeitliche Schlatt in der Region“ unterworfen ist. Die Wasserwerke haben Böcker zufolge gefragt, ob sie auf dem Nabugelände ein entsprechendes Instrumentarium aufstellen dürfen.

Würde über einen „längeren Zeitraum“ nachgewiesen, dass die Grundwasserentnahme schädigenden Einfluss auf das Gewässer hat, wären „Kompensationsmaßnahmen“ fällig, sagt Nadrowski.

Das könnte Sie auch interessieren

Fotostrecke: Manche mögen's kalt - Eindrücke vom Abschlusstraining

Fotostrecke: Manche mögen's kalt - Eindrücke vom Abschlusstraining

Weihnachtskonzert der Eichenschule

Weihnachtskonzert der Eichenschule

Drei Frauen in Nürnberg niedergestochen

Drei Frauen in Nürnberg niedergestochen

Weltklimagipfel: Kritik und Appelle zum Schlussspurt

Weltklimagipfel: Kritik und Appelle zum Schlussspurt

Meistgelesene Artikel

Millionenprojekt: Quittek baut Appartementhotel in Leeste

Millionenprojekt: Quittek baut Appartementhotel in Leeste

Künstler Kani Alavi bringt Stele zum „Weihnachtsspektakel“ der Firma Video-Art mit

Künstler Kani Alavi bringt Stele zum „Weihnachtsspektakel“ der Firma Video-Art mit

Einheitliche Abwassergebühr beträgt künftig 2,96 Euro pro Kubikmeter

Einheitliche Abwassergebühr beträgt künftig 2,96 Euro pro Kubikmeter

Nutria-Gänge beschädigen Weyher Deich

Nutria-Gänge beschädigen Weyher Deich

Kommentare