Informationsveranstaltung der Anlieger aus Stühren gut besucht / Bürger formulieren Widerspruch / Aktionen geplant

„Es muss Schluss sein mit Sandabbau“

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In dem rot gekennzeichneten Bereich möchte die Firma M+S Sand abbauen. Mitten drin: das Hügelgrab aus der Bronzezeit.

Bassum - Von Frauke Albrecht„Wir machen da nicht mit! Es muss endlich Schluss sein mit dem Sandabbau“, fordern Bürger aus Nordwohlde, Stühren, Kastendiek, Gräfinghausen, Fahrenhorst und Bassum. Am Mittwochabend formulierten sie erstmals ihren Protest und kündigten Widerstand an gegen die Pläne der Firma M+S Transportgesellschaft aus Stuhr, dass in der Gemarkung Nordwohlde ein Weg eingezogen wird, die angrenzende Sandgrube verfüllt und in unmittelbarer Nachbarschaft auf einer 34 Hektar großen Fläche Sand abgebaut wird.

Etwa 70 Interessierte waren der Einladung der Bürgerinitiative Gräfinghausen und der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer (VFD) gefolgt, um sich über die drei Vorhaben zu informieren. Unter den Zuhörern waren unter anderem Stührens Ortsvorsteher Hans-Jürgen Urbrock, Nordwohldes Ortsvorsteherin Inge Evers, Eike Sellmer und Torsten Eggelmann (Ratsvertreter der Grünen in Bassum), Peter Strohmeyer, SPD-Ratsherr aus Stuhr, Friedel Born vom BUND sowie Mitglieder der Bürgerinitiative Fahrenhorst-Kastendiek.

Kritisiert und bedauert wurde, dass sich kein Ratsvertreter des Bürgerblocks, der CDU und der SPD aus Bassum eingefunden hatte – und auch Bürgermeister Wilhelm Bäker war der Einladung nicht gefolgt.

Eingangs versuchten die Sprecher der Protestinitiative, Carmen Baehr, Heiner Herholz und Jürgen Frinker, den Anwesenden die Zusammenhänge der drei Vorhaben zu erläutern. Während über die Wegeeinziehung Nr. 30 noch nicht abschließend beraten wurde, zuständig ist die Stadt Bassum, liegt für die Verfüllung der Sandgrube bereits eine Baugenehmigung von Seiten des Landkreises vor. Der Weg soll die Zufahrt zur Sandgrube sichern. Die Anwohner fürchten nicht nur eine erhebliche Verkehrsbelastung, sondern auch irreparable Schäden für die Natur. In den vergangenen 30 Jahren hätten sich dort wieder Pflanzen und Tiere angesiedelt, der Lebensraum würde durch eine Verfüllung zerstört. Erbost sind die Anwohner darüber, dass sie in die Entscheidung nicht mit eingebunden wurden. „Auch die Naturschutzverbände und die Exxon wurden nicht informiert“, hieß es. Obwohl in dem Bereich Gasleitungen der Exxon verlaufen.

Sorge bereitet den Anwohnern auch das, was verfüllt werden könnte. Laut Genehmigung dürfe nur Altboden eingebracht werden. „Das ist ein dehnbarer Begriff“, hieß es. Wer garantiert die ordnungsgemäße Überwachung? Laut Altlastenkataster werde dort Bauschutt vermutet. Ältere Anwohner können da nur grinsen, berichten von alten Autos und Kühlschränken, die dort illegal entsorgt wurden. Gerüchten zufolge sollen auch Teile der Rolandmühle vergraben worden sein.

Die Anliegerinitiative sucht Zeitzeugen, die Hinweise auf mögliche Altlasten geben können und fordern jeden auf, sich in dem Gebiet nach schützenswerten Tieren und Pflanzen umzusehen. Die Verfüllung soll auf jeden Fall verhindert werden.

Darüberhinaus hat die Firma M + S auch Interesse bekundet, in unmittelbarer Nachbarschaft, direkt im Landschaftsschutzgebiet, rund um das Hügelgrab, Sand abzubauen. Ein Antrag ist zwar noch nicht gestellt, aber die Firma trifft entsprechende Vorbereitungen, hat Gutachten in Auftrag gegeben, die eine Umsetzung prüfen sollen. Laut Anwohner würden sogar Flächen angekauft. Empört sind sie, dass sich die Fläche im Landschaftsschutzgebiet befindet. Baehr: „Laut Gesetz sind in Landschaftsschutzgebieten Sandgruben verboten.“

Die Größe der Abbaufläche könnte etwa 34 Hektar betragen. Der See, der dabei entstünde, wäre 17 Hektar groß. Firma M + S rechnet mit 60 bis 75 Lastwagen pro Tag – und das 20 Jahre lang.

Baehr, Herholz und Frinker listeten die Gründe auf, die gegen ein solches Vorhaben sprechen und nannten unter anderem Zerstörung der Natur, Verkehrsbelastungen, Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Inmitten der Fläche liegt das Hügelgrab aus der Bronzezeit, das unter Denkmalschutz steht. Diese Grabstelle würde nur noch als Insel übrig bleiben.

Laut Baehr gebe es Hinweise, dass sich unter der Erde weitere Gräber befinden, eine Art Ringanlage. „Die Fragmente lassen sich aus der Luft erkennen. Das sind kulturelle Schätze, die unwiderruflich zerstört würden.“

Einig waren sich die Zuhörer, gegen die Wegeeinziehung und die Verfüllung Widerspruch einzulegen. Durch Aktionen wolle man zudem auf die negativen Auswirkungen durch Sandabbau aufmerksam machen. Die Politik möchte man als Unterstützer gewinnen. Bei der Abwägung der Vorhaben dürfe nicht vergessen werden, dass die Anwohner genug gebeutelt seien – durch vorhandenen Sandabbau, die Förderanlage der Exxon und die B 51, die in Kürze dreispurig ausgebaut werden soll.

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