Festival „Pure Irish Drops“ am Freitagabend zu Gast im Rathaus

Musikalischer Crashkurs in Sachen Tradition

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Ein Gefühl von Irland bringen die Musiker des Festivals „Pure Irish Drops“ ins Rathaus. ·

Stuhr - Von Sandra Hellmers. Traditionelle irische Musik tourt das gesamte Jahr über den europäischen Kontinent. Verschiedene Festivals, aber auch Einzelkünstler und Bands tingeln durch die Konzertsäle und bringen dem Publikum meist Altbewährtes zu Gehör.

Florian Fürsts Mini-Festival „Pure Irish Drops“ geht andere Wege. Fürst konzentriert sich auf traditionelle irische Musik, und er sucht sich Jahr für Jahr einen anderen Schwerpunkt.

Jetzt ist die Reihe „Pure Irish Drops“ zum 25. Mal auf Tour, und in diesem Jahr hat sich Fürst einer Region verschrieben, die Irland-Touristen nur wenig bekannt ist. Die Midlands – jene grünen Grafschaften, die in der Mitte Irlands liegen und nicht etwa an einer der wunderschönen, zerklüfteten Küsten. „Da gibt es Torf, Kühe, Bauern, aber die Touristen fahren höchstens mal durch“, erklärte Fürst in seinen inzwischen schon traditionellen einleitenden Worten beim Konzert am Freitagabend im Stuhrer Rathaus. Aber es gibt in Laois, Longford, Offaly und Westmeath eben auch tolle Musiker, und drei von ihnen hat Fürst nach Stuhr gelotst. Einen ganz eigenen Stil soll es geben, im Herzen der Grünen Insel, erklärte der Veranstalter.

Und dann traten sie auf, zunächst solistisch, wie man es von Pure Irish Drops gewöhnt ist. Seán Ryan (Tin Whistle, Gesang), Denis Ryan (Fiedel) und das wohl 30 Jahre jüngere Nesthäkchen Conor Moriarty (Akkordeon) beschallten den brechend vollen Ratssaal vor allem mit temperamentvoller instrumentaler Tanzmusik, mit Jigs, Reels und Hornpipes.

Seán Ryan zeigte in halsbrecherischen Läufen und Verzierungen, was ein Musiker mit dieser kleinen, manchmal heiseren und so unscheinbaren Metallflöte, der Tin Whistle, anstellen kann.

Bei Denis Ryans Fiedel fühlte sich der Zuhörer nach dem ersten, rauen Strich an Ryans Heimatregion erinnert: an viel Landschaft, irisches Wetter und den Geruch von Torffeuer. Conor Moriarty schließlich spielt besonders mutig – er reichert die traditionellen Melodien mit manchmal waghalsiger, gefühlt „unirischer“ Harmonik an und zeigt doch alle Attribute eines preisgekrönten Musikers der keltischen Musik.

Vor allem als sie gemeinsam auftraten, legten die Drei das Augenmerk auf langsamere Stücke. „The wounded hussar“ oder die Songs von Seán Ryan, zum Teil in gälischer Sprache gesungen, brachten auch das zweite Extrem der irischen Musik zum Vorschein: Melancholie, die Liebe zur Heimat und die Sehnsucht nach Freiheit.

Erst nach drei Zugaben ließ sich das begeisterte, bestens gelaunte Publikum vom Ende des Konzerts überzeugen – nach mehr als zwei Stunden ursprünglicher irischer Kultur, einem wahren Crashkurs in Sachen Tradition.

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