Germanen-Bauwerk in Ossenbeck: Mehr als 2000 Jahre alte Kunststraße

Moor-Weg perfekt erhalten

Alf Metzler stellte gestern den freigelegten Teil des mehr als 2 000 Jahre alten Bohlenweges im Aschener Moor vor. ·

Ossenbeck - Im Vorfeld des Torfabbaus wird zurzeit ein etwa 25 Meter langer Abschnitt des mit 4,2 Kilometern wohl längsten Moorweges in Norddeutschland archäologisch untersucht. Der mehr als 2 000 Jahre alte Bohlenweg in Ossenbeck bei Diep holz ist perfekt erhalten.

Moorkultivierung und Torfabbau waren immer wieder Anlass zu archäologischen Untersuchungen an dem 1817 entdeckten Weg. Seit mehr als 220 Jahren ist die Erforschung von Mooren wesentlicher Bestandteil der Archäologie in der Weser-Ems-Region, erläuterte gestern Alf Metzler, Leiter des Schwerpunktprogramms Moorarchäologie beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Seit Beginn des gezielten Torfabbaus stieß man auf hölzerne Kunststraßen, auf denen die Menschen diese Regionen für sich erschlossen und durchquert haben.

Die befahrbaren Moorwege waren häufig Teile weiterführender Sandwege, in deren Verlauf sie Moore in Sandengen überbrückten.

Der erste Fundbericht erschien 1817 durch den Lohner Nieberding aus dem Großen Moor zwischen Lohne und Diepholz. Die dort gefundenen Wege wurden durch den Zusatz „Pr.“ gekennzeichnet. Dort nahm der Diepholzer H. Prejawa zwischen 1890 und 1898 zum ersten Mal ein vollständiges Fundgebiet auf. „Und auf diese genauen Angaben können wir uns heute noch verlassen“, lobte Metzler.

Er stellte gemeinsam mit dem Paläoökologen Dr. Andreas Bauer ochse nun den zwischen den Jahren 30 und 60 vor Christus im Moor gebauten Weg auf einer Länge von 25 Metern näher vor. Die Germanen, so Metzler, hätten dafür überwiegend Erlenbohlen und -stämme verwendet und den Weg – nach sorgfältiger Bodenerkundung – in zahlreichen Kurven durch das Moor geführt.

Bis zu fünf Lagen führten zu einem relativ ebenen Weg, der aber immer noch bis zu 90 Zentimeter Höhenunterschied aufweise. Die 2,50 bis 2,70 Meter breite Verbindung habe wohl überwiegend der Landwirtschaft gedient. Darauf lasse jedenfalls der Fund von Klauenteilen von Kühen schließen.

Denkbar sei die Nutzung aber auch als Handelsweg gewesen. Der Weg dürfte nach Angaben Metzlers 4,3 Kilometer lang gewesen sein, von denen allerdings nur 3,8 Kilometer dokumentiert seien.

Unter Einsatz modernster Untersuchungs- und Dokumentationsverfahren sowie durch Unterstützung paläoökologischer Untersuchungen sollen offene Fragen zum Wegebau, den Umweltverhältnissen und dem Zustand des Moores zum Zeitpunkt der Anlage des Weges und zum Siedlungsgeschehen in der Dümmergeestniederung am Ende des ersten Jahrhunderts vor Christus beantwortet werden. · up

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