Professor Bernd Ulrich Hucker und die Geschichte des Heiligenbergs

„Mons sancte Marie“

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Nicht auszuschließen, das Reliquien des ermordeten Thomas Becket (hier eine Miniatur aus dem 14. Jahrhundert) einst auf dem Heiligenberg aufbewahrt wurden.

Von Anke SeidelBR.-VILSEN/HEILIGENBERG · Die Prämonstratenser nannten diesen Ort „Mons sancte Marie“, die Menschen vor ihrer Zeit „Burg der Heiligen“.

Wer waren diese Heiligen – germanische oder gar keltische Gottheiten, in christlicher Zeit „Heilige“ genannt? Darauf kann auch Professor Bernd-Ulrich Hucker, Mittelalter- und Landeshistoriker an der Universität Vechta, keine Antwort geben. Aber er hat eine Fülle von Details über die Geschichte des Heiligenbergs zusammen gefügt und setzt damit die historische Vortragsreihe im Forsthaus Heiligenberg fort.

Dort, wo die Zuhörer heute mit renommierten Referenten in längst vergangene Jahrhunderte reisen, wirkten einst die Prämonstratenser. Doch diese Mönche waren nicht die ersten auf dem Heiligenberg: „Diese Örtlichkeit hieß bereits vor ihrer Niederlassung Heiligenbergh“, so Hucker. Wobei „Berg“ damals gleichbedeutend war mit „Burg“. Welcher Heilige dem Ort seinen Namen gab, wird wohl für immer ein Geheimnis der Vergangenheit bleiben. Fakt ist dagegen, dass der Heiligenberg die einzige Stätte dieses Namens in der norddeutschen Tiefebene ist, so Hucker. Nicht ausgeschlossen, dass dieser Ort eine zentrale Rolle für die vorchristlichen Bewohner gespielt hat – nicht nur für die Sachsen. Der Professor zieht aus dem rekonstruierten prähistorischen Straßennetz den Schluss: „Wenn die Straßen auf den Heiligenberg zulaufen, muss es hier bereits in der Frühzeit einen wichtigen Punkt gegeben haben.“

Womöglich die sagenumwobene Quelle, der Paterborn? „Quellen und Brunnen spielten in der mythisch-naturbeseelten Vorstellungswelt der Menschen seit jeher eine wichtige Rolle“, so Hucker. Noch um 850 sei von den Sachsen bezeugt, dass sie „Quellen und belaubten Hainen“ Verehrung erwiesen. Doch dann kam Karl der Große. Er zwang sie zur Annahme des christlichen Glaubens, ließ Missionszentren in Verden, Bremen und Minden gründen. Klöster oder Stifte entstanden – wie das noch heute bestehende in Bassum. „Vilsen und Heiligenfeld“ wurden zu Hauptorten für die Region, weil hier („vielleicht schon im 9. oder 10. Jahrhundert“) Pfarrkirchen gegründet wurden.

Doch wie kamen die Prämonstratenser, die Kirchenmänner eines Reformordens, 1218 auf den Heiligenberg? Es waren die welfischen Grafen von Werningerode, die nach dem Niedergang der Welfen zu retten versuchten, was zu retten war – und ihren Besitz genau deshalb einem Orden übertrugen. „Als Vögte eines neuen Klosters behielten sie Einfluss auf ihren Besitz“, so Hucker.

Nicht auszuschließen, dass einst bedeutende Reliquien auf dem Heiligenberg verehrt wurden: Die des 1170 in England ermordeten Erzbischofs Thomas Becket. Dessen Gebeine hatte der Welfe Heinrich der Löwe nach Sachsen geholt.

Hucker spannt den Geschichtsbogen bis zum Einfall der Großen Garde, einer 6000 Mann starken Söldnertruppe, die 1499 „mit großer Tyrannei“ durch die Region zog und auf dem Heiligenberg, so vermutet er, die Stiftskirche zerstörte.

Über mittelalterliches Leben und Wohnen auf dem Heiligenberg berichtet er am Mittwoch, 17. Oktober, und über den „Geist von Premtontré“ am Mittwoch, 21. November, jeweils um 16 Uhr und um 19.30 Uhr im Forsthaus.

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