Mitglieder der Ortsverbände des Technischen Hilfswerks fühlen sich auf mögliche Katastrophen gut vorbereitet

„Wir kennen keine Grenzen“

Sören Ulrich (l.) war 2013 eine Woche in der Samtgemeinde Elbtalaue, und auch Thomas Gockel-Huntemann hat schon Flutkatastrophen live erlebt und daraus gelernt.
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Sören Ulrich (l.) war 2013 eine Woche in der Samtgemeinde Elbtalaue, und auch Thomas Gockel-Huntemann hat schon Flutkatastrophen live erlebt und daraus gelernt.

Von Anika BokelmannSYKE/LANDKREISWas zunächst aussah wie eine regionale Überschwemmung, entwickelte sich im vergangenen Jahr zu einer der größten Hochwasser-Katastrophen der Geschichte. Von Mai bis Juli waren rund 16000 Helfer der Bundesanstalt des Technischen Hilfswerks (THW) in Süd- und Ostdeutschland, um der Bevölkerung bei der Deichsicherung und Lebensmittelversorgung unter die Arme zu greifen. Insgesamt 41 THW-Mitglieder aus den drei Ortsverbänden des Landkreises Diepholz waren ebenfalls ausgerückt. Und würden es jederzeit wieder machen, wie Thomas Gockel-Huntemann vom Syker THW-Ortsverband erzählt.

Aus den Ortsverbänden Bassum (acht Helfer), Sulingen (16 Helfer) und Syke (17 Helfer) entsandte das THW zu Beginn des Sommers 2013 seine Ehrenamtlichen zum zweitgrößten Einsatz in der Geschichte der Bundesanstalt. Nach dem Hochwasser aus dem Jahr 2002 in Magdeburg habe man viele Erfahrungen und Erlebnisse in den jüngsten Einsatz einbringen können, berichtet Gockel-Huntemann. Der Syker Ortsbeauftragte war vor zwölf Jahren in Ostdeutschland. „So ein Einsatz prägt“, sagt er und erinnert sich, dass er einige Nächte lang von den Wassermassen geträumt habe.

Im vergangenen Jahr koordinierte Gockel-Huntemann dann die Hilfeleistung von Syke aus und stand unter anderem Sören Ulrich mit Ratschlägen zur Seite. Der Jugendbetreuer des Syker Ortsverbands sowie weitere Helfer waren acht Tage als Fachgruppe Beleuchtung in der Samtgemeinde Elbtalaue und sorgten dafür, dass die Helfer ausreichend Licht hatten. „Beeindruckend“ sei es gewesen, so Ulrich. „Man weiß, dass die Elbe eigentlich noch weit weg ist und auf einmal sieht man sie zehn Zentimeter vor sich“, versucht der 18-Jährige die Bilder zu beschreiben.

Die Frauen und Männer des Sulinger Ortsverbands waren im Katastrophengebiet im Landkreis Lüchow-Dannenberg bei der Bekämpfung des Elbhochwassers. Sie waren vorrangig mit der Sandsackbefüllung, deren Transport und Verbau beschäftigt. Auch die Bassumer Kollegen leisteten in Niedersachsens östlichstem Landkreis Katastrophenhilfe. In Dannenberg seien sie warmherzig empfangen worden, denn ohne die externe Hilfe wären die Bürger aufgeschmissen gewesen, erinnern sich die Helfer des Bassumer Ortsverbands. Eine Woche lang hatten sie auch dafür gesorgt, dass die Straßen für die Hilfstransporte freigeräumt wurden.

Jederzeit würden die Ehrenamtlichen THW-Kräfte wieder zur Hilfeleistung ausrücken, versichern sie im Rückblick. Schließlich kenne das THW innerhalb der Kameradschaft keine Kreis-, Landes- und Bundesgrenzen, betont Gockel-Huntemann. Zudem fühlten sich die Ehrenamtlichen nach den zwei vorausgegangenen Einsätzen inzwischen „besser auf solche Katastrophen vorbereitet“, erklärt er weiter. „Jetzt wissen wir, welche Ausrüstung, privat wie für den Einsatz, erforderlich ist und können unsere Mitglieder im Voraus darauf hinweisen.“

Acht Tage dauert der Einsatz in einem Katastrophengebiet für ein THW-Mitglied in der Regel. Dann kommt Ablösung. „Wir nehmen natürlich Rücksicht auf persönliche Umstände wie beispielsweise den Urlaub“, sagt Gockel-Huntemann.

Der 57-Jährige unterstreicht, dass viel mehr Personen mit dem Einsatz beschäftigt seien, als auf den ersten Blick erkennbar. „Im Landkreis Diepholz läuft die Koordination. Einsatzbesprechungen kommen hinzu“, beschreibt er das Szenario, das sich nach 2013 wiederholen könnte, da die Unwetter vermutlich zunehmen. „Da steckt viel logistische Arbeit hinter, wenn die Weichen richtig gestellt werden sollen“, sagt Gockel-Huntemann.

Für die vorbildliche Arbeit haben die THW-Helfer, ebenso wie weitere freiwillige Gruppen und Institutionen, neben der Hochwasser-Medaille des Landes von der Niedersächsischen Landesregierung auch die Bundesflutmedaille als Auszeichnungen erhalten.

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