Expertinnen referierten zum Thema „Ambulante Versorgungslücken“ / SoVD stellte sein Haushaltshilfen-Projekt vor

Menschenunwürdige Zeit vor Pflegeversicherung

Elsbeth Rütten (l.) vom Verein „Ambulante Versorgungslücken“, Claudia Maiwald (M.) von der Arbeitsgemeinschaft „Gesundheit“ und Rita Wegg, die Initiatorin des SoVD-Projektes „Haushaltshilfen“ stellten ihre Aktionen vor.

Weyhe - SUDWEYHE (bt) · Stellen Sie sich vor: Sie sind allein stehend, haben kleine Kinder im Alter unter zwölf Jahren zu betreuen und erleiden einen Unfall, der Sie auch nach der Entlassung aus der Klinik an der Bewältigung ihrer alltäglichen Arbeit hindert. Wer hilft Ihnen in dem ersten halben Jahr, bis die Pflegeversicherung einsetzt?

Vor diese und änhliche Fragen sahen sich die Zuhörer am Donnerstagabend im Gasthaus Voßmeyer bei einer Veranstaltung zum Thema „Ambulante Versorgungslücken“ gestellt.

Seit Krankenhausaufenthalte nach einer Fallpauschale abgerechnet werden, verlassen Patienten nach Operationen das Krankenhaus immer früher. Die anschließende Heilungsphase und der Genesungsprozess werden jedoch versorgungstechnisch nicht mehr als Krankheit betrachtet und daher nicht mehr von den Krankenkassen übernommen. Das kann in einigen Fällen zu menschenunwürdigen Lebenssituationen führen.

„In diesem Bereich der ambulanten Nachsorge gibt es an der Schnittstelle zwischen stationärer und häuslicher Unterstützung eine Versorgungslücke“, sagte die Vorsitzende des Vereins „Ambulante Versorgungslücken“, Elsbeth Rütten. Sie hat festgestellt, dass die Krankenkassen mit derartigen Fällen ganz unterschiedlich umgingen und dass jene Kassen, die Unterstützung gewähren, das auch nur nach intensiver Nachfrage täten.

Inzwischen hat der Verein „Ambulante Versorgungslücken“ 25 000 Unterschriften für einen Petitionsantrag gesammelt und nach Berlin geschickt. „Unser Anliegen wird öffentlicher, bei den Krankenkassen hat durch unsere Arbeit bereits ein Umdenken stattgefunden“, so Rütten. Von diesem Missstand seien nicht nur Ältere betroffen, ergänzte Claudia Maiwald, die Vorsitzende der erst kürzlich gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Gesundheit“. Diese AG begleitet die Bemühungen des Vereins wissenschaftlich und hat bereits eine Bestandsaufnahme veranlasst.

Beide Referentinnen begrüßten das SoVD-Pilotprojekt „Haushaltshilfen“ in Weyhe, das seit dem 14. Januar angelaufen ist (wir berichteten). Koordinatorin Monika Hangert und die beiden Haushaltshilfen Heide Grabosch und Brunhilde Wolter verzeichneten in zwei Wochen bereits eine Auslastung von 40 Prozent mit steigender Tendenz. Die Personalkosten für dieses in Deutschland einmalige Pilotprojekt werden zunächst für ein Jahr von der ARGE in Syke finanziert. Zielgruppe ihrer Arbeit sind Behinderte, Senioren, Kranke und Pflegebedürftige in Weyhe und umzu, die Hilfe bei der Bewältigung ihres Alltags benötigen. Für diesen „Service rund um den Haushalt“ stellte der SoVD-Kreisverband Mitarbeiterinnen ein, die über den SoVD zu den Sprechzeiten montags, mittwochs und freitags von 8 bis 12 Uhr und dienstags und donnerstags von 10.30 bis 18.30 Uhr im „Louise-Ebert-Zentrum“ in Leeste angefordert werden können.

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