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Mehr Geld für den Zivilschutz

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Von: Anke Seidel

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Ein „Lost Place“ unter den Berufsbildenden Schulen: das im Kalten Krieg gebaute Hilfskrankenhaus in Syke. Längst ist fast die gesamte Einrichtung abgebaut, nur noch wenige Relikte (Foto) sind erhalten. Eine Reaktivierung des Komplexes ist ausgeschlossen.
Ein „Lost Place“ unter den Berufsbildenden Schulen: das im Kalten Krieg gebaute Hilfskrankenhaus in Syke. Längst ist fast die gesamte Einrichtung abgebaut, nur noch wenige Relikte (Foto) sind erhalten. Eine Reaktivierung des Komplexes ist ausgeschlossen. © Jantje Ehlers

Der Katastrophen- und Zivilschutz ist auch in Deutschland angesichts des Kriegs in der Ukraine in den Mittelpunkt gerückt. Kreisrat Jens-Hermann Kleine rechnet mit kurzfristigen Förderprogrammen, sieht den Landkreis Diepholz aber in einigen Aspekten bereits gut aufgestellt.

Landkreis  Diepholz – Der gnadenlose Krieg in der Ukraine hat eine noch vor wenigen Wochen unvorstellbare Zeitenwende ausgelöst – und den Katastrophen- sowie den Zivilschutz wieder in den Fokus gerückt. Dafür wollen Bund und Länder nun deutlich mehr Geld zur Verfügung stellen. Allein in Niedersachsen haben sich das Innen- und das Finanzministerium auf zusätzliche 40 Millionen Euro geeinigt, das ist mehr als doppelt so viel wie der bisherige Ansatz. Wie viel Geld davon in den Landkreis Diepholz fließt, ist noch unklar. Kreisrat Jens-Hermann Kleine geht davon aus, dass kurzfristig Förderprogramme aufgelegt werden.

Darüber sollen zum Beispiel Notstromaggregate, mobile Sanitätseinrichtungen und Satellitentelefone finanziert werden. Aber es gehe auch um Betreuungskapazitäten, erläutert der Kreisrat. Will heißen: Um die konstante Versorgung möglichst vieler Menschen mit Nahrungsmitteln in einem Notfall. Gerade in diesem Bereich sei der Landkreis Diepholz nicht schlecht aufgestellt. „Da müssen wir keinen Vergleich scheuen, da sind wir erprobt“, sagt Jens-Hermann Kleine und blickt auf Ausstattung sowie Organisation des traditionellen Kreisjugendfeuerwehrzeltlagers – eine Großveranstaltung, bei der regelmäßig mehr als 2 000 Teilnehmer plus 300 ehrenamtliche Helfer neun Tage lang in Zelten beherbergt und verköstigt werden (diesmal vom 16. bis zum 24. Juli in Bruchhausen-Vilsen).

Zwei wichtige Schutzanlagen

Längst außer Betrieb sind dagegen zwei wichtige Schutzanlagen, die noch vor drei Jahrzehnten funktionstüchtig waren: Das Warnamt II im Bassumer Ortsteil Helldiek und das Hilfskrankenhaus unter der BBS Europaschule in Syke. Genau das bot damals auf mehr als 3 500 Quadratmetern Fläche Behandlungsmöglichkeiten für 531 Patienten – betreut von 150 Pflegekräften und Ärzten. Nach einem Atomschlag hätten die Menschen in der unterirdischen Anlage etwa 14 Tage überleben können.

Im rund 15 Kilometer entfernten Warnamt II bot dessen Zivilschutz-Bunker rund 250 Menschen Platz – den bis zu 30 hauptamtlichen Mitarbeitern und vielen Ehrenamtlichen. Die unterirdische Steuerzentrale überwachte rund um die Uhr zahlreiche Messstellen und konnte bis zu 14 000 Sirenen im norddeutschen Raum auslösen. Heute rekonstruiert ein Verein die alte Anlage, um ein Stück Zeitgeschichte zu bewahren.

Sowohl das Hilfskrankenhaus als auch der Warnamt-Bunker verfügten damals über autarke Luftaustausch-, Wasser- und Energiesysteme, über Schlafsäle und Großküchen. Doch reaktivieren lassen sie sich nicht. „Es ist vieles zurückgebaut worden“, so Kreisrat Jens-Hermann Kleine – und fügt hinzu: „Wir haben lange Zeit Frieden gehabt. Zum Glück!“

Mittlerweile hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser den Rückbau solcher Anlagen gestoppt – und festgestellt, dass aktuell noch 599 öffentliche Schutzräume in Deutschland existieren. Geplant ist demnach außerdem der Ausbau von Warnsystemen – wie neue Sirenen. Der Bund hatte lange vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ein Sirenenertüchtigungsprogramm aufgelegt, das in den politischen Gremien des Landkreises Diepholz für Diskussionen sorgte (wir berichteten).

„Sirene macht im Wesentlichen nur Lärm“

Bei den meisten Sirenen in diesem Lebensraum handle es sich, so Kreisbrandmeister Mike Wessels, um Dachsirenen aus den 1930er-Jahren. Motoren treiben die Scheibe an, die den typischen Heulton erzeugt – je nach Signal in unterschiedlich langen Intervallen. Doch viele Bürger, vor allem unter 30 Jahren, würden deren Bedeutung gar nicht mehr kennen, gab der Kreisbrandmeister zu bedenken. Unabhängig davon verbrauchen die Motoren so viel Strom, dass solche Sirenen nicht mit Notstrompuffern ausgestattet werden könnten – im schlimmsten Fall also gar nicht einsatzfähig wären.

Kreisrat Jens-Hermann Kleine fasst zusammen: „Die klassische Sirene macht im Wesentlichen nur Lärm.“ Mit modernen Sirenen hingegen könnten gezielte Durchsagen erfolgen. Ein flächendeckendes System hat aber seinen Preis: „Dafür werden die angekündigten Mittel nicht ausreichen“, befürchtet Kleine.

Bürgern empfahl er schon vor Monaten, für Notfälle ein batteriebetriebenes Radio vorzuhalten: „Der Rundfunk ist im Notfall ein probates Medium für die Warnung.“ Große Teile der Bevölkerung könnten in kürzester Zeit mit einer Vielzahl von Informationen versorgt werden. Das nutzt der Landkreis schon seit Jahren: „Schulausfall geben wir auch über den Rundfunk bekannt.“

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