Serie: Wilfried Müller aus Bruchhausen-Vilsen erzählt von einer Fahrradtour, die er 1955 machte

Mäßigstes Zelt – schönste Burg

Wilfried Müller.

Br.-Vilsen - (bns) Mit dem Billigflieger nach Spanien, Italien oder in die Türkei ist in der heutigen Zeit gang und gäbe. Aber wie und wo haben die Bewohner der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen eigentlich vor 50 Jahren ihren Sommerurlaub verbracht ? In unserer Serie sprechen Zeitzeugen über ihre damaligen Ferienziele.

Zu einer zweiwöchigen Fahrradtour startete Wilfried Müller aus Bruchhausen-Vilsen mit seinem Bruder Heinrich und ihrem Schulkameraden Peter Hübler im Sommer 1955. „Wir hatten uns ein amerikanisches Armeezelt von einem Freund geliehen“, erinnert sich Wilfried Müller. Während seine 15-jährigen Begleiter „tolle Räder hatten, hatte ich nur so eine alte Gurke“. Mit der ging es für den damals 13-Jährigen von Bruchhausen-Vilsen nach Melchiorshausen.

Dort legte das Trio am Straßenrand eine erste Pause ein. „Meine Mutter hatte uns etwas zu essen mitgegeben.“ An Kartoffelsalat, gekochten Eiern und dickem Reis mit Zimt und Zucker hätten sie sich dermaßen satt gegessen, „dass wir eigentlich keine Lust mehr hatten, wieder aufs Fahrrad zu steigen und fast wieder umgekehrt wären“. Nach der Besichtigung des Oldenburger Schlosses verbrachten die Jugendlichen ihre erste Nacht in Rastede. „Wir waren keine Profis im Zelten“, erzählt Wilfried Müller. Hinter der Scheune eines Bauerns schlugen die drei über einer Mulde ihr Zelt auf. Ihre Unterkunft verfügte weder über einen Boden, noch war sie imprägniert. „So etwas gab es damals noch nicht.“ Dass die Idee mit der Mulde keine kluge war, wurde den Schülern schnell klar. Nachts fing es an zu regnen, und es dauerte nicht lange, bis sich die Mulde mit Wasser füllte. Mit ihren Habseligkeiten auf dem Schoß warteten die Jungs darauf, dass der Regen aufhörte. Die Nacht „hat uns viel beigebracht“.

Am nächsten Tag radelte das Trio Richtung Wilhelmshaven. Auf der Reiseroute standen unter anderem Carolinensiel und Bensersiel. „Wir haben die ganze Küste erforscht, das war damals ja noch Ödland.“ Weil er der Jüngste war, habe Wilfried Müller oft einkaufen gehen müssen. Einmal sei er zurückgekommen und habe den anderen beiden zugerufen: „Hört mal, wir sind ja schon in Holland !“ Dabei hatten die Leute nur ein fremdklingendes Plattdeutsch gesprochen.

Mit der Zeit hätten sich die drei an die Reiseumstände gewöhnt, und „bald wussten wir, wie der Hase läuft“. Überall, wo sie gezeltet haben, hätten sie eine Sandburg gebaut, auf die sie mit Muscheln „Bruchh.-Vilsen“ schrieben. „Wir hatten das mäßigste Zelt, aber die schönste Sandburg“, erzählt Wilfried Müller stolz. Viele Leute hätten sie daraufhin angesprochen, um zu erfahren, wo Bruchhausen-Vilsen eigentlich lieg.

Der zweiwöchige Ausflug an die Nordsee sei der einzige dieser Art gewesen, den Wilfried Müller mit seinem Bruder und dem gemeinsamen Freund unternommen habe. In den Sommerferien sei er allerdings öfter für einige Tage zu Verwandten nach Bremen und Nienburg gefahren – natürlich mit dem Fahrrad.

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