Godwill Ames berichtete im Erzähl-Café über sein Leben in Togo und in Syke

Madame Syke hat das Herz des „kleinen Deutschen“

Godwill Ames im Erzähl-Café. ·
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Godwill Ames im Erzähl-Café. ·

Syke - Von Ilse-Marie Voges„Halten Sie sich nicht mit dem Erzählen von Schwierigkeiten zurück, denn das Ziel des Erzähl-Cafés ist es, Brücken zu schlagen.“ Mit diesen Worten begrüßte Johannes Huljus auch im Namen der Volkshochschule den Togolesen Godwill Ames als Referenten im jüngsten Erzähl-Café.

Ames baute Brücken in seinem bildreichen Vortrag über sein „Leben in Togo und in Syke“. Die Geschichte des Afrikaners mit schottischen Wurzeln, sein Großvater war Schotte, mutete filmreif an. Sein Weg führte ihn immerhin von Benin über Togo, Paris, London und Grenoble nach Deutschland und 1988 bis nach Syke.

Der heute 54-Jährige unterrichtet Sport und Kunst an der Syker Ganztagsschule. Er verfügt über Erfahrungen in integrationsfördernden Sportprojekten mit dem Schwerpunkt Gewaltprävention durch Boxen, speziell für Jugendliche.

Geboren ist Ames in Benin, dem Nachbarstaat von Togo. Seine Staatsangehörigkeit erhielt er in Togo. Ames stammt aus dem Adel in Benin. 1975 brach dort ein Bürgerkrieg aus. Deshalb brachte sein Vater, Reeder im Hafen von Lomé, den 17-Jährigen außer Landes in ein Internat nach Frankreich und später zum Studium nach London.

Bildreich, informativ und nicht ohne Stolz stellte Ames Benin und Togo vor. Er berichtete über Marmor aus Pagala, der besser sein soll als der aus Italien. Auch über togolesische Straßenrestaurants, wo auf offenem Feuer in Tontöpfen gekocht wird und auf dem Markt Schuhe verkauft werden, die in Europa im Wegwerfcontainer lagen, sprach er.

Lukrativ ist der Stoffhandel. Die Besitzer dieser Unternehmen seien unermesslich reich, sagt der Referent, spricht aber von großer Armut im Land. Nur die privilegierten Kinder gingen in die Schule. „In Togo leben 6,5 Millionen Menschen und mehr Analphabeten, als wir uns hier vorstellen können“, erklärt Ames. Er hat Kinder fotografiert, die fünf oder sechs Jahre alt sind und bereits auf dem Markt mithelfen müssen.

Aufgrund der Armut gebe es in den Städten vielfach Prostitution, sagt der Referent. Er erinnert daran, dass immer noch die Männer als Patriarchen das Leben bestimmen. Ames hilft. Bildung ist für ihn ein Schlüssel. Deshalb hat er in Benin eine Schule gegründet.

In seinem Geburts-Ort nennen ihn die Leute den „kleinen Deutschen“. Der überrascht im Café mit der Aussage, er habe drei Frauen – die Städte Lomé, Cotonou und Syke. „Und Madame Syke hat mein Herz.“

Deutschland wurde nach und nach sein Wunschland. Hier hat er seine Frau kennen gelernt. „Nach Syke kam ich, als gerade die Alliierten, die Amerikaner, hier abzogen“, berichtet er.

Die Syker hätten ihn auf englisch angesprochen, weil sie in ihm einen Soldaten vermuteten. Er habe sich anfangs wie ein Exot gefühlt. Inzwischen sei Syke aber seine kleine Traumstadt. „Jedes Mal, wenn ich von irgendwo her zurückkomme, empfängt mich hier Wärme, finde ich es kuschelig.“

Rassenhass kennt Ames nicht. Eine Kassiererin in einem Syker Supermarkt sei die einzige gewesen, die ihn mal unangenehm behandelt habe, sagt er. Der Marktleiter habe sich aber entschuldigt. Damit sei die Sache erledigt gewesen.

Den Vortrag schloss der Wahl-Syker mit einer Empfehlung für Migranten: „Ich sage, wenn du hier leben willst, dann lerne die Sprache, respektiere die Sitten und Gebräuche. Lebe in deinen vier Wänden, wie du willst, aber pass dich an.“

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