In Leeste begann bereits 1856 „Röten“ Kastens mit Fotoexperimenten / Kunden im ganzen norddeutschen Raum

Luftmine vernichtete einmaliges Archiv

Das alte Fachwerkhaus der Leester Familie „Röten“-Kastens im Jahre 1910. Ganz links steht der Fotograf Heinrich Kastens. 1926 brannte das Haus ab. Im Vordergrund der Leester Mühlenteich.

Weyhe - Während die ersten brauchbaren Fotografien der Welt in den Jahren 1835 bis 1839 entstanden, wurden erst 17 Jahre später auch „haltbare Bilder“ in Leeste hergestellt. Um 1856 begann der Anbauer und Drechsler Ratje Kastens, genannt „Röten“, mit ersten Fotoexperimenten.

Die bislang ältesten noch vorhandenen Fotos entstanden in dieser Zeit und wurden im sogenannten Nassplattenverfahren hergestellt. Das bedeutete für Kastens, die belichteten Fotoplatten sofort bearbeiten zu müssen. Erst mit der Entwicklung der Trockenplatten 1871 bestand für ihn die Möglichkeit, später in Ruhe die chemischen Prozesse in seiner provisorischen Dunkelkammer einzuleiten. Um mobil zu sein, konstruierte er damals sogar einen Ackerwagen zu einem fahrbaren Labor um. Seine Kundschaft fand er nicht nur im Dorf Leeste oder in der nahen Stadt Bremen, sondern sogar in Oldenburg, Osnabrück und anderen norddeutschen Städten. Für die Polizei fertigte er Tatort- und Steckbrieffotos, in Leeste und Umgebung produzierte er unzählige Postkarten, Vereins- und Familienportraits.

Sein Sohn Gerd fotografierte auch, obwohl er ebenfalls den Drechslerberuf erlernt hatte. Er richtete im Fachwerkhaus seines Vaters in der Nähe der Leester Wassermühle ein Studio ein und stellte die Fahrten zur Kundschaft langsam ein. Bekanntester Fotograf der Kastens-Dynastie war dann allerdings Enkel Heinrich (1897 bis 1968). Er hatte diesen Beruf richtig erlernt und verdiente sein Brot damit.

Nachdem ein Brand im Jahre 1926 Haus und Studio zerstört hatten, wurde im Neubau alles auf die Fotografie abgestimmt. Leider vernichtete eine Luftmine im April 1945 mit dem Wohn- und Geschäftshaus auch das wohl einmalige Fotoarchiv, das die Familie Kastens „zusammen fotografiert“ hatte. Viele wertvolle Geräte und historische Fotoplatten fielen dem Feuer ebenfalls zum Opfer. Seine alten Bilder konnten nur bei verschiedenen Familien in der Umgebung gefunden und für die Nachwelt gesichert werden.

1981 arbeitete Gerd-Heinz als vierter Fotograf der Familie Kastens hier.

Zuletzt hatte er sein Geschäft an den Fotografen Martin Schaland vermietet, der das Unternehmen inzwischen aufgegeben hat. Das Leester Fotohaus Kastens ist mittlerweile nur noch Geschichte.

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