Heinrich Hammann sen. und Franz Berger schreiben 1935 das Twistringen-Lied / Neue Infotafel erhält Platz im Rathaus

Lokale Hymne gehört zum guten Ton

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Bereits kurz nach der Jahrhundertwende spielten mehrere Streicher in der Hammann‘schen Kapelle. Das Foto ist 1925 entstanden.

Twistringen - Von Marvin Köhnken. Heinrich Hammann ist Musiker. Er kann gar nicht anders. Es liegt ihm in den Genen. Als letztes verbliebenes Mitglied der Hammann‘schen Kapelle Twistringen (HKT) hat er sein Leben lang selbst musiziert, andere Künstler angeleitet und sich beruflich mit Musik beschäftigt. Zu verdanken hat er diese Freude seinem Elternhaus. Vater Heinrich sen. hat 1935 zusammen mit Franz Berger das weithin bekannte Twistringen-Lied geschrieben.

Während sein Sohn kein Berufsmusiker mehr ist, leitete der Vater die HKT mit vollem Einsatz. „Von Helgoland bis zum Dümmer war die Kapelle viele Jahre unterwegs“, erzählt Heinrich Hammann. Er selbst ist Teil der sechsten Familiengeneration, die sich der Musik verschrieben hat. „Ich bin der letzte Mohikaner“, sagt der 79-Jährige.

Es ist ihm wichtig, dass das Wissen um das Twistringen-Lied und die Künstler, die diese lokale Hymne erschaffen haben, nicht verloren geht. Daher hat er nicht nur viele Dokumente aus jener Zeit gesammelt, sondern jetzt auch ein Infoblatt erarbeitet.

Eine Version im großen Din-A3-Format hat der in Brinkum lebende Twistringer nun Bürgermeister Karl Meyer geschenkt. Während der Übergabe am Mittwoch zeigte sich der Rathaus-Chef beeindruckt: „Das ist ein Lied, mit dem sich alle Leute hier identifizieren können. Die Tafel werden wir dort hinhängen, wo viel Publikumsverkehr herrscht.“

Heinrich Hammann (r.) überreicht Bürgermeister Karl Meyer die Infotafel.

Weil das Twistringen-Lied bis heute, fast 80 Jahre nach der Veröffentlichung, noch immer in aller Munde ist, hat Heinrich Hammann allen interessierten Gruppen kleine Versionen der Infotafel überreicht. „Der Schützenverein wollte gleich hundert Stück haben, um sie bei Ehrungen und Verabschiedungen übergeben zu können.“

„Dieses Lied hat einen enormen Anteil am Zusammenhalt in der Stadt“, ist sich Karl Meyer sicher. Auf dem Schützenfest singen auch die jüngeren Besucher mit. So mancher Bürger, der fortzieht, hat Noten und Text im Gepäck, um das Lied zu exportieren. Nur über den genauen Ursprung des Stücks wissen nicht mehr viele Bescheid, sagt Heinrich Hammann.

Nachzulesen ist dieses Wissen nun auf der Infotafel im Rathaus. Neben den Noten und allen Strophen – die vierte schrieb Franz Berger zum zehnjährigen Bestehen des Schützenvereins 1937 – sind dort auch die Entstehungsgeschichte und Informationen über die Erschaffer zu finden.

Der in Hannover geborene Franz Berger war Lehrer und Politiker in Twistringen und betraute Heinrich Hammann sen. mit der Aufgabe, die Musik zu dem Text zu schreiben. Die HKT war zu dieser Zeit für ihre moderne Interpretation von Marsch- und Salonmusik bekannt. Streicher ergänzten das Portfolio des Orchesters.

„Das hat natürlich nicht jedem gefallen, was da gemacht wurde. Die Kapelle war ihrer Zeit voraus“, erzählt Hammann, der selbst ab 1951 ein Teil der HKT war und ab 1962 auch bei der Bremer Schutzpolizei im Musikcorps gespielt hat.

Mit dem späteren Polizeiorchester war Hammann noch bis 2003 häufig in der Region zu hören. „Die Leute haben mich dann erkannt, und alle sagten, nun spiele doch eigentlich wieder die Hammann‘sche Kapelle.“

In Kürze möchte Heinrich Hammann neue Postkarten anfertigen lassen, auf denen das Twistringen-Lied abgedruckt ist. Und auch beim Schützenfest könne man die Infoblätter in einfacher Form verteilen, damit alle Twistringer beim Kommers am Montagmorgen mitsingen können, sagt der 79-jährige Vollblut-Musiker.

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