Keine Lehren für Stuhr aus der Insolvenz des Gleisbauers Walthelm

Linie 8: „Eine ganz andere Dimension als in Lilienthal“

Der Bau der Straßenbahnverlängerung 8 über Stuhr nach Weyhe muss europaweit ausgeschrieben werden. ·
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Der Bau der Straßenbahnverlängerung 8 über Stuhr nach Weyhe muss europaweit ausgeschrieben werden. ·

Stuhr/Weyhe - Von Sandra Bischoff und Sigi Schritt. „Vor einer Insolvenz eines Unternehmers ist man nie gefeit“, sagt Bürgermeister Niels Thomsen mit Blick auf die Pleite der Gleisbaufirma Walthelm, die in Lilienthal das Schienennetz für die Straßenbahnlinie 4 baut.

Eine Lehre könne Stuhr für den Bau der Verlängerung der Straßenbahnlinie 8 aus den Geschehnissen allerdings nicht ziehen. „Man kann sich als Gemeinde nur schützen, indem man die Risiken minimiert. Wir tun das, weil wir die Trasse bereits haben, bei uns liegen die Schienen schon“, so der Stuhrer Bürgermeister. Wenn beim Bau der Linie 8 beispielsweise die beauftragte Spezialfirma für Signaltechnik Insolvenz anmelden müsse, „dann wäre das auch schon ein ziemliches Problem“, so Thomsen.

Außerdem sei das geplante Bauprojekt durch Stuhr und Weyhe, was den Umfang angehe, viel kleiner. Das liege vor allem an dem vorhandenem Schienennetz der Bremen-Thedinghauser-Eisenbahn (BTE). „Bei uns geht es um den Austausch von Schwellen und Schotter an den Bahnübergängen, das war von Anfang an eine andere Dimension als in Lilienthal.“

Zum Vergleich: Während die Verlängerung der Linie 8 von Bremen über Stuhr nach Weyhe auf einer Streckenlänge von 9,5 Kilometern erfolgt, sind es in Lilienthal nur 5,5 Kilometer. Die Baumaßnahme dort schlägt mit knapp 60 Millionen Euro zu Buche. Das Projekt Stuhr-Weyhe ab der Landesgrenze kostet nach Stand 2011 33 Millionen Euro. Stuhr muss für 5,31 Millionen Euro für seinen Abschnitt aufkommen, Weyhe zahlt voraussichtlich 3,837 Euro.

Der Planfesstellungsbeschluss für das Bauvorhaben auf niedersächsischer Seite liegt vor. Derzeit befasst sich das Verwaltungsgericht mit den Klagen von Anwohnern und Betrieben dagegen, sagt der Bürgermeister. Er geht davon aus, dass der Bau voraussichtlich  2018 starten wird.

Die BTE als Projektträgerin werde alles dafür tun, dass beim Bau der Linie 8 eine leistungsfähige Firma beauftragt werde, sagt der Erste Gemeinderat in Weyhe, Andreas Bovenschulte. Zwar könne kein Bauherr – ob öffentlich oder privat – zu 100 Prozent ausschließen, dass eine beauftragte Firma nachträglich in ein Insolvenzverfahren schlittere. Aber man werde alles daran setzen, bei der Verlängerung der Linie 8 durch Stuhr und Weyhe einen solchen Fall zu vermeiden.

Nach Auskunft Bovenschultes kommen bei öffentlichen europaweiten Vergabeverfahren nur Bieter in die zweite Runde, die die notwendige Fachkunde, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit besitzen und über ausreichende technische und wirtschaftliche Mittel für die Umsetzung des Projekts verfügen.

Die Angebote werden rechnerisch, technisch und wirtschaftlich bewertet. Solche, die unangemessen niedrig sind, scheiden laut Bovenschulte von vornherein aus. In die engere Wahl kommen alle Bieter, die unter Berücksichtigung eines rationellen Baubetriebs und sparsamer Wirtschaftsführung eine einwandfreie Ausführung einschließlich Haftung für Mängelansprüche erwarten lassen. Das wirtschaftlichste Angebot erhält den Zuschlag.

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