Informatiker klärten Eltern auf

„Lesen Sie sich die AGBs durch“

Die beiden Referenten Peter Leppelt (r.) und Wulf Bolte klärten über Nutzen und Gefahren des Internets auf.

Bassum - BASSUM (al) · „Ihre Kinder können den Computer viel besser bedienen als Sie, aber glauben Sie nicht, dass ihre Kinder wissen, was sie da tun. Das ist so, als würde sich der Fahranfänger in Papas schnelles Auto setzen und mit Vollgas losbrausen. Würden Sie das zulassen?“ Am Dienstagabend informierten zwei hochqualifizierte Informatiker 30 Eltern im Schulzentrum Petermoor über die Gefahren des Internets. Nach dem zweieinhalbstündigen Vortrag waren die meisten schockiert.

Am liebsten hätten einige den Computer ihrer Kinder zu Hause für alle Zeit verschlossen, doch Wulf Bolte und Peter Leppelt von der Firma Praemandatum hatten klar gemacht, dass sie damit die Zukunft ihrer Kinder verbauen würden. Das Internet, gekonnt und bewusst angewendet, sei ein Segen und kein Fluch. Wichtig sei nur, dass Eltern den Umgang erlernen. Leppelt: „Ihr Kind kann es nicht. Die Lehrer können es oft auch nicht. Da bleiben nur Sie“, so der Informatiker und gab den Tipp: „Erleben Sie das Internet mit ihrem Kind gemeinsam.“

Im Eiltempo versuchten die beiden Referenten den Müttern und Vätern die größten Risiken und Gefahren zu erläutern, gaben einige Grundregeln mit auf den Weg und stellten auch Trends vor.

Eine Regel lautet: „Sie müssen sich angewöhnen die AGBs durchzulesen.“ Denn darin versteckten sich die Fallstricke, unter anderem die Abtretung des Rechts auf die eigenen Daten. Wer beispielsweise über einen Internetbrowser das Netz nutzt, gehe das Risiko ein, dass alles, was er im Internet tut, registriert werde, beispielsweise von Google. „Google weiß, welche Texte Sie lesen, welche Bilder Sie sich anschauen, was Sie online kaufen, wofür Sie sich interessieren – und erstellt ein Konsumprofil von Ihnen, das an andere weiterverkauft wird“, so Leppelt. Der „gläserne Mensch“ sei längst keine Zukunftvision, sondern Realität. In Amerika funktioniere bereits die geometrische Bildersuche. Leppelt: „Theoretisch ist es möglich, dass Sie mit Ihrem Handy (Smartphone) ein Foto einer unbekannten Person machen und sofort die bereits gespeicherten Daten erhalten.“

Bereits jetzt würden Handys alles „petzen“, was man tut. Sei es der Inhalt der SMS, die geschossenen Fotos oder der Aufenthaltsort.

Zweite Regel: Eltern sollten ihren Kindern „einhämmern“, dass es das Recht am eigenen Bild gibt. Niemand dürfe Fotos anderer ohne deren Einwilligung ins Netz stellen.

Dritte Regel: „Erklären Sie ihren Kindern, dass sie mit ihren Daten sorgfältiger umgehen.“ Jeder Jugendliche sei heute in einem Netzwerk registriert und stelle in dieses nicht nur Fotos, sondern auch persönliche Angaben, sogar die reale Anschrift und Telefonnummer. Diese seien für Kriminelle, beispielsweise Pädophile, interessant – Hacker im Kinderzimmer sind keine Seltenheit – aber auch für die Werbung.

Apropos Werbung: Leppelt und Bolte stellten auch Trends vor: So soll in Frankreich bereits in jedem dritten Kinderzimmer ein WLAN-Hase (Computer) stehen. Dieser ist ausgestattet mit einem Mikrofon, einer Kamera und sogar einem Geruchssensor. Die Warnung der Informatiker: „Der Hase überträgt alles, was er aufnimmt auf den Server des Anbieters, um Daten zu sammeln.“ Laut Praemandatum sind wir auf dem besten Weg, eine Überwachungsgesellschaft zu werden, ohne es zu merken.

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