Kampf ums Überleben

In Lemförde gestrandeter Zirkus: „Wir wissen nicht mehr weiter“

Der Schnee, der vom Dach des Zirkuszelts kommt, muss ständig weggeräumt werden, denn die Feuchtigkeit zehrt an der Plane des Zeltes.
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Der Schnee, der vom Dach des Zirkuszelts kommt, muss ständig weggeräumt werden, denn die Feuchtigkeit zehrt an der Plane des Zeltes.

Erst die Corona-Pandemie, jetzt zusätzlich Eis und Schnee: Für Zirkusdirektor Harry Frank und den in Lemförde gestrandeten Zirkus Frankalli verschlechtert sich die Lage von Tag zu Tag.

  • Familie sitzt seit einem Jahr in Lemförde fest
  • Kein Einnahmen
  • Winterquartier gesucht

Lemförde – „Wir sind am Ende.“ Wenn der Zirkus Frankalli nicht schnellstmöglich Hilfe bekommt, weiß der Zirkusdirektor Harry Frank nicht mehr weiter. Seit knapp einem Jahr sitzt die Zirkusfamilie coronabedingt in Lemförde fest. Die ursprünglich geplante Tournee war ins Wasser gefallen, für die Familie gibt es seither keine Einnahmen mehr (wir berichteten).

„Der Wintereinbruch mit dem vielen Schnee und Minusgraden hat uns den Rest gegeben“, sagt Harry Frank. Die Lage sei bedrohlich. „Wir wissen einfach nicht mehr weiter.“ Bei minus zehn Grad sei es im Wohnwagen kein Zuckerschlecken. „Alles friert uns ein. Wir haben nicht genug Geld, um ausreichend Gasvorräte zum Heizen zu beschaffen.“

Bürger helfen

Es seien die Bürger, die helfen. „Wir bräuchten dringend, wirklich ganz dringend ein festes Winterquartier für uns und unsere Tiere“, so Frank. Er wisse von einem leer stehenden Sägewerk im Kreis Lübbecke sowie von einem ungenutzten Fabrikgelände bei Bohmte. „Wenn wir dorthin könnten, wäre uns unglaublich geholfen.“

Der Schnee drücke auf das Zirkuszelt, in dem die Tiere untergebracht sind. „Glücklicherweise haben wir durch viele Spenden Heu und Stroh und auch für die Tiere genug zu fressen.“ Dennoch würde es den beiden Dromedaren und fünf Ponys sowie den Kaninchen in einem festen Stall besser gehen. „Vor allen Dingen müssten wir keine Angst haben, dass der Schnee das Zelt zum Einsturz bringt.“

Den ganzen Tag kümmert sich die Zirkusfamilie darum, dass es den Tieren an nichts fehlt.

Sowieso sei die Unterhaltung der Tiere einer der teuersten Faktoren in der Misere. „Wir tun alles, damit es den Tieren gut geht“, sagt Frank, schließlich gehörten sie mit zur Familie.

Die Tierrechtsorganisation Peta habe ihm vorgeschlagen, die Tiere dauerhaft an Lebenshöfe, zoologische Einrichtungen oder geeignete Aufwandstationen abzugeben, um die Versorgung der Tiere sicherzustellen. „Aber was sollen wir denn machen ohne unsere Tiere? Zum einen gehören sie zu uns und wir würden alles dafür tun, dass es ihnen gut geht. Zum anderen verdienen wir natürlich mit den Tieren unseren Lebensunterhalt, wenn wir wieder Vorstellungen geben können.“

„Bis Ende des Monats ist die Stromrechnung fällig“

Harry Frank und seine Familie sind sehr dankbar für alle Spenden. Stroh, Möhren, Brot, Gasflaschen, Winterschuhe und vieles mehr kam von den hilfreichen Bürgern aus Lemförde und der Umgebung. „Aber von der Gemeindeverwaltung hat sich noch nie einer bei uns blicken lassen, geschweige denn einmal nachgefragt, wie es uns geht“, bedauert er.

Zwar könne er den Platz an der Unteren Bergstraße am Ortsausgang Lemfördes weiterhin von einem Privatmann kostenlos nutzen, aber es müssten trotzdem Rechnungen bezahlt werden. „Bis Ende des Monats ist die Stromrechnung fällig“, sagt er, sonst würde ihnen der Strom abgestellt werden. „Wir sind völlig unverschuldet in diese große Not geraten. Wir brauchen dringend Hilfe.“

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