Wolfsberater Dr. Marcel Holy referiert zum Thema „Wiederkehr des Wolfes“ vor 60 Zuhörern auf dem Schäferhof

Territorien vergrößern sich kontinuierlich

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Dr. Marcel Holy stellte anhand einer Karte dar, wie sich die Risse durch Wölfe in der Region verteilten.

Brauns-Bömermann - Von Simone. Dr. Marcel Holy, einer der ehrenamtlichen Wolfsberater im Landkreis Diepholz, ist dem Wildtier Wolf meist dicht auf den Fersen. Er ist nicht derjenige, „der mit dem Wolf tanzt“, aber er hat bei seinen vermehrt anstehenden Besuchen und Begutachtungen von Rissen bei Nutztieren viele nützliche Informationen zu dem Wolfmonitoring zusammengetragen.

Er referierte zu dem für den Landkreis neuen Themenkomplex „Wiederkehr des Wolfes“ und gleichzeitig einem Problemthema im alten Schafstall auf dem Schäferhof in Stemshorn.

Doch bevor der Wolf die Aufmerksamkeit der etwa 60 Gäste bekam, berichtete Gastgeber Michael Seel, Schäfer am Schäferhof, über seine Bedenken. „Wir wollen alle Schafe in der Landschaft sehen, sie dienen als Naturpfleger auf vier Beinen, produzieren ein hochwertiges Lebensmittel und tragen mit ihrer Wolle Samen weiter, leisten also ihren Beitrag zur Artenvielfalt.“ Dazu kämen die Deichbefestigung und die Reduzierung der Maulwurfspopulation.

Mit der Nachricht, dass der Wolf in den Landkreis zurückkehrte, forderten Schäfer Unterstützung von der Landesregierung. Doch die zugesagten Maßnahmen sind nach Meinung von Seel entweder zu teuer oder zu arbeitsintensiv. „Eine Einzäunung muss 30 Zentimeter in den Boden eingegraben werden. Wer soll das tun auf den gesamten Wechselflächen? Die Schutzhunde kosten bis zu 4000 Euro in der Anschaffung und mindestens 1000 Euro pro Jahr an Futter“, sagte der Schäfer. Zudem habe er sich mit Kollegen in der Lüneburger Heide abgestimmt und die Diskussionen ergaben, dass die Hunde in einer Tourismusregion auch eine Gefahr darstellen können. „Ich werde keine Schutzhunde anschaffen, die Verantwortung kann ich nicht übernehmen“, erklärte Seel. Die Situation der etwa 1000 Schäfereien in Deutschland mit nur zwölf Auszubildenden in Niedersachsen sei mehr als angespannt. Arbeitsspitzen, sinkende Preise von Wolle und Fleisch belasten die Schäfer.

Dr. Marcel Holy gab allgemeine Informationen zur Arbeit des Wolfsberaters: „Wir sind vom Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz ernannt, weisen eine einschlägige Vorbildung nach, erhalten eine kurze Schulung und eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 25 Euro bei Begutachtung von Wolfsrissen an Nutztieren.“ Das Hauptaugenmerk liege im Wolfmonitoring, in der Begutachtung von Nutztierrissen und die Beratung zu Herdenschutzmaßnahmen. Alle gesammelten Daten gehen weiter an Dr. Britta Habbe, Landesjägerschaft Niedersachsen.

Die Analyse der Beobachtungen seit Herbst vergangenen Jahres, als der Wolf im Landkreis zuerst gesichtet wurde, ergab die kontinuierliche Vergrößerung der Territorien der Tiere, mehr Beifang und mehr Nutztierrisse.

Das politische Ziel sei ein Reproduktionszustand von 1000 Tieren in Deutschland, es gab Ende 2014 etwa 300 Tiere. Ein Vergleich mit der Lüneburger Heide ergab 35 Übergriffe auf Nutztiere seit 2008, im Landkreis Diepholz 22 seit Herbst 2014. Das Monitoring zeige eine verstärkte Südost-Nordwest- Wanderung, von der Lausitz, über Bördelandschaften Richtung Nordsee.

Die Wölfe besetzen derzeit 38 Wolfsterritorien in Deutschland, in Niedersachsen zähle man acht Territorien, fünf Rudel, zwei Paare und ein Einzeltier.

Vor der Fragestunde mit Diskussion bat Holy um Unterstützung des Wolfmonitorings, um weitere hilfreiche Erkenntnisse zu gewinnen. Kritisch merkte er als Biologe an, dass die Politik verstärkt gefordert sei, Landschaftspflege, Weidehaltung von Nutztieren, Wildtierschutz und landwirtschaftliche Interessen besser zu koordinieren und Finanzmittel für etwaig notwendige Unterstützung realistisch zu gewährleisten.

„Wir sind nicht mehr so geschult bei Weidetierhaltung und Herdenschutz bedingt durch jahrelange Massentierhaltung“, äußerte er. Weiter zu klärende Punkte: Umgang mit Problemwölfen und zukünftiger Umgang.

Auf Kritik aus dem Publikum, er sei wolfsfreundlich, sagte Holy: „Bitte sprechen Sie die politischen Vertreter an, die entscheiden“.

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