Anlieger der Marissa-Baustelle beklagen Beeinträchtigungen und schlechte Kommunikation

„Wir werden nicht ernst genommen“

Die provisorische Brücke zum Dümmer-Deich im Marissa-Park ist aus Sicht von Michael Dependahl eine Zumutung. Sie sei zu eng, mit Brennnesseln zugewachsen und nicht barrierefrei, kritisiert er. Foto: Russ

Lembruch - Von Melanie Russ. Es herrscht Betriebsamkeit auf dem Gelände des Marissa-Ferienparks in Lembruch. Bagger, Lkw und Transporter externer Fachfirmen sind ständig auf der Baustelle unterwegs, insbesondere am Wochenende strömen potenzielle Käufer und die ersten Gäste herbei. Den Investor Wald und Welle freut das rege Treiben, einige Anwohner der angrenzenden Wochenendhaussiedlung sind weniger begeistert. Sie klagen über Staub, hohes Verkehrsaufkommen und einen eingeschränkten Zugang zum Dümmer-Deich.

Ein besonderer Dorn im Auge ist den Anwohnern die Baustraße, die zwischen den neuen Ferienhäusern und dem bestehenden Wohngebiet zum Deich führt und derzeit die Hauptverkehrsader bildet. Die Liste der Kritikpunkte ist lang: Bei Trockenheit lege sich Staub vom Schotterweg auf Autos und Gartenmöbel, Bauarbeiter und Besucher missachteten die Geschwindigkeitsbegrenzung von fünf km/h, die überhaupt erst auf Betreiben der Anwohner eingeführt worden sei, im Schotter befänden sich Metallgegenstände, aufgrund ungenügender Beschilderung verirrten sich Besucher ständig in die engen Straßen der Wochenendhaussiedlung, obwohl diese als Sackgassen ausgewiesen seien.

„Es wird null Rücksicht genommen“, beklagt Michael Dependahl, der aktuell mit seiner Familie viel Zeit am Dümmer verbringt. Wenn er über die Baustraße zum Deich gehe, habe er ständig Autos oder Baufahrzeuge im Rücken. Ein Ausweichen sei auf dem engen Weg kaum möglich.

Auch Hans-Joachim Meise ist verärgert. Das Wochenendhaus, das seine Familie schon seit 1960 besitzt, steht direkt an der Baustraße. Am Wochenende, wenn Besucher der Musterhäuser kämen, sei besonders viel los. Natürlich halte sich niemand an die fünf km/h, beklagt der Osnabrücker. „Die knallen hier nur so durch.“

Dependahl kritisiert zudem, dass Querstraßen gesperrt und kurzzeitig aufgerissen würden, ohne dass die Anwohner vorher darüber informiert würden. Die Straßen innerhalb des Baugebietes seien auch die Trassen der Versorgungsleitungen. Daher müsse hin und wieder eine kleine Baugrube am Rand der Baustraße geöffnet werden. Es sei aber immer eine Durchfahrt möglich, erklärt Erik Winther, Geschäftsführer von Wald und Welle, auf Nachfrage. Lemfördes Bauamtsleiter Lars Mentrup weist auf Nachfrage darauf hin, dass sich die betroffenen Straßen im Eigentum von Wald und Welle befinden.

Kritisch sehen Dependahl und Meise auch die provisorische Holzbrücke, die zum Deich führt. „Das Ding ist unzumutbar“, so Meise. Die sich lösende Teerpappe am Boden sei eine Gefahr, zudem ragten Brennnesseln in die Brücke, ergänzt Dependahl. Barrierefrei sei sie ebenso wenig wie der provisorische Deich am neuen Beachclub. „Die Leute stehen mit ihrem Rollstuhl oder ihren Rollerblades davor und kommen nicht weiter“, kritisiert er. Bauamtsleiter Mentrup springt dem Investor in diesem Punkt zur Seite: „Die provisorische Umfahrt auf dem Deich ist mit uns und dem Landkreis Diepholz abgesprochen und aus unserer Sicht auch erforderlich.“

Angelika und Axel Bossen, die seit 1981 in der Wochenendhaussiedlung wohnen, können ebenfalls ein Lied von den den Beeinträchtigungen durch die Baustelle singen. „Es stehen immer wieder Besucher auf unserem Grundstück und gehen ums Haus, weil sie denken das sei ein Musterhaus“, ärgert sich Angelika Bossen. Er habe inzwischen einen Rammschutz aus Metall an seiner Hecke installiert, weil die vielen Fahrzeuge sie sonst beschädigen würden, berichtet ihr Mann. Als nächstes folge ein Tor an der Grundstückszufahrt. „Beeinträchtigungen sind bei einer Baustelle normal, aber einiges wäre vermeidbar gewesen“, findet Axel Bossen.

Neben den ganz praktischen Einschränkungen kritisieren Dependahl und Meise auch den Umgang der Wald-und-Welle-Mitarbeiter mit den Anwohnern. „Wir werden nicht ernst genommen, wenn wir uns beschweren.“ Lob hat Meise dagegen für Lars Mentrup. „Er hört sich die Sorgen der Leute an und kümmert sich sehr schnell.“

Ein großer Ansturm an Beschwerden läuft in der Verwaltung indes nicht auf. „Es sind Einzelne, die sich beschweren“, erklärt der Bauamtsleiter auf Nachfrage. Den Eindruck einiger Anwohner, dass ihre Sorgen nicht ernst genommen werden, kann er nicht bestätigen. „Seitens der Verwaltung haben wir schon den Eindruck, dass sich Wald und Welle kümmert. In meinen Augen hat sich durchaus etwas verbessert. Dafür, dass es eine so große Baustelle ist, läuft es human ab“, findet Mentrup.

Wald-und-Welle-Geschäftsführer Erik Winther möchte die Kritik nicht so stehen lassen. „Wir bemühen uns ständig, mit den anliegenden Eigentümern im direkten Kontakt zu bleiben, und versuchen, alle an uns herangetragenen Wünsche oder Anregungen umzusetzen“, erklärt er auf Nachfrage.

Er betont, „dass die Baustraße eben nur ein Provisorium ist und nach dem Bau des nächsten Bauabschnittes noch mit einer anderen Oberfläche hergestellt wird“. In den letzten trockenen Monaten seien die Straßen innerhalb der Baustelle täglich mit Wasser besprengt worden.

„Dass unsere Bauarbeiter rücksichtslos im Straßenverkehr mit den Anliegen und Besuchern umgehen, kann ich ebenfalls nicht bestätigen“, so Winther. „Wir haben für geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen gesorgt und achten auch bei jeder Begehung auf die Verhaltensweise der Baustellenfahrzeuge.“

Wenn sich Besucher in die Siedlungen verirrten, sei das nicht unbedingt der Baustelle geschuldet. Aber „wir werden versuchen, durch noch mehr Hinweisschilder zumindest die versehentlich einfahrenden Besucherzahlen zu reduzieren“, verspricht Winther..

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