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Deutscher Wetterdienst sucht neuen „Wetterfrosch“ in Brockum

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Von: Melanie Russ

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Für eine Wetterstation wie diese zur Messung von Niederschlag sucht der Deutsche Wetterdienst in Brockum einen neuen Betreuer.
Für eine Wetterstation wie diese zur Messung von Niederschlag sucht der Deutsche Wetterdienst in Brockum einen neuen Betreuer. © DWD

Der Deutsche Wetterdienst sucht für seinen nebenamtliche Wetterstation in Brockum einen neuen Beobachter, nachdem der bisherige die Aufgabe abgegeben hat.

Brockum – Für Langschläfer ist der Job nichts. An jedem Morgen Punkt 6.50 Uhr (während der Sommerzeit 7.50 Uhr) müssen ehrenamtliche „Wetterfrösche“ raus und Niederschlag und gegebenenfalls die Schneehöhe messen. Volker Langer hat das seit 2009 gemacht. Im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes (DWD) betreute er eine Wetterstation in Brockum. Weil er die Aufgabe zum 31. Dezember aufgab, sucht der DWD möglichst zeitnah einen ehrenamtlichen Beobachter in Brockum oder der näheren Umgebung in einem Umkreis von fünf Kilometern, der die Arbeit von Volker Langer weiterführt.

„Ich habe es immer gerne gemacht“, sagt Volker Langer. Seine berufliche Situation habe sich aber so verändert, dass er die Messungen nicht mehr pünktlich vornehmen könne. Die pünktliche Messung ist laut dem Brockumer die einzige Herausforderung. „Grundsätzlich ist es nicht so aufwendig.“

Der DWD beschreibt die Aufgaben des Beobachters an einer Wetterstation so: täglich um 6.50 Uhr (während der Sommerzeit um 7.50 Uhr) die Niederschlagsmenge, die Höhe einer eventuell vorhandenen Schneedecke und den Zuwachs der Schneedecke messen sowie die Niederschlagsart und den Schneebedeckungsgrad bestimmen. Sei das Wasser im Winter gefroren, müsse man es vor der Messung auftauen, ergänzt Volker Langer.

Die Daten müssen täglich bis 8.15 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (Sommerzeit 9.15 Uhr) über einen privaten PC, Tablet oder Smartphone an den DWD übermittelt werden. Das sei über ein einfaches Programm schnell gemacht, so Langer.

Im Falle einer Abwesenheit über mehrere Tage, zum Beispiel Urlaub oder Krankheit, sei es wichtig, dass eine Vertretung die Aufgaben wahrnehmen könne, so der DWD. „Wir wünschen uns eine langjährige Zusammenarbeit, um langjährige Messreihen zu erhalten oder bestehende langfristig zu sichern.“ Laut Erwin Lachmann vom DWD wird in Brockum schon seit dem 1. Oktober 1896 gemessen – also fast seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. „Das ist eine lange Zeit. Darum wäre es schön, wenn die Messreihe fortgeführt werden könnte“, so Lachmann.

Der DWD zahlt seinen ehrenamtlichen Beobachtern eine jährliche Aufwandsentschädigung von 760 Euro. Die notwendigen Messgeräte und Unterlagen stellt er zur Verfügung.

Für die Aufstellung der Messgeräte wird ein freies Gelände benötigt. Der DWD nennt als Beispiel die fachliche Vorgabe für die Messung von Niederschlägen: Aufstellungsplatz des Messgerätes – doppelte Entfernung zu der Höhe von Hindernissen wie Häuser oder Bäume im vollen Umkreis. Der Beobachter muss über einen Internetanschluss und ein internetfähiges Gerät zur Eingabe der Messungen verfügen.

Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes

Der Deutsche Wetterdienst betreibt in Deutschland nach eigenen Angaben ein Netz von mehr als 2000 Stationen, davon rund 1200 nebenamtliche. Für das flächendeckende Messnetz der nebenamtlichen Wetter- und Messstationen sucht die Bundesbehörde wetterbegeisterte Bürgerinnen oder Bürger, die ehrenamtlich zur Wetter- und Klimaüberwachung beitragen möchten. Die vor Ort erzeugten meteorologischen Daten werden vom nationalen Wetterdienst zum Beispiel für die Wettervorhersage oder Gutachten bei Wetterschäden genutzt. Sie helfen aber auch, die Klimaveränderung in Deutschland genau zu erfassen und deren Folgen besser einschätzen zu können.

Volker Langer kam 2009 eher zufällig an die Messstation. Bis dahin habe sie sich auf dem Gelände von BASF befunden, dort aufgrund betrieblicher Veränderung aber nicht mehr bleiben können. Weil er an der Ablesung der Messdaten beteiligt gewesen sei, habe er sich bereit erklärt, die Messungen privat weiterzuführen, berichtet der Brockumer.

Die meteorologischen Daten der eigenen Station können die ehrenamtlichen Beobachter über eine Internetanwendung einsehen. Wenn Volker Langer auf seine Messungen zurückblickt, dann fällt ihm zum einen auf, dass in den vergangenen Jahren wesentlich weniger Schnee gefallen ist, als in den Anfangsjahren. „Und es gibt eine höhere Tendenz zu Starkregenereignissen.“ Zum Teil habe er 30 bis 60 Liter pro Tag gemessen. Generell gebe es mehr Regentage als früher, und die Temperaturen seien höher.

Das deckt sich mit überregionalen Beobachtungen. Laut Erwin Lachmann vom Deutschen Wetterdienst haben Starkniederschläge ebenso wie Trockenperioden zugenommen, weil die Höhenwinde abnehmen und sich die Großwetterlagen dadurch nicht mehr so schnell ändern wie früher.

Kontakt: Wer Interesse hat, die Messstation in Brockum zu betreuen, kann sich direkt bei Erwin Lachmann bei der Regionalen Messnetzgruppe Hamburg des Deutschen Wetterdienstes bewerben. Tel. 069/80626737, E-Mail: erwin.lachmann@dwd.de

Von Melanie Russ

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