„Größtes Klimaschutzprojekt am Dümmer“

Westwind Energy erklärt Hintergründe für geplanten Windpark im Brockumer Fladder

Die Firma Westwind Energy hat In diesem Jahr zwei große Projekte realisiert: den Windpark Albringhausen/Bassum
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Die Firma Westwind Energy hat In diesem Jahr zwei große Projekte realisiert: den Windpark Albringhausen/Bassum

Die Firma Westwind Energy mit Sitz in Krichdorf plant einen Windpark im Brockumer Fladder und sieht ihn als „größtes Klimaschutzprojekt am Dümmer“. Ob er tatsächlich realisierbar ist, muss sich allerdings noch zeigen.

Brockum – Die Firma Westwind Energy mit Sitz in Kirchdorf möchte 21 Windenergieanlagen im Brockumer Fladder errichten. Eine Bauvoranfrage für die Anlagen mit einer Nennleistung von je 6,5 Megawatt hat das Unternehmen im September beim Landkreis Diepholz gestellt, um die planungsrechtliche Zulässigkeit zu prüfen.

Dass es Potenzial für einen Windpark in der Gemeinde Brockum gibt, ist laut Projektleiter Gerrit Bokelmann nicht neu. Unter den Festsetzungen des aktuellen Flächennutzungsplans der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ ist eine Realisierung jedoch nicht möglich. Das Unternehmen hofft nun darauf, dass sich das im Rahmen des im März angeschobenen Änderungsverfahrens zur Ausweisung von Sondergebieten für Windenergie ändert. Er verweist darauf, dass die aktuellen Regelungen bezüglich Windenergie seit knapp 17 Jahren bestehen. In dieser Zeit habe sich beim Thema Windenenergie und Energiewende einiges getan.

Westwind Energy: Alle Voraussetzungen für einen Windpark in Brockum gegeben

Nach Einschätzung des Unternehmens sind im Brockumer Fladder alle Voraussetzungen für einen Windpark gegeben. „Es handelt sich um eine große zusammenhängende Fläche, auf der intensive Landwirtschaft betrieben wird, und wir befinden uns im nahezu größtmöglichen Abstand innerhalb der Samtgemeinde zum Dümmer See“, erklärt Bokelmann auf Nachfrage.

„Neben den sehr guten Windbedingungen durch den in Hauptwindrichtung davor liegenden Dümmer und der großen zusammenhängenden Gebietskulisse ist der Brockumer Fladder für die Windenergie sehr gut geeignet“, begründet Bokelmann die Standortwahl. Auch die Infrastruktur sei ideal. Das Wegenetz werde für die spätere Anlieferung der Großkomponenten ausgebaut und die Hochspannungstrasse für den Anschluss der Windenergieanlagen sei nicht weit entfernt. „Darüber hinaus ist im Zuge der Wasserstoffstrategie mit der Nähe zum Ferngasnetz ein nicht unerheblicher Teil für die Zukunft der erneuerbaren Speichertechnologie bereits geebnet“, so Bokelmann.

Mit einer geplanten Nennleistung von mehr als 130 MW würde der Windpark beispielsweise die Leistung des Steinkohlekraftwerks Stöcken/Hannover (300 MW) zur Hälfte ersetzen, rechnet der Projektleiter vor. Mit einer gesamten grünen Stromproduktion von circa 400 Millionen Kilowattstunden würden jährlich rund 265 000 Tonnen CO2 vermieden. „Damit wäre es das größte Klimaschutzprojekt der Dümmerregion“, erklärt der Projektleiter.

Westwind Energy will Bürger an Windpark beteiligen

Mit den Grundstückseigentümern steht Westwind Energy laut Gerrit Bokelmann schon seit Herbst 2018 im engen Kontakt. Am 5. August dieses Jahres seien die konkreten Planungen dem Gemeinderat Brockum vorgestellt worden. Seit Juli laufe bereits eine umfangreiche Begutachtung der Rast- und Zugvögel, im März kommenden Jahres beginne die Untersuchung der Brutvögel.

Kommt es zur Realisierung des Windparks, sollen auch die Menschen vor Ort profitieren. „Die Bundesregierung möchte die Kommunen, in denen Windenergieprojekte umgesetzt werden, zukünftig beteiligen“, erklärt Bokelmann. Die sogenannte „Akzeptanzabgabe“ sei im Gesetzesentwurf der EEG-Novelle verankert, der in den kommenden Wochen verabschiedet und zu Jahresbeginn in Kraft treten solle.

„Darüber hinaus werden wir den Bürgern eine Beteiligung in Form eines Sparbriefs anbieten, welchen wir üblicherweise mit der finanzierenden lokalen Bank aufsetzen“, so Bokelmann. Der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag habe man zudem ein Modell vorgestellt, wonach direkte Anwohner eines Windparks eine direkte Stromsteuer- und Umlagebefreiung auf ihre Stromrechnung erhalten.

Westwind: In Brockum ideale Voraussetzung für Nutzung von Wasserstoff-Technologie

Die Bundesrepublik hat sich das Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu sein. „Daher müssen wir die Energiewende nicht nur als Stromwende verstehen, sondern auch die Wende in den Sektoren Mobilität, Wärme und Industrie vorantreiben. Wasserstoff nimmt hierbei eine Schlüsseltechnologie ein“, erklärt Gerrit Bokelmann, Projektleiter bei Westwind Energy.

Der Landkreis Diepholz stelle einen Knotenpunkt im europäischen Gasnetz dar. „Elf Fernleitungsnetzbetreiber aus neun EU-Staaten haben in diesem Sommer ein Konzept für eine reine Wasserstofftransport-Infrastruktur vorgestellt. Dabei wurde auch das Gasnetz in der Region Diepholz als mögliche Wasserstofftransport-Infrastruktur dargestellt“, so Bokelmann.

Der geplante Windpark habe beste Voraussetzungen, um eine tragende Rolle beim Ausbau einer Wasserstoffwirtschaft in der Region zu übernehmen, sagt er mit Blick auf die 380-kV- und 110-kV-Hochspannungsleitungen und die Erdgasfernleitung von Stemwede nach Rehden, die in unmittelbarer Nähe verlaufen.

In Zeiten von Netzengpässen könnte der überschüssige Windstrom, der sonst abgeriegelt werden würde, mittels Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt werden, erklärt Bokelmann. Neben der Einspeisung in das Ferngasnetz könnte der Wasserstoff für Mobilitätsanwendungen, für industrielle Abnehmer und zukünftig für die Nutzung von Brennstoffzellenheizung in Wohnhäusern verwendet werden.

Projektskizzen für das Vorhaben existieren laut Bokelmann bereits, man wolle aber zunächst die Flächennutzungsplanaufstellung der Samtgemeinde abwarten.

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