Matthias Johannmeier im Einsatz

„Wenn die Orgel jammert...“

Mit Fingerspitzengefühl justiert Matthias Johannmeier die Mechanik der Orgel ein. - Foto: Mühlke

Lemförde - Von Heidrun Mühlke. Die Orgel in der katholischen Kirche „Zu den heiligen Engeln“ im Herzen Lemfördes ist nicht nur ein richtiger Hingucker, sondern auch das wichtigste Instrument im Gotteshaus. Wenn der Klang nicht mehr perfekt ist, muss daran gearbeitet werden. Darum wird die kostbare Orgel derzeit generalüberholt.

„Die Orgel wurde 1990 gebaut. Sie stammt aus Kupfermühle bei Hamburg“, weiß Orgelbauer Matthias Johannmeier. Alle 15 bis 20 Jahre sollte eine Orgel überholt werden, da sich im Laufe der Jahre jede Menge Verunreinigungen in dem Instrument ansammeln. Reichlich Staub war auch in dieser Orgel zu finden. „Aber die Orgel ist in einem sehr guten Zustand – keine Spur von Schimmel“, freute sich der Fachmann.

Er habe das Kunstleder an den Spundklappen gegen Filz und Leder und die Bleischeiben innerhalb der Mechanik gegen Edelstahlscheiben ausgetauscht. Immer wieder sei er überrascht gewesen, dass in dem Instrument keinerlei Feuchtigkeit zu finden war. Besonders für das verwendete unbehandelte Eichenholz sei die trockene Luft in der Kirche von Vorteil. „Das Holz muss man wie ein rohes Ei behandeln“, erklärt Johannmeier und streift sich die Arbeitshandschuhe über, weil Schweiß von den Händen sofort in das Holz eindringen würde.

Vor rund zwei Jahren habe er bei einem Orgelkonzert zugunsten des Hospiz Lemförde festgestellt, dass die Orgel verstimmt sei. „Sie pfiff sozusagen aus dem letzten Loch“, schmunzelt der Orgelbauer. „So wie die Orgel jammerte, musste etwas geschehen!“ Damit ist Johannmeier jetzt beschäftigt. Drei Wochen lang wird die Orgel generalüberholt. „Eine Woche benötigten wir für den Auseinanderbau, eine Woche lang werden die Einzelteile überarbeitet, in der letzten Woche wird die Orgel wieder zusammengebaut“, erklärt der Experte. Das gesamte Pfeifenwerk sowie alle 844 Metall- und Holzpfeifen baute er aus, reinigte sie und besserte defekte Pfeifen aus. Gereinigt wurden auch andere Orgelteile, wie Manuale, Pedale oder Windladen. Unterstützung bei seiner Arbeit bekam Johannmeier von seinem Vater Rainer Johannmeier und am Girls-Day von zwei Schülerinnen aus Halle/Westfalen, die der befreundete Chorleiter Martin Rieker, ebenfalls aus Halle, vermittelt hatte. Am Ende werde der Orgelsachverständige des Bistums Osnabrück, Professor Franz-Josef Rahe das Instrument überprüfen und abnehmen.

Jede Orgel sei ein Unikat und einmalig auf die jeweilige Kirche abgestimmt. Für eine neue Orgel in dieser Art müsse man heute etwa 250  000 Euro bezahlen. „Diese Orgel ist etwas ganz Besonderes“, weiß der Orgelbauer den wertvollen Klangkörper zu schätzen. Da lohne sich die Überholung. Die Kosten dafür würden sich bei dieser Orgel noch im vierstelligen Bereich befinden, bei größeren Orgeln belaufen sich die Kosten für eine Überholung durchaus im fünfstelligen Bereich.

Rendant Max Sorge bezifferte die Kosten für die Generalüberholung auf etwa 8 000 Euro, die die Kirchengemeinde aufbringen müsse. „Wir hoffen auch auf einen Zuschuss des Bistums Osnabrück“, so Sorge. Dankbar sei die Kirchengemeinde außerdem für jede Spende.

Bis zum 7. Mai sollen die Renovierungsarbeiten beendet sein, dann soll das königliche Instrument in all seinen Klangfarben wieder im Gottesdienst für musikalische Begeisterung sorgen.

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