Geländerollstuhl „Zoom“ des Naturparks Dümmer ermöglicht besondere Naturerlebnisse

Wendiger Flitzer für schwieriges Terrain

Thorsten Sander ist vom Geländerollstuhl begeistert. Damit können auch unwegsame Ecken des Naturparks Dümmer erkundet werden. Foto: Russ

Hüde - Von Melanie Russ. Eine kleine Drehung des Handgelenks und schon saust Thorsten Sander – begleitet von einem leisen Surren – über den Hüder Dümmerdeich. Flotte 15 Kilometer pro Stunde schafft der Geländerollstuhl „Zoom“, den der Naturpark Dümmer nun schon in der zweiten Saison zur Verfügung stellt. Sander fährt den Deich herunter, dreht eine Runde auf dem weißen Sandstrand, kurvt durch die Rollstuhlzufahrt am Abenteuergolfplatz und gelangt über das Gras zurück zum Deich. Dank des Allradantriebs alles kein Problem.

An diesem Montagvormittag kann Sander die Höchstgeschwindigkeit problemlos ausschöpfen, denn bei Temperaturen knapp über null Grad sind Deich und Strand verwaist und er muss auf niemanden Rücksicht nehmen. Aber um Geschwindigkeit geht es beim Geländerollstuhl eigentlich nicht. Der „Zoom“ soll Menschen mit Beeinträchtigungen die Möglichkeit geben, die Natur hautnah zu erleben. Dabei ist der Rollstuhl mehr als nur ein nützliches Hilfsmittel. Er ist ein richtig cooles Gerät, mit dem zu fahren, großen Spaß macht. Das breite Grinsen auf dem Gesicht von Thorsten Sander lässt daran keinen Zweifel.

Der beim Landkreis Diepholz beschäftigte Sander ist selbst auf einen Rollstuhl angewiesen, der Geländerollstuhl ist aber ausdrücklich nicht nur für Menschen mit Behinderungen gedacht. Auch wer „nicht gut zu Fuß“ ist – sei es aus Altersgründen, nach einem Beinbruch, einer Operation oder ähnlichem – kann ihn nutzen.

„Man kommt damit in Bereiche, in die man sonst nicht kommt“, beschreibt Sander einen der wesentlichen Vorteile. „Zu Aussichtspunkten gelangt man zum Beispiel oft nur über Wiesen.“ Mit dem „Zoom“ sei das kein Problem. Nur Wasser ist für ihn tabu, denn das würde der Elektronik schaden. Auch auf den steilen Wegen des Stemweder Bergs oder im Moor macht der Geländerollstuhl seinem Namen alle Ehre.

Die Reichweite des „Zoom“ beträgt laut Heidrun Nolte, beim Naturpark für das Projekt „Schaffung barrierefreier Naturerlebnisse“ zuständig, etwa 30 Kilometer. Damit eignet er sich auch für Fahrradtouren. „Wenn beispielsweise jemand nach einem Schlaganfall nicht mehr Fahrrad fahren kann, der Partner aber noch mobil ist, dann kann der Zoom das ein bisschen ausgleichen“, erläutert Sander.

Der Rollstuhl verfügt über Drei-Gang-Schaltung, Tempomat, USB-Anschluss und Halterung für Gehstock oder Krücken. Dank seiner kompakten Größe und einem Gewicht von etwa 100 Kilo kann er problemlos im Auto transportiert werden. Auch der Besuch eines Restaurants ist damit laut Nolte möglich.

„Die Bedienung ist sehr intuitiv, ähnlich wie bei einem Roller“, erklärt Sander. Die etwa 15-minütige Einweisung für Neulinge übernehmen die Aktiven des Hüder Dorfvereins, in dessen Remise am Dorfplatz der Geländerollstuhl untergebracht ist. Dafür wurde extra ein kleiner Anbau errichtet. „Das Gefühl fürs Gasgeben bekommt man sehr schnell“, so Sander. Bruno Matzke aus dem Vereinsvorstand bestätigt das. Eine kleine Runde über den Dorfplatz genüge, um mit dem Gerät zurechtzukommen.

Die Rückmeldungen der Nutzer, die am Dümmer oder auch im Stemweder Berg unterwegs waren, sind laut Matzke durchweg positiv. „Das ist ein Riesenerlebnis für die Menschen.“ Wer den „Zoom“ nutzen möchte, muss eigentlich nur zwei Voraussetzungen erfüllen: Er muss beide Arme bewegen können, um Gas und Bremse zu bedienen, und er darf nicht blind sein. Darum hätten bereits ein paar Anfragen von Menschen mit halbseitiger Lähmung abgelehnt werden müssen, berichtet Matzke. Den Geländerollstuhl mit nur einer Hand zu bedienen, sei schwierig und zu gefährlich. Ein offizielles Mindestalter gibt es nicht, etwa zehn Jahre alt sollten Kinder laut Nolte aber schon sein.

Der „Zoom“ ist einer von mehreren Bausteinen, der aus dem Programm „Schaffung barrierefreier Naturerlebnisse“ finanziert wurde. Seinen Wert beziffert Nolte mit rund 20 000 Euro. Weitere Angebote sind unter anderem barrierefreie Routen, Beobachtungsstände und Materialien zur Umweltbildung in leichter Sprache. „Wir sind der einzige Naturpark in Niedersachsen, der die Barrierefreiheit so umfassend behandelt“, sagt Nolte nicht ohne Stolz.

Buchung

Der Geländerollstuhl ist ganzjährig – auch während der derzeitigen Corona-Pandemie – ausleihbar. Touristinfo Dümmer-See, Tel. 05447/242, E-Mail: tid@dummer.de. Kosten: halber Tag 15 Euro, ganzer Tag 25 Euro, eine Woche 140 Euro.

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