Carole George aus Kalifornien

Weltenbummlerin in Stemshorn

Carole George ist bereits weit gereist. J Foto: Bechtel

Stemshorn - Von Christa Bechtel. „Das ist meine Familie“, sagt Carole Chelsea George aus Santa Cruz in Kalifornien mit leuchtenden Augen und schaut dabei liebevoll Irmgard Droop an, die sie seit den 1970er Jahren nur „Mutti“ nennt. Als Heinrich Droop noch lebte wurde er ebenfalls von ihr „Papa“ genannt und Christine, die Tochter im Hause Droop, ist für sie zur Schwester geworden.

Zurzeit ist die Globetrotterin à la Jules Verne in 80 Tagen um die Welt unterwegs. Natürlich machte sie auch für drei Tage Station in Stemshorn. Denn hier begann alles! 1974 kam Carole im Rahmen des Programms „Youth For Understanding“ als 17-jährige Austauschschülerin zu Familie Droop nach Stemshorn. „Christine war schon 18, aber ich hatte den Führerschein, sie nicht. Droops haben nur eine Tochter, doch nun hatten sie zwei“, erzählt sie schmunzelnd. In Kalifornien hatte sie bereits drei Jahre Deutsch gelernt. Irmgard Droop intensivierte das Ganze dann.

„Hat mein Leben total verändert“

„Dieser Aufenthalt hat mein Leben total verändert. Ich bin einziges Kind und wir haben keine große Familie. Nun war ich hier auf dem Land und alles war neu für mich“, schildert sie schwärmerisch. Christine habe damals eine große Clique gehabt, „sodass wir oft in Diskos oder zu Freunden unterwegs waren. Aber mit Mutti habe ich ganz viel gelernt“, betont die Amerikanerin, die in Dielingen sogar mit Marianne Eckermann Tennis lernte. „Meine Oma war eine gute Tennisspielerin. Doch ich habe einen anderen Sport – Racquetball“, erklärt sie. In dieser Ballsportart, die sowohl mit Tennis als auch Squash verwandt ist, ist sie sogar als Coach tätig.

Nachdem sie 1974 das erste Mal in Stemshorn war, riss der Kontakt zu Familie Droop nie ab. Viele Briefe wurden geschrieben – inzwischen hatte Carole den Beruf der Spanischlehrerin gewählt – und 1986 kam sie mit ihrer Oma erneut in die kleine Gemeinde am Fuß des Stemweder Berges. 1989 brachte sie einen Mexikaner mit und 2005 ihre siebenjährige Tochter, die zwei Jahre später an Krebs verstarb. Zuletzt weilte sie 2010 und 2014 bei Droops. Denn Carole George reist einfach gerne.

Sieben Monate war sie in diesem Jahr auf den Philippinen. „Weil ich dort eine Nichte im Kinderheim habe, der ich gerne helfen möchte.“ Ihre Reise in 80 Tagen um die Welt begann sie am 16. September bei heißen Temperaturen von San Francisco nach Manila. Am 5. Dezember möchte sie wieder Zuhause sein. „Damit ich Weihnachten mit meinen amerikanischen Eltern feiern kann“, meint sie lachend. Erste Station war China; von dort fuhr und wanderte sie weiter in die Mongolei nach Sibirien, Russland, Finnland, Estland, Lettland, Litauen nach Danzig in Polen und dann nach Deutschland.

„Deutschland ist keine Reise, denn ich besuche Familie und Freunde“, hebt die 59-Jährige hervor, deren große Leidenschaft das Fotografieren ist.

Wie finanziert sie ihre Reisen? „Ich vermiete Wohnungen und Zimmer, denn ich wohne in der Nähe vom Strand und der Universität. Dort sind die Mieten sehr hoch“, definiert Carole, die sehr billig reist. „Dritter Klasse im Zug wenn ich kann – oder zweite wenn ich muss.“ Übernachtet wird in Jugendherbergen oder bei Freunden und Familie. „Ich laufe gerne“, unterstreicht die Weltenbummlerin, die inzwischen 78 Länder kennt, immer mit Rucksack und leichtem Gepäck unterwegs. Durch ihre Reise in 80 Tagen um die Welt hat sie sieben neue Länder kennengelernt.

„Ich möchte 100 Länder sehen“

„China, Russland und die Mongolei waren äußerst interessant. Ich habe zum Beispiel die Chinesische Mauer, die Verbotene Stadt oder in Moskau den Roten Platz erblickt. Alles so berühmt – und ich habe es gesehen“, zeigt sie sich immer noch begeistert von den tiefen und nachhaltigen Eindrücken.

Was sind ihre zukünftigen Reisepläne? „Zuerst Hawaii mit Christine und dann Afrika. Ich möchte 100 Länder sehen und ich glaube, das ist möglich“, sagt sie mit geradezu ansteckender Begeisterung.

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