Lehrerin geht in Ruhestand

Abschied von Irmhild Köster: „Du warst immer mittendrin“

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„Gut behütet“ wurde Irmhild Köster (l.) von Beate Gondek, Leiterin der Grundschule Lemförde, in den Ruhestand entlassen. Köster war 44 Jahre im Schuldienst. 

Lemförde - „Lebendige Erinnerungen unter einem Hut“, nannte es Schulleiterin der Grundschule Lemförde Beate Gondek mit Inspiration von Herman van Veen. Sie dachte: „Das ist es, so kann ich Irmhild Köster gebührend in den Ruhestand verabschieden.“ Doch die Realität holte die Frau, die an der Grundschule den Hut aufhat, schnell ein: „Alle Erinnerungen an dich bekomme ich niemals unter einen Hut.“

Aber wie es bei Vollbeschäftigung und Führungsposition mal passiert, hatte Beate Gondek statt der sechs geplanten, zwölf Styroporköpfe für die Hüte bestellt. Die Kopfbedeckungen fielen so unterschiedlich aus, wie die Lebens- und Berufssituationen von Irmhild Köster aus Venne. Das Lehrerzimmer platzte fast aus allen Nähten zur offiziellen Verabschiedung der beliebten Lehrerin, die für vieles zuständig war, aber immer mit ihrem musikalischen Wesen auffiel. Und so war es nicht verwunderlich, dass Hut Numero zwölf der „Reste-Hut“ wurde, denn auch die ersten elf reichten im Endeffekt nicht aus, aus dem vielfältigen Wirken von Lehrerin Köster zu berichten. „Der Reste-Hut fasst alles, was ich jetzt nicht erwähnt habe“, beschrieb es Gondek.

44 Jahre im Schuldienst

Irmhild Köster hatte 44 offizielle Dienstjahre hinter sich und die Kollegen waren sich einig: „Das kann nur funktionieren, wenn man in dem Beruf, den man ausübt, Freude hat.“ Irmhild Köster hatte nach dem Studium an der Pädagogischen Hochschule in Osnabrück in den Fächern Englisch, evangelische Religion und Biologie für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen 1974 das erste Staatsexamen abgelegt und von 1974 bis 1976 ihre Junglehrerzeit an der Jahnschule in Diepholz und an der Grund- und Hauptschule in Lemförde absolviert.

Es folgte das zweite Staatsexamen, die erste Stelle in Lemförde und 1982 die Realschullehrerprüfung in Englisch und Religion. „Du wolltest immer an die Realschule, bliebst aber an der Grundschule, zum Vorteil aller“, so Gondek. Schließlich war Köster bis 2001 an der Grundschul-Außenstelle in Brockum tätig und wechselte mit Beate Gondek nach Lemförde. „Mir fällt es schwer, dich zu verabschieden, denn wir sind seit 22 Jahren Kollegen und zu Freundinnen geworden.“

Unter den zwölf Hüten verbargen sich Spezifika von Köster: Der Deutschlandhut war dem Lehrplanbedarf geschuldet, da unterrichtete sie Deutsch. Der Musik-Hut als Steckenpferd der Musikfrau durch und durch. Die Handwerker- und Handarbeitshüte, die ihr Geschick, aber auch Geduld demonstrierten. Der Theater-Hut als Beschreibung einer Leidenschaft und Afrika- und Religionshut lagen kausal eng beieinander. „Du brauchst auch unbedingt den Fortbildungs- und Ausbildungshut“, so Gondek, denn Köster war von diesen Weiterbildungen infiziert, ein langes Schulleben lang. Die Freude mit Kindern demonstrierte der Pädagogik-Hut als wichtiger Hut. Den Kollegiums-, Mama-, Oma-Hut nahm Köster mit nach Hause. Er zeigte deutlich: „Du warst immer mittendrin.“

„Ich werde mein Leben lang weiterlernen“

Mit Tränen in den Augen, aber viel zu sehr Profi auf der Lehrerbühne, erläuterte Köster den Kollegen: „Ich rede gern und viel, aber heute nicht.“ Sie hatte Bücher dabei, die ihre Gefühle treffend formulierten. Der dicke Stein, den man bei Astrid Lindgren findet, der keine Angst mehr macht, wenn er blau angemalt ist, die Verantwortung aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry und die Sorge aus dem Buch „Ein Meer für Sarah“, dessen Fazit ist: Etwas vermisst man immer, egal wo man ist, was man tut. Dann formulierte sie noch, was sie immer sein wollte: „Ich möchte nichts anderes sein als Lehrerin.“ Gerne hätte sie jedoch jetzt nicht mehr den Zeit- und Leistungsdruck. „Ich werde mein Leben lang weiterlernen nach dem Motto: Lehre nicht, ein Boot zu bauen, sondern erwecke die Sehnsucht nach dem Meer.“ Von den Kollegen bekam sie ein wunderschönes Ständchen mit imitierter Mireille Mathieu – „Irmhild Köster, adieu“ – und eine Notenschlange. „Einzeln sind wir nur Noten, aber zusammen sind wir eine Melodie“, der Kommentar der Kollegen.

Im August wird die vielseitige Lehrerin noch mit auf Klassenfahrt gehen und dann ihre Tage ruhiger gestalten. Kösters Abschlussklasse war die 4c und darüber freute sie sich sehr: „Zum Abschluss nicht so eine schräge Klasse, das wünscht man sich.“ 

sbb

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