Bodenhaltung statt Freilandhaltung

Vogelgrippe: Landwirt Wilhelm Jacob aus Hüde kritisiert Bürokratie in der Legehennenhaltung

Alice und Wilhelm Jacob jun. stehen im „Wintergarten“ vor einem Legehennen-Stall.
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Ein Platz an der Sonne: Die Legehennen von Alice und Wilhelm Jacob jun. bekommen derzeit nur im „Wintergarten“ des Stalls frische Luft. Das genügt nicht, um ihre Eier als Freilandhaltung zu deklarieren.

Weil Wilhelm Jacobs Legehennen wegen des Aufstallungsgebots des Landkreises Diepholz seit mehr als 16 Wochen im Stall leben, darf der Hüder ihre Eier nicht mehr als Freilandhaltung deklarieren. Das bedeutet mehr Kosten und mehr Aufwand.

Hüde – Die gefiederten Damen sitzen aufgereiht hinter dem Zaun ihrer überdachten und mit Stroh ausgelegten Sonnenterrasse, gackern munter durcheinander und scheinen die warme Morgensonne zu genießen. Noch lieber würden sie wahrscheinlich im Gras der benachbarten Freifläche picken oder in der schwarzen Erde scharren. Doch das bleibt ihnen noch mindestens bis zum 15. April verwehrt. So lange gilt das Aufstallungsgebot des Landkreises Diepholz, das eine Ausbreitung der Vogelgrippe verhindern soll.

Für Wilhelm Jacob jun., der gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Frau die Hofkäserei Jacob in Hüde betreibt, bedeutet die Aufstallung mehr Aufwand und mehr Kosten, die aus seiner Sicht nicht nötig wären, wenn der Gesetzgeber eine etwas großzügigere Regelung finden würde.

Bislang verkaufte Jacob die Produkte seiner etwa 8.500 Legehennen als Eier aus Freilandhaltung. Da die Hühner inzwischen aber seit mehr als 16 Wochen im Stall leben, darf er das nicht mehr. Die Eier müssen nun als aus Bodenhaltung stammend verkauft werden.

Auf ihren Preis hat das laut Wilhelm Jacob keine Auswirkungen, aber das gesamte Verpackungsmaterial muss umdeklariert werden. Bei etwa 7 .000 Eiern pro Tag kommt da einiges zusammen. „Für einen kleinen Legehennenhalter ist das schwer umzustellen. Alle unsere Verpackungen sind auf Freilandhaltung ausgelegt“, erklärt Jacob, der auf seinem Hof eine eigene Packstelle betreibt. Große Halter hätten meistens alle Haltungsformen und seien viel flexibler.

Auf der großen Wiese herrscht seit Monaten Stille. Hier hat jede Legehenne sechs Quadratmeter Platz.

Bei der letzten längeren Aufstallungspflicht im Jahr 2017 hatte die Familie die Verpackungen selbst umgeklebt – ein Riesenaufwand, den sie sich nun ersparen wollte. „In diesem Jahr haben wir eine Kooperation mit den Delme-Werkstätten in Diepholz geschlossen“, berichtet Jacob. „Das ist eine sehr gute und unkomplizierte Zusammenarbeit.“ 30.000 Verpackungen etikettieren die Mitarbeiter der „Werkstatt für behinderte Menschen“ in Diepholz derzeit um.

Um gerade die kleineren Legehennenhalter zu entlasten, würde sich Wilhelm Jacob wünschen, dass der Gesetzgeber die Frist bis zur erforderlichen Umdeklarierung auf 25 oder 30 Wochen hoch setzt. Die aktuelle bürokratische Hürde ist allerdings nicht die einzige, über die Jacob unglücklich ist.

Seine Familie betreibe seit 30 Jahren Legehennenhaltung mit Direktvermarktung, berichtet er. Damals habe für alle Dokumentationen ein Ordner gereicht, heute benötige er dafür zehn. So müsse er alle drei Monate den körperlichen Zustand der Tiere dokumentieren und täglich notieren, wie viel Futter und Wasser jedes Tier zu sich nehme, nennt er zwei Beispiele. „Man fühlt sich mittlerweile von den Behörden kleingehalten. Man hat das ja gelernt und kennt sich mit den Tieren aus“, sagt Jacob. Er achte schon aus eigenem Interesse darauf, dass es den Tieren gut gehe, denn wenn sie beispielsweise nicht genug Futter hätten, legten sie auch keine Eier, argumentiert er.

„Wir als kleiner Betrieb haben die gleichen Anforderungen wie die großen Betriebe. Es müsste da Abstufungen geben“, findet Jacob. Denn in großen Betrieben mag eine umfangreiche Dokumentation aus seiner Sicht sinnvoll sein, weil der Eigentümer nicht alles selbst im Blick haben kann. Aber auf seinem Hof sei er täglich in Kontakt mit seinen Tieren und wisse, wie es ihnen gehe.

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