„Ökowiese“ mit Vogelhotel

Vielfalt statt Einfalt auf einem Hektar Fläche

Dieter Nitschke (von links), Bernd Averbeck, Frank Prissok, Norbert Völker, Ulrike Marxmeier, Grundstücksbesitzerin Anke Wolfarth und Werner Schiller hängten insgesamt zehn unterschiedliche Nistkästen auf der „Ökowiese“ auf. - Foto: Brauns-Bömermann

Quernheim - Von Simone Brauns-Bömermann. Auf einem Hektar Fläche im Quernheimer Bruch entwickelt sich Vielfalt statt Einfalt. Was als Termin zum Aufhängen einer Nisthilfe für den Vogel des Jahres 2018, den Star, begann, entwickelte sich zur Geschichte des Lebens und Wirkens von Anke Astrid Wolfahrth aus Dielingen.

Sie und die „Willkommen geheißenen Stare“ und andere gefiederte Freunde der Umgebung waren die Stars des Nachmittags in der Runde von sechs Nabu-Mitgliedern aus der Dümmer-Region. Mitten zwischen Quernheim, Hagewede und Lemförder Ortsrand entsteht Wohlfahrts „Ökowiese“ mit Vogelhotel.

Aber kurz zurück: Bevor die zehn Nisthilfen für Stare, Steinkauz, Turmfalke, Bachstelze, Rotschwanz, Schleiereule und Meisen bei eisigem Ostwind von Bernd Averbeck, Werner Schiller, Dieter Nitschke, Frank Prissok, Norbert Völker und Ulrike Marxmeier am Weideschuppen angebracht werden konnten, hatte Anke Wolfarth die Fläche von einem Eigentümer am Alfsee kaufen können. „Als ich von meiner Idee, dort ein kleines Paradies für Wildtiere, Insekten und Vögel zu erstellen, berichtete, kam er mir sogar im Preis entgegen.“

Zusammen mit dem Nabu konnte Wolfarth bereits 34 Obstbäume (Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume), alles alte Sorten, pflanzen. Am Flächenrand erheben sich die ebenso neu gepflanzten Kopfweiden, und Wolfarth plant noch einen Amphibienteich. „Ich freue mich schon, wenn es Frühling wird und die Saat der Wildgräser und Wildblumen aufgeht.“

Die Person Wolfarth signalisiert Entschlossenheit und Empathie für alle Erdlinge. An ihrem Auto klebt der Schriftzug earthlings.de, den sie so interpretiert: „Schon seit ich denken kann, ist mir Natur- und Tierschutz wichtig. Als Mensch der „westlichen Welt“ bin ich im Überfluss aufgewachsen“, sinniert sie weiter. „Und mir ist schnell klar geworden, dass unser Konsum der Erde mehr Wunden zufügt, als sie verträgt.“ Deshalb hieße die Unterzeile auf ihrem Auto auch: „Wie viel Wahrheit verträgst Du?“ Die Idee durch das persönlich finanzierte Projekt „Ökowiese“ der Erde etwas zurückzugeben und damit Danke zu sagen, kam der Dielingerin vor sieben Jahren. Sie wurde zu einer Lebensaufgabe für sie und ihren Mann Stefan. „Wir verstehen unser Stück Land als ,Unterschlupf’ für heimische Tierarten“, so Wolfarth.

Dabei verdiene sie nicht viel Geld, spare aber für das ihr wichtige Ziel. Die Naturliebhaberin redet nicht nur über Naturschutz, sie lebt und finanziert ihn. Seit vielen Jahren leistet sie Aufklärungsarbeit zum Thema Insekten- und Vogelschutz im eigenen Garten. „Totholz ist nicht so tot, wie der Mensch das oft sieht“, erläutert sie. Totholz fördere unglaublich viel Leben im Garten. Mit Kräuterspirale, Natursteinmauer und altem Holz könne jeder Gartenbesitzer dem Insekten- und Bienensterben entgegenwirken. Wolfarth gibt unumwunden zu: „Ich lebe seit sieben Jahren vegan und bin bekennender Naturschützer.“ Sie unterstützt tatkräftig sechs Tier- und Naturschutzvereine aus einem tiefen Beweggrund, wie sie erläutert. „Ich fühle mich in der Pflicht für die wunderbaren Mitgeschöpfe, denn wir sind alle Erdlinge.“

Für das Frühjahr plant Wolfarth das Pflanzen von Hecken und Wildsträuchern aus heimischen Sorten wie Holunder, Weißdorn, Heckenrose und Vogelbeere. „Und dann werde ich versuchen, mein Grundstück von der Jagd befreien zu lassen, denn ich möchte nicht, dass die Tiere, die ich zu schützen versuche, vor den Lauf der Jäger kommen.“ Wenn die Bäume der Streuobstwiese Früchte tragen, heißt das Obst, dass die Besitzerin gerne mit den Tieren teilt: Dülmer Rosenapfel, Pfannkuchen Apfel, Hauszwetschke, Gräfin von Paris oder Roter Münsterländer.

Zur Hängung der Nistkästen schaute schon mal ein Schwarm Stare vorbei: Die Vogelart gefiel übrigens Starkomponisten Mozart so gut, dass er drei Jahre lang einen Hausstar hielt. Als „Vogel Stahrl“, so nannte er ihn, starb, hatte er einen Satz aus einem seiner Klavierkonzerte zu pfeifen gelernt. Geliebt ist der Vogel wegen seines Gesanges und Sprachtalents. Ambivalent werden seine Essgewohnheiten gesehen: Frisst er die Heuschrecken und Schnecken, liebten ihn die Bauern. Seine Leidenschaft für Beeren und Früchte, die der Mensch auch so gerne mag, sieht der Mensch ungern.

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