Kardiologe Dr. Michael Höge referiert beim DRK-Frühstück über plötzlichen Herztod

Viel Bewegung statt Medikamente

Mit einem leckeren Frühstück gestärkt, lauschten die Teilnehmer des Frühstücks den informativen und unterhaltsamen Ausführungen des Referenten. Foto: Brauns-Bömermann

Brockum - Von Simone Brauns-bömermann. „Tot ist schon mein Computer, ich halte den Vortrag also analog als Ihr Entertainer“ – damit stieg Dr. Michael Höge, Chefarzt der Kardiologie der Kliniken im Landkreis Diepholz, als Gastdozent beim DRK-Frühstück in Brockum ein. Höge ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Internistische Intensivmedizin. Und er ist pragmatisch, ein wenig sarkastisch und ehrlich.

Zum Thema der diesjährigen Herzwochen, die sich mit dem plötzlichen Herztod beschäftigen, berichtete er aus seiner Praxis, gab Tipps zur Vorbeugung und fand manchmal recht deutliche Worte: „Vorteil der Todesart? Sie spüren nichts, jedenfalls nicht, wenn Sie betroffen sind.“ Mögliche Gründe eines plötzlichen Herztodes: „Es sind häufig die bösartigen Herzrhythmusstörungen als Ursache zu nennen. Sind sie zu massiv, kann ein Herz einfach mechanisch stehen bleiben.“ Die Rhythmusstörungen entstünden durch Verkalkung der Zuleitungen zum Herzen. „Jetzt fragen Sie sich, wie man das verhindern kann?“ Generell gelte, „Leute mit guter Laune leben länger und die, die sich bewegen“. Studien hätten aber auch ergeben, dass Marathonlauf eher ungesund sei.

„Wenn aber ein lebensbedrohliches Kammerflimmern vorliegt, bei mehr als 360 Schlägen pro Minute, ist die erste Gegenmaßnahme der Einsatz des Defibrillators als Schockgeber“, so Höge. Zu diesem Zeitpunkt im Vortrag hatte Rainer Grädtke als IT-Fachmann bereits ein Ersatzlaptop installiert, damit Höge mit Bildern fortfahren konnte. „Das ist nett, aber stellen Sie mir bitte nur das Einstiegsbild der Klinik in Diepholz ein, dann habe ich für unsere Herzkatheter-Abteilung genug Werbung gemacht.“ Tatsächlich hatte der Mediziner Gefallen am freien Vortrag gefunden und hielt dies bis zum Ende durch.

„Wenn Sie also einen leblosen Menschen finden, schnappen Sie sich einen Defibrillator und holen Sie ihn wieder“, riet er. Erst den Notruf 112 wählen, dann mit Herzmassage anfangen und im besten Fall mit zweiter Person arbeiten, bis das Gerät funktionsbereit ist. „Das machen wir im OP auch so.“ Das Schlimmste sei, nicht zu helfen. „Der Mensch ist ohnehin schon tot, Sie können mit Ihrem Handeln sein Leben retten“, so Höge. Im Krankenhaus „können wir dann eine Ballondilatation vornehmen und Stands setzen“.

Damit kam er zur entscheidenden Frage: „Wie gut sich der Patient nach dem Schuss vor den Bug erholt, liegt an ihm selbst. Ich sehe hier Pudding, Käse, Butter und Wurst auf den Tischen. Das mag ich auch, aber genieße es in Maßen“, betonte der Chefarzt. Dreieinhalb Stunden Bewegung pro Woche empfählen Studien für die Ausdauer. „Ich glaube, jede halbe Stunde, egal ob Spazieren, Tanzen, Schwimmen oder Radfahren hilft“, so Höge. Sitzen sei die größte Volkskrankheit der Zukunft.

Dann machte er einen Schwenk zu eingebauten Herzschrittmachern bei zu langsam schlagenden Herzen und neueren eingebauten Defibrillatoren. Diese Geräte arbeiteten unter bestimmten Rahmenbedingungen auch gegen Herzschwäche. Die Frage nach Sex mit eingebautem Defibrillator wurde nicht gestellt, aber Höge beantwortete sie vorsorglich: „Machen Sie weiter wie bisher. Ihr Partner bekommt keinen gewischt, wenn er auslöst.“

Ein weiteres Thema im Kontext Herzgesundheit beleuchtete der Fachmann: „Wichtig ist, dass Sie auf sich selbst Acht geben, auf ihren Körper hören und Veränderungen realisieren.“ Er halte nichts von vorbeugenden Medikamenten, aber von Bewegung und frischer Luft. „Nach draußen mit dem Hund“, lautet sein Rezept. „Sie sind ihrer Gesundheit Schmied“, betonte er. „Wir können bei akuten Problemen helfen.“

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