Von-Sanden-Oberschule meistert mit Technik und Kreativität die Corona-Krise

Unterricht aus dem Homeoffice

An der Von-Sanden-Oberschule in Lemförde lernen Schüler trotz räumlicher Trennung gemeinsam. 
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An der Von-Sanden-Oberschule in Lemförde lernen Schüler trotz räumlicher Trennung gemeinsam. Foto: Russ
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Lemförde – Die Aufgabe ist auf das Smartboard projiziert. Doch die Lehrkraft steht nicht daneben und erklärt. Sie sitzt zu Hause in ihrem Büro, ihre Stimme dringt aus den Lautsprechern in den Klassenraum. Über eine Webcam und Mikrofone im Raum kommuniziert sie mit den Schülern. Es knistert zwar ein bisschen in der Leitung, aber insgesamt läuft es gut. Auch so geht Unterricht an der Von-Sanden-Oberschule in Lemförde in Corona-Zeiten.

Schulleiter Marc Greve und sein Team haben sich einiges einfallen lassen, um den Schülern und Lehrern, die als besonders Gefährdete nicht in die Schule kommen können, ein gemeinsames lernen und lehren zu ermöglichen.

„Man muss sich mehr konzentrieren und genau zuhören, dann versteht man alles“, beschreibt Neuntklässlerin Pia den Englisch-Unterricht auf Distanz. Sie ist froh, wieder in der Schule zu sein. „Ich finde es besser, hier zusammenzuarbeiten als zu Hause alleine zu lernen.“ Auch Andre freut sich über die Rückkehr in die Schule. „Zu Hause wurde ich ständig abgelenkt. Hier kann ich mich besser konzentrieren.“

Wenn eine Lehrkraft von zu Hause aus unterrichtet, befindet sich im Klassenraum eine zweite Lehrkraft, die quasi als Assistent fungiert. Die Doppelbesetzung ist möglich, weil es derzeit keinen Präsenzunterricht in klassenübergreifenden Fächern gibt. Bei den „Franzosen“ hat Marc Greve eine Ausnahme gemacht. Sie werden in nach Klassen getrennten Gruppen unterrichtet. „Beim Lernen einer Sprache braucht es einfach ein Gegenüber“, erklärt Konrektorin und Französischlehrerin Kirsten Henseleit.

Einer ihrer Schüler ist der Achtklässler Hendrik. Er darf nicht in die Schule kommen, kann per Video aber trotzdem dabei sein. „Das ist sehr gut, weil man nachfragen kann, wenn man etwas nicht versteht“, sagt er.

Auch sonst ist in der Oberschule derzeit vieles anders. Die einzelnen Klassen machen getrennt voneinander Pause, der Gong wurde abgeschaltet, damit er nicht alle 15 Minuten ertönt, in den Klassen sitzt nur die Hälfte der Schüler, Fenster und Türen sind zur besseren Belüftung weit geöffnet.

Henseleits Rückblick auf die ersten Wochen des Homeschoolings fällt ambivalent aus. „Es gibt Schüler, die zu Hause super gearbeitet haben.“ Ein paar Jugendliche seien aber auch nicht erreichbar gewesen. „Das Schulsystem fordert von den Schülern zu wenig Eigenverantwortung“, sieht Greve hier ein Grundproblem. Nach seiner Einschätzung müsste stärker über offene Lernmethoden nachgedacht werden.

Beim Homeschooling, das neben dem Präsenzunterricht weiterläuft, gab es in zweierlei Hinsicht technische Hürden, die aber gemeinsam umschifft wurden. Zum einen besitzen laut Greve 40 bis 50 Schüler keine adäquaten Computer. Hier konnte die Schule mit 30 Laptops aushelfen. In einigen Fällen sind geringe Bandbreite oder Datenvolumen ein Problem. Darum hält die Schule eine „analoge Station“ bereit, an der Schüler auf Kosten der Einrichtung Aufgabenzettel kopieren können. Zum anderen fehlt es laut Henseleit vielen Schülern der „Generation Handy“ an grundlegenden Computer-Kenntnissen.

Bei Fragen zur Plattform Microsoft Teams, mit der Schüler und Lehrer kommunizieren, helfen von einem Lehrer der Oberschule erstellte Video-Tutorials, die auf der Homepage zugänglich sind und laut Greve auch von Kollegen anderer Schulen genutzt werden. Insgesamt, so sind sich Greve und Henseleit einig, laufe es an der Oberschule unter den besonderen Gegebenheiten sehr gut. „Die Schüler sind sehr diszipliniert“, lobt Greve. Und die Kollegen hätten die vielen Neuerung in sehr kurzer Zeit umgesetzt. Voll des Lobes ist der Schulleiter auch für das Kultusministerium. Als gut durchdacht und verlässlich bezeichnet er die Informationen und Anweisungen, die aus Hannover kommen. Die Schulen hätten in der Regel vier Wochen Zeit, um neue Dinge umzusetzen.

Und wie geht es nach den Sommerferien weiter? Im Hinblick auf den Wissenserwerb müsste es aus Sicht Greves wieder Vollunterricht geben, so wie es Bund und Länder als Ziel verkündet haben. Ihm ist aber auch bewusst, dass der Infektionsschutz nicht außer acht gelassen werden darf. Wenn alle Schüler zurückkommen, würde es bei Einhaltung des Mindestabstands Raumprobleme geben, zudem könne im Winter nicht so ausgiebig gelüftet werden, nennt er zwei Umstände, die einen Regelbetrieb erschweren könnten. Wie das Land Niedersachsen verfahren wird, ist noch offen. Kultusminister Grant Hendrik Tonne kündigte eine Entscheidung noch vor den Sommerferien an.

Von Melanie Russ

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