TV-Star spricht im Interview über seine Tätigkeit als „Knochenbrecher“

„XXL-Ostfriese“ Tamme Hanken besucht Tierschau

+
Tamme Hanken trat ohne Gage auf der Großmarkt-Tierschau auf. Zusammen mit Bürgermeister Marco Lampe (r.) und Martin Seidl von der Bayern-Genetik warb er um Spenden für das Kinder- und Jugendhospiz „Löwenherz“.

Brockum - Von Christa Bechtel. Am Dienstag ist der letzte Tag und auch der Höhepunkt des Brockumer Großmarktes: Der traditionelle Viehmarkt.

Im Vorfeld hatte sich bereits am Montag ein prominenter Gast mit seiner Ehefrau und einem bekannten Vierbeiner ein Stelldichein auf der erstmalig an allen Markttagen ausgerichteten Tierschau gegeben: Tamme und Carmen Hanken mit „Jumper“, Hankens Lieblingshengst. Tamme Hanken ist Chiropraktiker, Pferdeflüsterer, Buchautor und Pferde-Heilpraktiker. Bekannt wurde er durch die NDR-Serie „Der XXL-Ostfriese“ und ist heute weltweit einer der gefragtesten Pferde-Chiropraktiker. Als gelernter Landwirt arbeitete er nach seiner Ausbildung als Betriebshelfer auf einem Bauernhof.

Einige Zeit später schloss er sich einem Hufschmied an, mit dem er etwa acht Jahre zusammenarbeitete. In den 1990er-Jahren gründete er die „Pferde-Reha Filsum“ und ist seitdem hauptberuflich als „Knochenbrecher“ tätig. Der Brockumer Großmarkt war Anlass für ein Interview mit dem Mann mit den magischen Händen.

Wie sind Sie auf den Brockumer Großmarkt aufmerksam geworden?

Tamme Hanken: Ich bin vor zehn Jahren schon mal zum Viehmarkt gekommen. Dieses Jahr habe ich leider nur den Montag Zeit. Und ich wollte hier meine Freunde aus Bayern (Bayern-Genetik) besuchen. Das haben wir gleich mit einer Autogrammstunde gekoppelt.

Meist erkennen Sie auf den ersten Blick, was einem Tier fehlt. Ist das ein Gefühl aus dem Bauch heraus oder beruht das auf jahrelanger Erfahrung?

Hanken: Sowohl als auch. Man arbeitet selbstverständlich mit dem Kopf mit. Aber vieles ist auch Bauchgefühl. Weil – das Tier redet nicht, es macht uns nur durch die Bewegung auf Probleme aufmerksam.

Grob geschätzt: Wie vielen Tieren haben Sie bereits geholfen?

Hanken: Das kann man nicht zählen; ich bin mehr als 30 Jahre im Geschäft. Fakt ist: Wie ich früher losging, war ich mit vier anderen ostfriesischen „Knochenbrechern“ alleine in ganz Deutschland unterwegs und auch europaweit. Weil es das sonst nicht weiter gab. Was daraus in den 30 Jahren geworden ist, ist Osteopathie, Physiotherapie, Chiropraktik und Heilpraktiker-Schulen. Die aus dem Boden herausschießen, wie die Pilze. Es ist also ein Riesenmarkt geworden, wo viele Menschen von leben. Wir sehen jedes Jahr zahlreiche junge Leute, die diesen tollen Beruf machen wollen, aber es letztendlich nicht durchhalten, weil sie vom Tier getreten werden und Angst bekommen. Wer Angst hat, hat verloren am Vieh; weil das Vieh es immer merkt, wenn du Angst hast. Das Vieh merkt aber auch, wenn du helfen willst. Ich habe einfach die körperliche Größe und das Feingefühl in den Fingern auf meiner Seite – und mehr will ich gar nicht.

Gab es auch Misserfolge?

Hanken: Misserfolge, wie will man das darlegen? Wir haben noch keinen umgebracht oder zum Krüppel gerenkt. Aber Misserfolg ist für mich schon, wenn man einem Tier nicht mehr helfen kann. Doch da wir als letzter immer dran sind… Alle Tiere, die krank sind, sind bei Tierärzten gewesen, sind durch alle möglichen Hände schon durch, wo man Hilfe sucht. Man sucht schnelle Hilfe in der Nachbarschaft, dafür haben wir die Veterinäre. Wenn die nicht mehr weiter können, heißt es vielleicht: Zum Schlachter. Dann geht die Reise los nach Ostfriesland. Von denen, die bei uns ankommen, kriegen wir immer noch um die 70 bis 75 Prozent wieder flott.

Inzwischen sind Sie nicht nur in Deutschland gefragt, sondern auch im Ausland. Wo waren Sie schon überall, um zu helfen?

Hanken: Ich glaube, wo wir nicht waren kann man schneller aufzählen. Wir machen jetzt eine Weihnachtssendung bis zum 13. November und fahren morgen los bis nach Italien rein. Dann sind wir vom 28. Dezember bis zum 12. Januar in Hongkong. Dann weiter ins Outback nach Australien. Im Februar sind wir wieder in Ecuador und Galapagos. Im Anschluss fliegen wir dann nach Florida. So ist das ganze Jahr, jeder Monat ausgeplant.

Könnten Sie sich vorstellen eine Sendung zu machen, wo Sie die Tiere besuchen, die Sie behandelt haben? Nach dem Motto: Mal schauen, was aus den Tieren geworden ist, denen ich einmal geholfen habe?

Hanken: Das haben wir dieses Jahr mit der neuen Produktion bei „Kabel eins“ angefangen. Es ist erstaunlich, wie die Leute zufrieden sind und was daraus geworden ist. Es kommen aber auch Leute zum Beispiel mit einem Hund, der bereits 18 Jahre auf dem Buckel hat. Und dann träumen sie noch von einem Sporthund. Ich sage immer zu den Leuten: Rechnet die Hunde um. Rechnet die sieben Jahre, die ein Menschenjahr von den Hundejahren hat um. Wenn wir dann einen Hund mit zehn Jahren haben, haben wir einen 70-Jährigen vor uns. Wenn ich 70 bin, dann jucken mir die Knochen sicherlich hier und da auch. Ein Jungbrunnen ist noch nicht erfunden worden.

Wie Jörg Michelson aus Barrien die Welt sieht

Wie Jörg Michelson aus Barrien die Welt sieht

Auf einer Reise Stockholm entdecken

Auf einer Reise Stockholm entdecken

Fußball-Tennis und viel Kopfballspiel: Werder-Training am Donnerstag

Fußball-Tennis und viel Kopfballspiel: Werder-Training am Donnerstag

Warschau will neuen Glanz für Praga

Warschau will neuen Glanz für Praga

Meistgelesene Artikel

Appletree: Zeltplatz wird mit Zaun gesichert

Appletree: Zeltplatz wird mit Zaun gesichert

Fotograf mit Blick für kleine Wunder

Fotograf mit Blick für kleine Wunder

Syrerin rutscht durch Handyvertrag in Schuldenfalle

Syrerin rutscht durch Handyvertrag in Schuldenfalle

B6: Dauerärgernis ist behoben, aber es gibt neue Probleme

B6: Dauerärgernis ist behoben, aber es gibt neue Probleme

Kommentare