Sascha Sowade arbeitet im Garten- und Landschaftsbau

Aus den Delme-Werkstätten in den Arbeitsmarkt - trotz Behinderung

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Sascha Sowade ist seit mindestens fünf Jahren der Erste, der nach einer Ausbildung bei den Delme-Werkstätten eine Festanstellung bei einer Kommune erhalten hat.

Sascha Sowade arbeitet im Bereich Garten- und Landschaftsbau für die Samtgemeinde Altes Amt Lemförde. Für ihn ist das ein Traumjob, seine Anstellung aber keine Selbstverständlichkeit - denn der Hüder hat eine geistige Behinderung.

Lemförde - Von Katharina Schmidt. Der Fachkräftemangel zwingt Firmen dazu, umzudenken. Er erhöht bei vielen Chefs und Personalern die Bereitschaft, neue Wege zu gehen – und zum Beispiel zu schauen, inwiefern Menschen mit Behinderung ins Team passen könnten. Diese Erfahrung hat Wilfried Lau gemacht. Er ist bei den Delme-Werkstätten Leiter für berufliche Bildung. Zunehmend gelinge es, Menschen mit geistiger Behinderung auf den regulären Arbeitsmarkt zu vermitteln. Was bei Firmen allmählich klappt, ist Lau zufolge bei Kommunen noch die Ausnahme.

„Betriebe sind da offensiver“, sagt er. Mindestens fünf Jahre lang habe es niemanden gegeben, der nach einer beruflichen Bildung bei der Delme – dabei werden Teilnehmer auf das Berufsleben vorbereitet – einen festen Arbeitsplatz bei einer Gemeinde angetreten ist. Umso mehr freut er sich, dass mit Sascha Sowade nun ein junger Mann genau das geschafft hat.

Sowade lebt in der Dümmer-Gemeinde Hüde. Seit Anfang März arbeitet der 22-Jährige für die Samtgemeinde Altes Amt Lemförde. Seine Aufgabe ist es, Beete und Rasenflächen an Schulen, Kindergärten und Sportplätzen in Schuss zu halten. Dass er in den Bereich Garten- und Landschaftsbau will, weiß er schon lange. Er absolvierte mehrere Praktika, eines davon ab August 2018 beim Bauhof Lemförde. Zu diesem pflegen die Delme-Werkstätten seit Langem gute Kontakte. Schon während des Praktikums bewarb sich Sowade auf eine Festanstellung – mit Erfolg. Er hat Spaß an seinem Job, das ist ihm anzumerken. Er liebt die Natur, ist gerne draußen.

Unbefristete Stelle mit 25 Wochenstunden

Seine Stelle ist unbefristet und umfasst 25 Wochenstunden. Sie wurde neu geschaffen. Zuvor hatten sich Ehrenamtliche um die Grünflächen an Schulen und Co. gekümmert. Dabei hat nicht immer alles zur Zufriedenheit der Gemeinde geklappt. Auch vor dem Hintergrund, dass die Bereitschaft für solches Engagement nachlässt, ist die Kommune froh, jetzt auf Sowade zählen zu können.

Der 22-Jährige ist zufrieden, die Gemeinde auch – wieso gibt es also nicht längst mehr Menschen mit geistiger Behinderung, die ihren Weg von der Delme in den Personalstamm einer Kommune gefunden haben? Wilfried Lau meint diesbezüglich, dass da oft „Zwischenfinanzierungsgeschichten“ im Spiel seien und Gemeinden dafür meistens nicht die Mittel hätten. Rüdiger Scheibe, Bürgermeister der Samtgemeinde Altes Amt Lemförde, ergänzt, dass es in Produktionsbetrieben oft leichter sei, eine passende Beschäftigung für Menschen mit geistiger Behinderung zu finden.

Eingliederungszuschuss wird gezahlt

In der ersten Zeit bekommt die Samtgemeinde Altes Amt Lemförde von der Agentur für Arbeit einen sogenannten Eingliederungszuschuss. Doch alle Beteiligten betonen, dass der Grund für Sowades Einstellung nicht irgendwelche Zuschüsse gewesen seien – sondern seine gute Mitarbeit. Ob und welche Finanzierungshilfen es gibt, werde erst geklärt, wenn feststeht, dass jemand in ein Unternehmen passt, erklärt Lau.

Auch wenn ein Betrieb und ein Bewerber aus den Reihen der Delme-Werkstätten zusammenpassen, gibt es laut dem Bereichsleiter oft Hürden. „Mobilität ist ein großes Thema“, sagt er. Oft scheitere es daran, dass Leute keinen Führerschein haben und Firmen mit dem Öffentlichen Personennahverkehr nicht erreichbar seien. Das Problem hat Sascha Sowade nicht. Er fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit. Die formale Betreuung durch die Delme endet nun für ihn – der Kontakt aber nicht. In dem Punkt sind sich alle Seiten einig.

Im vergangenen Jahr haben die Delme-Werkstätten vier Menschen aus der beruflichen Bildung auf den ersten Arbeitsmarkt vermitteln, davon zwei Auszubildende.

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